Klärschlamm: Wasserversorgung Sulinger Land setzt auf Reduzierung

Schwer loszuwerden

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Auf dem Gelände der Kläranlage in Sulingen warten derzeit rund 330 Tonnen Klärschlamm darauf, abgeholt zu werden.

Sulingen - Ungefähr zwei Drittel des in Niedersachsen anfallenden Klärschlamms gingen bislang in die landwirtschaftliche Verwertung. Das ist seit Inkrafttreten der Novelle der Düngeverordnung nicht mehr möglich: „Der Klärschlamm wird heute in die Düngebilanz eingerechnet.

Deswegen setzt der Landwirt natürlich zuerst sein Gärsubstrat ein oder, wenn er keine Biogasanlage hat, die Gülle, die anfällt “, erklärt Andreas Geyer, Geschäftsführer der Wasserversorgung Sulinger Land. In der Konsequenz müssten jetzt zwei Drittel des Klärschlamms im Land thermisch verwertet werden – doch dafür reicht die Kapazität der in Norddeutschland sehr rar gesäten Verbrennungsanlagen nicht aus. Auf vielen Kläranlagen gebe es massive Speicherprobleme. „Wir können uns noch glücklich schätzen“, stellt Geyer fest – aber es gilt, Herausforderungen zu meistern.

Beim Zweckverband ist der Abwasserbetrieb für die Stadt Sulingen und die Samtgemeinden Schwaförden und Kirchdorf angesiedelt. Der in Sulingen anfallende Klärschlamm wird bereits seit anderthalb Jahren komplett thermisch verwertet, also einer Verbrennungsanlage zugeführt, „im Bereich Kirchdorf und Ehrenburg ging der Schlamm fast in Gänze in die landwirtschaftliche Verwertung. Wir haben jetzt im Endeffekt noch einen Hof, in der Samtgemeinde Kirchdorf, der ein bisschen Klärschlamm annimmt.“ Die Schlämme aus allen drei Bereichen gehen in die maschinelle Schlammentwässerung: Die neue Hochleistungszentrifuge am Sulinger Klärwerk, in die die Wasserversorgung Sulinger Land rund 400.000 Euro investiert hat (wir berichteten), reduziert den Wasseranteil des Klärschlamms so, dass sich der Feststoffgehalt auf 22 bis 23 Prozent beläuft – die alte Anlage brachte es auf 18 bis 19 Prozent. Also ist das Volumen des Klärschlamms, der in die Verbrennungsanlage geht, geringer. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir einen Vertrag mit einem Entsorger bekommen haben, der die Abnahme bis Ende 2019 preislich und mengenmäßig absichert. Es gibt Abwasserbetriebe, die keinen Partner gefunden haben.“ Die Preise für die Abnahme des Klärschlamms seien drastisch gestiegen, weitere Monoverbrennungsanlagen für Klärschlamm seien zwar in Planung, doch es werde mehrere Jahre dauern, bis sie realisiert sind, schätzt Geyer. Der Zweckverband gehört einer Arbeitsgruppe von Abwasserbetrieben im Landkreis Diepholz an, die gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen, zum Beispiel über eine gemeinsame Ausschreibung der Klärschlammentsorgung – oder, notfalls, die Schaffung von Lagerkapazitäten.

Der Faulturm, den die Wasserversorgung Sulinger Land am Sulinger Klärwerk bauen will, ist laut Geyer „wenn alles gut läuft bis Anfang 2022 betriebsbereit.“ Er soll dazu dienen, die Klärschlammmenge weiter zu reduzieren. Das Verhältnis von anorganischer und organischer Substanz ist im Klärschlamm, der in Sulingen anfällt, dafür gut geeignet: Die organische macht deutlich über 70 Prozent aus, davon bauen die Bakterien im Faulturm ungefähr 50 Prozent ab. „Unter dem Strich verringert sich die Klärschlammmenge um mindestens 30 Prozent“, erläutert Geyer. Das entstehende Methangas wird in einem BHKW verstromt, so werden zwischen 50 und 60 Prozent des Stromverbrauchs für den Betrieb der Kläranlage gedeckt. Die Wärmeenergie dient zum Heizen der Gebäude und um das Faulturminnere auf 37 Grad Betriebstemperatur zu halten.

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