Aus Schweden nach Sulingen: 19-Jährige will Zimmerin werden

„Erst einmal die Arbeit“

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Lisa Tessmann kommt aus Schweden und absolviert bei Zimmerermeister Frank Weigelt die Ausbildung.

Sulingen - Im Jahr 2008 zog es Lisa Tessmann nach Schweden. „Nach der sechsten Klasse“, sagt die heute 19-Jährige. Aufgewachsen ist die junge Frau im Plau am See, einer knapp 6 000 Einwohner zählenden Stadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. In Schweden lebte sie in der Nähe von Kramfors in der Provinz Västernorrlands län im südlichen Lappland. Mit Beginn des Monats August dieses Jahres zog es sie für drei Jahre nach Sulingen. Bei Zimmerermeister Frank Weigelt absolviert sie eine Ausbildung zur Zimmerin.

Die 19-Jährige wirkt selbstbewusst, genauso zielstrebig. Heimweh? „Bisher noch nicht“, sagt die Auszubildende, die vor vier Wochen Schweden verlassen hatte, um in Deutschland „etwas Vernünftiges“ zu lernen.

Der Wunsch, sich in der Ausbildung Fertigkeiten in Holzbauten und Holzkonstruktionen anzueignen, kommt nicht von ungefähr: Die Wahlheimat ihrer Familie, Kramfors, ist benannt nach Johan Christoffer Kramm, der 1742 ein Sägewerk am Fluss Skvällsån errichten ließ. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert boomte in Kramfors die holzverarbeitende Industrie. Heute zeugen noch viele Holzbauten von dem Boom, der längst abgeebbt ist. Lisa Tessmann: „Es gibt zwar viele Handwerker in der Region, aber nicht wirklich Spezialisten in der Holzverarbeitung.“

Im Ergebnis würde an Holzbauten nur das gemacht, was wirklich gemacht werden muss. „Da habe ich mich in Deutschland auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz gemacht.“

Dass sie dabei in Sulingen fündig wurde, sei zunächst „reiner Zufall“ gewesen: „Wir haben im Internet gesucht und dabei auch darauf geachtet, dass der Ausbildungsort nicht zu weit von Mecklenburg-Vorpommern entfernt ist.“ Die Verwandtschaft, die noch in Deutschland lebt, ist nach wie vor in Plau am See beheimatet.

Mitte Mai dieses Jahres hatte Lisa Tessmann Verbindung mit Frank Weigelt aufgenommen, absolvierte dann während eines Urlaubs ihrer Eltern in Deutschland ein zweiwöchiges Betriebspraktikum in dem Sulinger Betrieb. „Das war Anfang Juli“, sagt der Zimmerermeister. „Für mich ist das die erste junge Frau, die bei uns eine Ausbildung absolviert. Sie hat von Beginn ihres Praktikums an einen guten Einruck hinterlassen.“

Weigelt hat sich mit seiner Zimmerei auf Innenausbau, Dachsanierungen, Dachdeckung, Reparaturen und Montagen spezialisiert. „Also genau auf das, was Lisa gesucht hat. Wir sind ein eher kleinerer Betrieb. Da muss jeder alles machen. Das wird Lisa zugute kommen.“

Frank Weigelt macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Bewerbung recht kam: „Gerne würde ich jedes Jahr einen Auszubildenden einstellen.“ Aber Quantität und Qualität der Bewerbungen ließen aktuell leider zu wünschen übrig. „Bei Lisa passt derzeit alles.“

Noch wohnt die 19-Jährige bei Frank Weigelt und dessen Lebensgefährtin. „Die beiden Frauen verstehen sich gut“, sagt der Zimmerermeister, der vor 16 Jahren den Handwerksbetrieb gegründet hatte. „Derzeit suche ich eine eigene Wohnung“, sagt Lisa Tessmann.

Private Kontakte habe sie in der Region bisher weniger geknüpft. „Wenn am Abend die Arbeit fertig ist, dann bin ich nur noch müde.“

In Schweden spielte sie Rasenhockey, auch mal Fußball. „Das kommt sicher alles noch. Erst einmal die Arbeit.“

oti

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