Ilona Wagner wartet geduldig auf Post

Seit Wochen Ebbe im eigenen Postkasten

Im Briefkasten von Ilona Wagner herrscht seit fast vier Wochen „Ebbe“. - Foto: Behling

Sulingen - Im Zeitalter von E-Mails und sozialen Netzwerken sind die klassischen Briefkästen auf Diät gesetzt, die meisten müssen sich wohl im Wesentlichen mit Rechnungen und behördliche Schreiben begnügen. Nicht so bei Ilona Wagner: Die Sulingerin schreibt gerne Briefe und freut sich, wenn sie Post von Familienmitgliedern und Freunden bekommt. Neben dem Telefon ein wichtiger Draht zur Außenwelt für sie, denn sie ist bettlägerig und auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Doch seit fast vier Wochen herrscht in ihrem Briefkasten Ebbe, berichtet Ilona Wagner – und das, obwohl sie von mehreren Sendungen wisse, die an sie abgeschickt wurden.

Ihren Humor hat sie nicht verloren, stimmt einen Schlager an: „ ,Kein Schwein ruft mich an...‘ Gut, das passt nicht so ganz“, räumt sie lächelnd ein. Tatsächlich habe ihr Stromversorger bei ihr durchgeklingelt und sich erkundigt, warum sie auf zwei Schreiben bezüglich einer Nachzahlung nicht reagiert hat. „Die habe ich nie bekommen. Und meine Schwester hat mir ein Foto aus unserer Jugendzeit geschickt, das auch nicht angekommen ist.“ Daraufhin habe sie noch einen Abzug geschickt, noch einen – vergebens. 

Noch ärgerlicher: „Meine Cousine aus Bottrop hat bei einem Ausflug nach Amsterdam eine Schneekugel für meine Sammlung besorgt und abgeschickt. Und dann angerufen und gefragt, ob ich sauer auf sie bin, weil ich mich gar nicht bedanke.“ Schließlich adressierte Ilona Wagner sogar testweise einen Brief an sich selbst – Windmühlenweg 7, 27232 Sulingen – der sein Ziel bis dato ebenfalls nicht erreichte. Im selben Haus wohnen ihr Sohn Sascha und dessen Ehefrau Petra: „Auch die haben keine Briefe bekommen – was aber nicht so ungewöhnlich ist, sie kriegen vor allem Pakete mit Dingen, die sie im Internet bestellt haben.“ Als ein wichtiges Rezept von ihrem Arzt nicht per Post eintraf, fuhr Ilona Wagners Schwiegertocher nach Twistringen, um es zu besorgen.

Liegt es an der Adresse?

Vielleicht ein Adressproblem? Auf Ilona Wagners Postkasten steht Hassel 7, auf einem Findling bei ihren nächsten Nachbarn Labbus 8. „Ja, zwischen unseren Grundstücken verläuft die Grenze der Ortsteile“, bestätigt Ilona Wagner. „Aber ich wohne seit 25 Jahren hier und hatte nie solche Probleme.“ Allerdings habe sie festgestellt, dass die Austräger bei der Post seit einiger Zeit häufiger wechseln – ihre Eingangspforte hat sie vom Bett aus im Blick und sieht auch, wer vorbeifährt. Ilona Wagner wandte sich vor zwei Wochen an die Poststelle im Kaufhaus Ranck, bekam die Nummer einer Hotline. Zunächst habe Kollege Computer ihre Beschwerde aufgenommen, dann habe sie doch eine Mitarbeiterin erreicht, die ihr Problem notierte. Als sich daraufhin nichts tat, versuchte sie es noch einmal bei Ranck. „Aber die dürfen die Telefonnummer des Poststützpunktes in Sulingen nicht herausgeben.“

Das bestätigt Maike Wintjen von der Pressestelle Nord der Deutschen Post DHL Group am Freitagvormittag auf Anfrage der Redaktion, „da ist ja auch tagsüber niemand zu erreichen.“ Sie verspricht allerdings, sich mit den Sulinger Postlern in Verbindung zu setzen. Und ruft am frühen Nachmittag zurück: „Die Kollegen kennen Frau Wagner, wissen, wo sie wohnt – und nach ihren Angaben haben sie ihr in den letzten Wochen auch Briefe zugestellt.“ Lediglich eine neue Kollegin, die derzeit krankgeschrieben ist, habe nicht befragt werden können. Gerade für neue Zusteller sei wichtig, dass Briefe und Päckchen korrekt adressiert sind, betont Maike Wintjen – „und Frau Wagner wohnt in Hassel Nummer 7.“ Was nun etwa die Schneekugel anbelangt, könne nur der Absender, der ja Vertragspartner der Post ist, einen Nachforschungsantrag stellen. Es sei denn, versteht sich, die Kugel wurde einem Mitbewerber anvertraut. 

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