Richter: Aussagen des Opfers glaubhaft

Sieben Jahre Haft für Vergewaltiger

Verden/Sulingen - Von Wiebke Bruns. Anlässlich der Urteilsverkündung am Dienstag trat das als Nebenklägerin an dem Verfahren beteiligte Opfer dem Angeklagten noch einmal im Gerichtssaal gegenüber. Als das Strafmaß verkündet wurde, schloss die junge Frau kurz die Augen, sie wirkte erleichtert. Sieben Jahre Jugendstrafe wegen Vergewaltigung, Raub, Körperverletzung und Nötigung hat die 3. Große Strafkammer des Landgerichts Verden verhängt.

Ein Alter des Angeklagten steht nicht sicher fest. Zum Tatzeitpunkt im August 2016 war er mindestens 19 bis 20, aber noch keine 21 Jahre alt, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte wurde vom Gericht als Heranwachsender noch nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Glauben wurde seinen Angaben insoweit geschenkt, dass er in Algerien geboren wurde und sich später alleine über Frankreich und Deutschland bis nach Schweden durchgeschlagen hat. In Schweden wurde er im März 2017 festgenommen. Zum Tatzeitpunkt lebte er in Sulingen in einer Unterkunft für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge.

Dort war er, wie so oft, nachts abgehauen. In der Nähe eines Sees traf er gegen 2.45 Uhr zufällig auf die 26-Jährige, die alleine zu Fuß auf dem Heimweg vom Reload-Festival war. „Der Angeklagte kam aus einem Busch, ergriff sie mit den Händen vorne am Hals und begann sie zu würgen“, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe zum Tathergang. „Sie schrie mehrfach panisch um Hilfe.“ Dies hatten in dem Prozess ein Freund der Geschädigten bestätigt, mit dem sie gerade telefonierte, und ein Anwohner.

„Die Angeklagte wehrte sich nicht. Aus Angst das Bewusstsein zu verlieren. Sie fürchtete, dass der Angeklagte sie umbringen und in den Stadtsee werfen könnte“, so Grebe weiter. „Dem Angeklagten war zur sicheren Überzeugung der Kammer klar, dass er den Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Nebenklägerin ausführt.“ Dies hat der Angeklagte bis zum Schluss bestritten.

Nach der Vergewaltigung auf einer Parkbank raubte der Angeklagte 25 Euro und das Handy der Frau. Dies verkaufte er später an einen Bekannten für 100 Euro. Während die Frau verängstigt zu ihren Eltern nach Hause lief, kehrte der Angeklagte in das Wohnheim zurück. Weil er am Abend zuvor schon Frauen auf dem Festival bedrängt hatte, geriet er schnell unter Verdacht. Beim Eintreffen der Polizei war er bereits verschwunden. In der Nacht darauf kehrte er zurück, um seine Sachen zu holen, und nötigte eine Mitarbeiterin des Wohnheims mit einem Messer.

An den Schilderungen des Opfers bestünden nicht die geringsten Zweifel, betonte Grebe. Die Kammer schätze die Frau als „besonders glaubhaft“ ein. Und schließlich stimmten ihre Angaben mit objektiven Spuren überein. Die Einlassung des Angeklagten wurde dagegen als Schutzbehauptung angesehen und konnte in mehreren Punkten widerlegt werden.

„Das ist ein erhebliches Verbrechen, das der Angeklagte begangen hat. Bei der Vergewaltigung sei die Schwere der Schuld gegeben. Einbezogen in die sieben Jahre wurde eine 18-monatige Bewährungsstrafe wegen Diebstählen aus Autos. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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