Ladenschluss und verkaufsoffene Sonntage

Shopping und Erlebnis

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Das Frühlingsfest bot den jüngsten Anlass zum Besuch der Sulinger City und für einen Einkaufsbummel am Sonntag.

Sulingen - Von Carsten Schlotmann. Claus Wilhelm Vocke vom Kaufhaus Ranck spricht von einem „Erfolg“. Sigrid Vallan von „Das Geschenk“: „Wir wundern uns, dass es immer früher losgeht. Die Leute gehen schon um 11.30 Uhr die Straße rauf und runter.“

Viele auswärtige Gäste haben die Mitglieder der Interessenvertretung Initiative Sulingen am Sonntag während des Frühlingsfestes mit verkaufsoffenem Sonntag ausgemacht. Mittwochabend zogen sie im Landhaus Nordloh Bilanz – und nahmen Planungen für die Zukunft in Angriff; nicht zuletzt mit Blick auf die Klagewelle, die die Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“ bundesweit in Gang gesetzt hat.

Dass die Gewerbetreibenden auch in den Jahren 2018 und 2019 an vier verkaufsoffenen Sonntagen per annum festhalten wollen, gilt als unstrittig. Viel mehr suchen sie nach Wegen, die Attraktivität der Veranstaltungen zu stabilisieren beziehungsweise weiter auszubauen. 

Beiprogramme sollen Sonntage aufwerten

Einig ist man sich im Kreis der Teilnehmer des Dämmerschoppens am Mittwoch, neben Frühlings- und Herbstfest auch die verkaufsoffenen Sonntage drei und vier durch Beiprogramme aufzuwerten. Bisher hatten die Händler, wie zuletzt im Januar, auf gesonderte Attraktionen und Sperrungen der Langen Straße verzichtet.

Philipp Leymann, Vorsitzender des Zusammenschlusses der Gewerbetreibenden: „Fakt ist, wir müssen etwas tun, um dem Kunden die Möglichkeit zu geben, neben dem Shopping auch noch andere Dinge zu erleben.“ Und das nicht nur aus Gründen der Kundenbindung.

Nicht verheimlicht hat Leymann gegenüber den Mitgliedern, dass die Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“ aktuell bundesweit verkaufsoffene Sonntage ins Visier nimmt. Die Gewerkschaftler prüfen deren Rechtmäßigkeit – und scheuen nicht den Klageweg. Betroffen sich nicht nur die Metropolen. Erst am Mittwoch dieser Woche sagten Handels- und Gewerbeverein und Stadt Vechta die ursprünglich für Sonntag, 9. April, geplante Öffnung der Geschäfte ab.

„ver.di“ zog vor Gericht

„ver.di“ hatte in dem Vorhaben einen Verstoß gegen geltendes Recht gesehen und war vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg dagegen vorgegangen. Das niedersächsische Gesetz über die Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten billigt den Kommunen im Grundsatz zu, auf Antrag bis zu vier verkaufsoffene Sonntage zu genehmigen. Das Ladenschlussgesetz und damit die Gesetzgebung des Bundes fordert aber dazu einen besonderen Anlass.

Der ist aus Sicht der „Initiative“ mit Frühlings- und Herbstfest gegeben. Bezweifelt wird aber wohl auch intern, dass die Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen durch die Stadt Sulingen, wenn keine Sonderaktionen oder Anlässe kommuniziert sind, vor Gericht tatsächlich Bestand hätte.

Vier verkaufsoffene Sonntage geplant

Vier verkaufsoffene Sonntage plant die „Initiative“ für 2018 und 2019 (wir berichteten); die in den Monaten März und September jeweils als Frühlings- beziehungsweise Herbstfeste.

Am Mittwochabend verständigten sich die Gewerbetreibenden darauf, auch die für die kommenden beiden Jahre geplanten verkaufsoffenen Sonntage ohne Anlässe mit Themen zu besetzen.

Der Ideenreichtum der Gewerbetreibenden scheint unerschöpflich – angefangen beim „Sulinger Hüttenzauber“ über „Die längste Spargeltafel der Welt“ bis hin zur „Sulinger Autoschau“ und – ganz im Trend – zum „Street-Food-Festival“. Die Ideenbörse ist eröffnet.

Ein Kommentar zum Thema von Carsten Schlotmann

„ver.di“ bäumt sich auf. Land auf und land ab steht die Sonntagsöffnung der Einzelhandelsbetriebe auf dem Prüfstand. Mit Recht: Die Gewerkschaftler vertreten das Interesse ihres die Beiträge zahlenden Klientels, sprechen mit Blick auf den Status quo von einer sozialen Errungenschaft, die es zu verteidigen gelte. 

Der örtliche, überwiegend (noch) von Inhaber geführte Einzelhandel kämpft ums Überleben. Im Zeitalter der Digitalisierung und des Booms im Bereich des Internethandels mutieren die verkaufsoffenen Sonntage immer mehr zum wichtigsten Instrument der Kunden- und damit der Kaufkraftbindung. Frühlings- und Herbstfeste wirken wie Magnete, machen weit über die Grenzen des Mittelzentrums hinaus auf die Stadt und damit auch die Angebote des Handels aufmerksam. 

Die Sulinger Händler verdeutlichten erst am Mittwoch wieder, dass sie weniger die Umsatzerträge, mehr den Imagegewinn bei der Bespielung der Langen Straße an einem Sonntag in den Fokus nehmen. Kurzfristig messbar seien Er- und Misserfolge des Engagements nicht. Man wolle Events schaffen – und so einen Beitrag zur Attraktiviät einer Stadt im ländlich strukturierten Raum beitragen; nicht zuletzt auch auf sich und seine Angebote hinweisen. Amazon und Zalando kennen keinen Ladenschluss.

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