Theatergruppen im Sulinger Land pausieren – außer in Lessen und Kirchdorf

Saison ohne Lampenfieber

Die Lessener Theaterfreunde zeigten zuletzt „Herrenobend“. Kommt jetzt „Singles“? 
Archivfoto: Kurth-Schumacher
+
Die Lessener Theaterfreunde zeigten zuletzt „Herrenobend“. Kommt jetzt „Singles“? Archivfoto: Kurth-Schumacher

Sulinger Land – Eine Saison fast ohne Lampenfieber: Es sind nicht nur die prominenten Schauspieler, die derzeit ohne Theaterbühne oder Filmset auskommen müssen. Auch die Laienschauspieler samt ihrer engagierten Helfer im Hintergrund setzen derzeit keinen Fuß auf jene „Bretter, die die Welt bedeuten“. Die Pandemie sorgt für eine Pause im sonst so fröhlichen Betrieb der Theatergruppen des Sulinger Landes. Mit, bisher, zwei Ausnahmen.

Die Lessener Theaterfreunde werden die Proben zu „Singles“, einem Stück von Frank Pinkus, beginnen. Die Termine müssen noch festgelegt werden. Auch die Kirchdorfer suchen nach einem neuen Stück. Die Darsteller aus Bahrenborstel, Barenburg, Gaue, Mellinghausen und Neuenkirchen hingegen pausieren.

Die „Eschbachtaler“

„Unser Vereinsleben liegt brach“, sagt Silvia Heidhoff, Vorsitzende der Theatergruppe Eschbachtal. Die hatte bereits die Sommerspielzeit auf der Freilichtbühne in Ohlendorf abgesagt und wird jetzt im Winter nicht im Gasthaus Märtens auftreten. „Spielen ohne Mundschutz, die Darsteller sprechen laut in den Saal hinein: Das ist eine Verantwortung, die können wir nicht übernehmen. Man darf die Gefahr nicht ausblenden.“ Manche der Darsteller gehörten einer Corona-Risikogruppe an.

Heidhoff erinnert daran, dass die Freilichtbühne derzeit brach liegt: „Wir sind dem Pächter sehr dankbar, dass er die Anlage pflegt.“ Die Mitglieder der Theatergruppe Eschbachtal treffen sich sonst Anfang September zur großen gemeinsamen Feier der Sommer- und der Winterakteure. „Aber auch das haben wir natürlich abgesagt. Vielleicht ist ein Treffen in kleineren Gruppen später möglich.“

Die Barenburger

Diesen Kontakt untereinander wollen die Barenburger pflegen. „Wir haben einen Plan aufgestellt: Für jedes der wöchentlichen Treffen ist ein anderes Mitglied verantwortlich und bestimmt, was gemacht wird.“ Das reiche von Karaoke über Keksverzierungen und „Charade op Platt“ bis Kartenspielen: „Nicht immer sind alle da, also passt es von der Anzahl her.“ Spielleiter Hans-Jürgen Habelmann sind diese Treffen wichtig: „Wir sind seit einem Jahr nicht zusammen, weil wir ja im November erst auftreten. Wenn wir jetzt pausieren, dann sind das zwei Jahre, bis wir wieder anfangen zu üben.“ Die Treffen sollen den Zusammenhalt als Spielgruppe aufrechterhalten. Die Absage für die Saison fiel nicht leicht, sei aber unumgänglich gewesen: „Wir hätten die Turnhalle herrichten müssen, Fußböden verlegen, Stühle aufstellen, Abstände kontrollieren und Maskennutzung, Toiletten putzen. Kurz: Das wäre ein viel zu hoher Aufwand gewesen, den wir nicht hätten leisten können.“

Alle Spieler seien sich unsicher gewesen und aus den Reihen des Publikums sei zu hören, dass die Absage bereits erwartet worden war. Treffen nach kurzfristiger Absprache, einfach, um den Kontakt der Spieler untereinander nicht abreißen zu lassen.

Die „Neenkarkner“

Diese Treffen pflegen auch die „Neenkarkner Dörpspeeler“. „Aber darüber hinaus haben wir beschlossen, dass wir die nächste Spielzeit pausieren“, sagt Ursel Hameister. Gemeinhin wären die Neuenkirchener jetzt bereits intensiv mit Proben beschäftigt, um Ende Oktober / Anfang November mit den Spielterminen zu starten.

Die „Lustigen Lippen“

Grundsätzlich hoffen alle Mitglieder der Theatergruppen im Sulinger Land, dass es im kommenden Jahr weitergeht. „Wir haben die Saison für dieses Jahr abgesagt und hoffen, 2021 wie gewohnt in normaler Form wieder durchstarten zu können“, sagt Dennis Kemmann von der Theatergruppe „Lustige Lippe“ in Bahrenborstel.

Die Gauer

Maren Franke indes, Vorsitzende der Theatergruppe Gaue, sagt kategorisch „Nein“: „Wir haben Risikopatienten unter den Darstellern. Der Vorstand hat auch die Saison 2021 deshalb abgesagt. Ich könnte es nicht verantworten, wenn einer unserer Darsteller aufgrund eines Auftrittes erkranken würde.“ Zu groß sei die Gefahr, zumal die Gauer jetzt mit dem Üben beginnen müssten, damit im Frühjahr auch gespielt werden könnte. „Aber wie soll das gehen? Wir spielen in mehreren Gasthäusern. Für jedes müsste ein eigenes Konzept entwickelt werden.“ Diesem Risiko sollen die Akteure nicht ausgesetzt werden. Und damit fällt auch der Auftritt der Gauer im Stadttheater, geplant für den 27. März 2021, aus.

Könnte man nicht die Spielzeit aus dem Herbst in das Frühjahr verlegen? „Man kann ja noch nicht sagen, ob es im März oder April geht“, kontert Hans-Jürgen Habelmann und fragt: „Ist dann alles anders? Sollen wir ins Blaue rein planen?“ So sei 2020 eine „verlorene Saison“ und „wir starten 2021 durch – wenn wir dürfen.“

Die Kirchdorfer

Ein wenig anders sieht es für die Kirchdorfer Theatergruppe aus. Laut Philipp Lahmann laufen hier die Vorbereitungen „erst mal ganz normal“: „Wir suchen aktuell ein Stück aus und fangen sowieso nicht vor Mitte November mit der Übungsphase an. Je nachdem, wie sich die Lage ändert, werden wir dann zeitnah eine Entscheidung treffen und frühzeitig informieren“ Die Aufführungstermine seien für Februar geplant, da bleibe noch etwas Zeit, die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Lessener

Die Lessener Theaterfreunde hingegen haben sich für „Singles“ entscheiden. Das Stück von Frank Pinkus habe der bereits vor 25 Jahren geschrieben. „Wir haben ein paar Szenen entschärft“, erklärt Jens Fischer. Wie, entschärft? „Naja, es gab eine Kussszene, die geht in Coronazeiten natürlich nicht“, sagt Fischer.

Außerdem hätten sich die Lessener mit den Kollegen des Weyher Theaters ausgetauscht in Bezug auf Inhalte eines Hygienekonzeptes. Das der Lessener umfasse zwei DIN-A4-Seiten, erklärt Wolfgang Voss. Die Theaterfreunde haben es dem Gesundheitsamt vorgelegt – und werden die Vorgaben penibel abarbeiten. Am Montagnachmittag gab es „grünes Licht“. Die Lessener planen, wie andere Veranstalter auch, mit weniger Zuschauern, mit separatem Ein- und Ausgang. „Da wir keine festen Sitzreihen haben, können wir die Stühle flexibel platzieren, sodass Zehner-Gruppen zusammensitzen können.“

Die Lessener planen zehn bis zwölf Auftritte, auch in den üblichen Gastspielhäusern in Varrel, Warpe und Siedenburg, wenn die jeweiligen Wirte das wollen. Ein besonderes Gastspiel planen die Lessener für Silvester, dann wollen sie um 15 Uhr im Sulinger Stadttheater auftreten – dafür sind insgesamt 188 Plätze freigegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Japanische Roadsterträume in Italien

Japanische Roadsterträume in Italien

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Federgras in Hülle und Fülle

Federgras in Hülle und Fülle

Meistgelesene Artikel

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne
Dreieinhalb Millionen für das Werk in Drebber

Dreieinhalb Millionen für das Werk in Drebber

Dreieinhalb Millionen für das Werk in Drebber
Schufa im Kampf gegen Vielwechsler? Experte fürchtet höhere Kosten für Strom und Gas

Schufa im Kampf gegen Vielwechsler? Experte fürchtet höhere Kosten für Strom und Gas

Schufa im Kampf gegen Vielwechsler? Experte fürchtet höhere Kosten für Strom und Gas

Kommentare