Implantate und Instrumente aus Stockholm

Knieendoprothetik an der Klinik Sulingen: Schwedischer Hersteller schließt Lücke

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Nachsorgegespräch: Dr. Jens Peters, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie mit Sektion Wirbelsäulenchirurgie am Krankenhaus Sulingen (rechts), und Patient Heiner Wohlers.

Sulingen - Heiner Wohlers lebt in Mellinghausen. Der 66-Jährige spielt Tischtennis. Schläger und Zelluloid-Bälle hätte er nach einem Sturz im heimischen Garten beinahe für immer zur Seite legen können. Hilfe fand der Mellinghäuser bei Dr. Jens Peters, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie mit Sektion Wirbelsäulenchirurgie am Krankenhaus Sulingen.

Das Krankenhaus gehört zu den wenigen in Deutschland, die bei der Behandlung von Knorpelschäden auf den Teilgelenkflächenersatz Episealer des schwedischen Herstellers Episurf Medical setzen. Jens Peters spricht von vier Operationen, die man in diesem Jahr unter Anwendung der Behandlungsmethode erfolgreich an der Schmelingstraße in Sulingen durchgeführt habe. „Es werden aber sicherlich mehr.“

Heiner Wohlers war im September vergangenen Jahres auf dem Weg zur Garage auf beide Knie gestürzt. „Ungefedert – und mit vollem Gewicht“, sagt er. Die Prellung am rechten Knie schwoll ab. Geblieben sei ein Knorpelschaden im linken Kniegelenk.

Gelenkknorpel- und Knochenschäden könnten verschiedene Ursachen haben, erklärt Jens Peters. „Die Patienten werden immer älter. Die Gelenke sind nicht auf eine Nutzung von 60, 70, 80 oder 100 Jahren Dauer ausgelegt.“

Häufig seien den Beschwerden Unfälle vorausgegangen, die Knochenverletzungen oder Verstauchungstraumen oder Knorpelverletzungen nach sich zogen.

Jens Peters: „Gründe können genauso Minderdurchblutungen am Knorpel sein, aber auch Achsfehlstellungen.“

Bei jungen Patienten verfolgten er und seine Berufskollegen immer zuerst das Ziel, den Knorpel zu erhalten. „Da gibt es verschiedene Verfahren: Wir nutzen Knorpelplastiken, man kann Knorpel anzüchten, man kann Membranen auflegen. Man weiß aber auch, dass diese Verfahren ab einem Alter des Patienten von 35 oder 40 Jahren die gewünschte Wirkung oft verfehlen.“

Geblieben sei dann bisher nur die Möglichkeit der Vollprothese; mit einer Regel-Nutzungsdauer von zehn oder 15 Jahren. „Die macht leider oft mehr kaputt, als erforderlich gewesen wäre. Für das ‚Mittelalter‘ fehlte der richtige Weg. Mit einer Vollprothese ist der Patient oft übertherapiert. Dennoch bringt sie bei einem 60-Jährigen schon Einschnitte in der Bewegungsfreiheit mit sich. Gerade in der Knieendoprothetik, auch wenn alles gut läuft, sagen zehn bis 20 Prozent der Leute: Das hatte ich mir anders gewünscht.“

Wunsch des Mellinghäusers Wohlers war, trotz Knorpelschadens nach der Operation wieder über ein Höchstmaß an Mobilität zu verfügen.

Der 66-Jährige sagt heute: „Die Empfehlung, auf Episealer zu setzen, war genau richtig.“

Dr. Peters sei durch einen Vertriebsmitarbeiter von Episurf Medical, der in Sulingen lebt, auf das Verfahren aufmerksam gemacht worden, sagt er.

Er besuchte Schulungen und Praxisübungen; unter anderem in Stockholm. Das Fazit des Chefarztes: „Das ist ein Verfahren, das gut funktioniert und einfach durchzuführen ist.“

Was den Episealer von anderen medizinischen Produkten unterscheidet, sei der personalisierte Ansatz während der Produktion. Anhand von MRT-Aufnahmen werden bei der Erstellung der Implantate Gelenkknorpelläsion, Knorpelkrümmung, die Knorpeldicke und der Zustand des Knochens berücksichtigt.

Auf der Basis eines 3D-Befundes werden nicht nur die Implantate, sondern auch die für den Eingriff erforderlichen chirurgischen Instrumente den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst.

Jens Peters: „Wir arbeiten zu 100 Prozent zementfrei“, was spätere Eingriffe vereinfache.

Er habe die Mini-Implantate, wie Berufskollegen in Kliniken in Hamburg, Münster und Berlin, schätzen gelernt. „Umso größer die Prothese ist, desto so größer ist die Wahrscheinlichkeit, langfristig etwas am Gelenk kaputtzumachen. Bei den Mini-Implantaten halten wir uns so viel Spielraum wie möglich offen.“

Bei Heiner Wohlers scheinen Dr. Peters und Kollegen bei der Wahl der Behandlungsmethode und während der Operation im November dieses Jahres alles richtig gemacht zu haben: „Ich laufe wieder rund“, sagt der 66-Jährige, „und das ohne Schmerzen; sogar beim Tischtennis.“ 

oti

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