Überführung von sadistischen Tätern

Peta fordert bundesweites Register für Pferderipper

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Peta wünscht sich ein Register, um Pferde vor Gewalttätern zu schützen.

Rücken, Kopf, Unterleib – eine Stute, die in der Nacht vom 20. auf den 21. September auf einer Weide in Maasen stand, wurde von einem sogenannten Pferderipper mit einem bislang unbekannten Gegenstand schwer verletzt.

Maasen - Die Polizeiinspektion Diepholz hat diese Tat in ihren Mitteilungen vergleichsweise kurz dokumentiert. Einen Hinweis auf den oder die Täter gibt es bislang nicht. Nur so viel ist bekannt: Bereits am 15. September „wurde in der Nähe ein weißer Transporter der Marke Ford gesichtet“. Mögliche Zeugen können sich mit ihren Hinweisen unter der Telefonnummer 04271/9490 an die Polizei Sulingen wenden.

Pferderipper: Zahlreiche Fälle bis 2003

Im Alltag der Polizei nimmt diese Tat vergleichsweise wenig Raum ein. Umso sensibler jedoch reagieren Pferdezüchter und -besitzer auf den oder die Pferderipper. So werden Menschen umgangssprachlich genannt, die die Tiere verstümmeln oder töten. Die Sinne für diese Art von Tierquälerei sind bei Tierfreunden geschärft, seit es vor allem im Städteviereck Bremen-Hamburg-Schwerin-Hannover in den Jahren 1993 bis 2003 zahlreiche derartige Fälle gab. In dieser Zeit wurden bei rund 50 dokumentierten Taten etwa 100 Tiere getötet.

Taten von Pferderippern vergleichsweise selten

Das alles gibt es inzwischen nicht mehr, wie eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsen bestätigt. Die Aktionen von Pferderippern sind nach Einschätzung der Behörde „gemessen an der Gesamtzahl von Gewaltdelikten (…) ein vergleichsweise seltenes Phänomen“. Doch vorbei ist es nicht, sodass sich jetzt Peta Deutschland zu Wort gemeldet hat. Der Verband, der sich selbst Tierrechtsorganisation nennt, fordert ein bundesweites Register für Pferderipper. Zudem hat Peta für Hinweise zur Ergreifung des Täters eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt – bislang indes ohne Erfolg.

Pferdehalter informiert und gewarnt

In dem Register sollten alle bekannten beziehungsweise bei der Polizei angezeigten Fälle erfasst werden. Zudem, so Peta, sollen bereits überführte Tierquäler erfasst werden. Die Organisation begründet ihren Vorstoß damit, dass „mögliche Tatzusammenhänge aufgezeigt sowie Täterprofile erstellt werden“ können. Für die Behörden sei eine effektivere überregionale Zusammenarbeit möglich. Und: „Pferdehalter würden über Gefahrenschwerpunkte informiert und gewarnt werden, um ihre Vierbeiner besser vor Angriffen schützen zu können. Die Überführung sadistischer Täter (siehe Infokasten) ist umso wichtiger, da sich Tierquäler unter Umständen später auch an Menschen vergehen.“

Pferderipper-Anschläge werden ernst genommen

Eine direkte Reaktion seitens der Behörden auf den Peta-Vorstoß habe es bislang noch nicht gegeben, schreibt Judith Pein in einer E-Mail. Sie bearbeitet für Peta alle bundesweit bekannten Pferderipper-Fälle. Pein erklärt ferner: „Wir merken, dass die Behörden Pferderipper-Anschläge mittlerweile sehr ernst nehmen. In den letzten Monaten gab es gebietsweise immer wieder Anschläge auf Pferde. Es scheint, als würden die Behörden, wenn eine ,Serie‘ erkennbar ist, zum Teil auch kreisübergreifend zusammenarbeiten.“ Pein führt außerdem ins Feld, dass mit dem geforderten Register „eine bundesweite Zusammenarbeit sicher einfacher“ sei: „Es kann nicht sein, dass eine Polizeistelle nicht weiß, wenn es ähnliche Fälle in oder einen überführten Täter aus der näheren Umgebung, aber außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches gab.“

Probleme für Betriebe, die Pferde-Stellplätze anbieten

Die Reaktionen auf die Forderung fallen unterschiedlich aus. „Es hat Vor- und Nachteile“, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Diepholz, Thomas Gissing. Ein derartiges Register sei für die Ermittlungsarbeit „wünschenswert“, meint er, „dabei sind allerdings die Aspekte des Datenschutzes noch nicht bedacht“.

Diesen Einwand führt auch Insa Peters-Rehwinkel ins Feld. Die Bremer Fachanwältin für Strafrecht ist als eine der wenigen ihrer Zunft in der Region auch auf Pferderecht spezialisiert. Ein Register dürfe es nur in anonymisierter Form geben. Peters-Rehwinkel sieht noch einen anderen Aspekt kritisch: Zeige das Register für eine Region durch sogenannte Clusterbildung eine Häufung von Pferderipper-Aktivitäten, bekämen die dortigen Betriebe Probleme, die Stellplätze für die Tiere anbieten.

Pferderipper-Register: „Besserer Gesamtüberblick“

Gemischt ist auch die Reaktion der Verbände und Vereine. Tina Pantel, Sprecherin des Pferdesportverbandes (PSV) Hannover, sagt: „Die Taten statistisch zu sammeln, macht für die Polizeiarbeit Sinn.“ Und Ulrich Hahne, Sprecher des Hannoveraner-Verbandes mit Sitz in Verden geht von einem „besseren Gesamtüberblick“ aus. In der Regel sei der Hannoveraner-Verband nicht mit Peta auf einer Linie, in Sachen Register allerdings schon.

Ablehnend steht Hendrik Hüsker, zweiter Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Freudenberg aus Bassum, der Peta-Forderung gegenüber. „Ein Register halte ich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht für durchführbar“, sagt Hüsker, „ich vertraue auf die deutsche Justiz“. Der Pferdezuchtverein-Vize befürchtet zudem Fälle von Selbstjustiz, „wenn Namen genannt werden“. Stattdessen setzt Hüsker auf „Sensibilisierung“.

Ripper-Vorfälle machen digital schnell die Runde

Diese sei allerdings spätestens seit den Ereignissen in den 1990er- und früher 2000er-Jahren gegeben. Hüsker erläutert, dass neue Vorfälle über die sozialen Netzwerke wie Whatsapp und Facebook unter Pferdezüchtern und -besitzern heute sehr schnell die Runde machen. Am sinnvollsten sei am Ende gezielte Vorbeugung, findet auch PSV-Sprecherin Pantel.

Pferderipper-Register fraglich

Ob es jemals zur Errichtung des von Peta geforderten Registers kommt, ist fraglich. Zumindest gibt es nach aktuellem Kenntnisstand des LKA keine Bemühungen in diese Richtung. Gleichermaßen äußert sich auch das Bundeskriminalamt (BKA). Die Bearbeitung dieser Delikte obliege weiterhin den örtlich zuständigen Dienststellen. Das LKA kann weder besondere Entwicklungen in Sachen Pferderipper erkennen noch gebe es eine „auffällige Steigerung der Fallzahlen“. Die Behörde kommt zum Schluss: „Das Erfordernis einer solchen Datensammlung wird aufgrund des quantitativen Niveaus polizeilich erfasster Taten in diesem Deliktbereich für Niedersachsen aktuell nicht gesehen.“

Info: Unterschiedliche Tätertypen

Nicht nur die Polizei befasst sich mit Pferderippern. Auch Forscher sind ihnen wissenschaftlich auf der Spur. Dietmar Heubrock, Sprecher des Instituts für Rechtspsychologie der Universität Bremen, erklärt, dass es unterschiedliche Varianten von Tätern gibt; Variante eins seien die, die zum Beispiel ein traumatisches Erlebnis mit einer bestimmten Tierart hatten. Nur diese spezielle Tierart wird laut Heubrock Ziel von Quälereien. Menschen sind nicht gefährdet.

Tätervariante zwei bilden laut Heubrock Menschen, die verschiedene Tiere quälen, um herauszufinden, „was ihnen den größten Kick bringt“. Der Rechtspsychologe erklärt: „Wir sprechen hier von ,crossing‘.“ In den meistens Fällen werde es dann auch für Menschen gefährlich.

Laut Heubrock gibt es eine dritte Tätervariante, bei der Menschen meistens tierpornografische Dateien auf ihrem Computer und auch Sex mit Tieren haben – Fachleute sprechen von Sodomie oder von Zoophilie. Diese Menschen quälen die Tiere in der Regel auch noch, Zoosadismus genannt.

Heubrock und seine Mitarbeiter arbeiten an diesem Thema nach eigenen Angaben derzeit intensiv. Die Recherchen beziehen sich allerdings nicht nur auf Deutschland, sondern haben längst internationale Ausmaße angenommen. In Deutschland fallen solche Daten strafrechtlich sowie in der Polizeilichen Kriminalstatistik in die Kategorie Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und/oder Sachbeschädigung.  

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