Fasten, „damit der Blick sich weitet“

Seher Asik und Imam Metin Özlü sprechen über Bedeutung des Ramadan

Geben Einblick in die Hintergründe des Ramadan: Seher Asik, seit neun Jahren im Vorstand der Ditip-Gemeinde Sulingen, und Metin Özlü, deren türkischer Imam.
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Geben Einblick in die Hintergründe des Ramadan: Seher Asik, seit neun Jahren im Vorstand der Ditip-Gemeinde Sulingen, und Metin Özlü, deren türkischer Imam.

Sulingen – Im Ramadan verzichten gläubige Muslime, denen dies möglich ist, tagsüber auf das Essen und Trinken, Rauchen, Körperkontakt und auf jegliches „schlechte“ Handeln. In diesem Jahr hat der Fastenmonat am 13. April begonnen und endet am 12. Mai mit dem Zuckerfest. Seher Asik, seit neun Jahren im Vorstand der Ditib Türkisch-Islamischen Gemeinde Sulingen, und Metin Özlü, deren türkischer Imam, geben Einblick, was es mit dem Ramadan auf sich hat und in einige Grundsätze ihres Glaubens.

Das Fasten sei die dritte von fünf „Säulen des Islam“. Neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der Almosensteuer und der Pilgerfahrt sei das Fasten im Ramadan für jeden Muslim Pflicht – ausgenommen sind Schwangere, Kranke, Alte, Kinder und Reisende. Das Fasten sei „gut für Körper, Geist und Seele“ und habe eine reinigende Wirkung, es übe außerdem die Geduld, erklären Asik und Özlü. Die Gläubigen sollen dem Konsum fernbleiben – „wie Engel“ – um das wirklich wertzuschätzen, was man hat. Asik ergänzt: „Wir fasten, damit sich der Blick weitet. Damit wir lernen, wie es Menschen geht, die zum Beispiel wenig zu essen haben. Wir üben uns in Empathie und Fürsorglichkeit für die Schwächeren.“

Auf die Frage, wie man es durchhalten kann, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang rein gar nichts zu sich zu nehmen – auch kein Wasser – erklären Asik und Özlü ihren Glauben. Im Koran stehe: „Nach jeder Schwierigkeit kommt auch wieder Erleichterung.“ Beide verstünden das Leben als eine Vorbereitung für das ewige Leben nach dem Tod. Dadurch, dass man ein Ziel vor Augen habe – das Erreichen des Paradieses, für das man auch etwas leisten müsse – falle es einem leichter, zu fasten. „Dann ist es nicht so schlimm, wenn der Hals mal trocken ist“, sagt Seher Asik schmunzelnd und erklärt: „Es ist nichts selbstverständlich! Leben, atmen, trinken – das auch zu würdigen ist Ziel der Fastenzeit.“

Der Gebetsraum der Gemeinde an der Lindenstraße in Sulingen.

Asik und Özlü erzählen, dass in „normalen“ Zeiten während des Ramadan jeden Samstag abends das Fastenbrechen (arabisch: iftar) gemeinschaftlich in der Gemeinde gefeiert werde, hierzu kämen dann etwa 250 bis 300 Menschen in die Moschee an der Lindenstraße. Die Frauen würden den ganzen Tag hierfür kochen und das Fest vorbereiten, welches durch Spenden der Mitglieder finanziert wird. Und, je nach Möglichkeit, brächten die Menschen auch mal was mit: „Mehl, Salz, Schokolade – was man eben beisteuern kann.“ Um gelebte Gemeinschaft und Gastfreundschaft gehe es auch im Ramadan – und all das falle jetzt weg. „Wir sehnen uns nach Normalität. In diesen Zeiten ist jeder alleine zu Hause“, bedauert Seher Asik die Situation zu Corona-Zeiten.

Die Ditib-Gemeinde in Sulingen setze sich zusammen aus Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft. So seien hier neben türkisch-stämmigen Mitgliedern auch Menschen aus Algerien, Russland, Syrien, Marokko, Afghanistan, Palästina, Irak, Bosnien und natürlich aus Deutschland aktiv, einige kämen aber nur zum Beten in die Räumlichkeiten. „Und wir sprechen dann Deutsch miteinander. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner.“

Von unserer Praktikantin Johanna Sanders

Der Verein Ditib

Die Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) ist ein Verein mit Sitz in Köln und die größte sunnitisch-islamische Organisation in Deutschland. Sie koordiniert als Dachverband etwa 900 Moscheen in Deutschland, untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei, das dem Präsidenten direkt unterstellt ist. Die an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildeten Imame der Ditib werden für fünf Jahre nach Deutschland geschickt und sind de facto Beamte des türkischen Staates, von dem sie auch bezahlt werden (Quelle: Wikipedia).

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