Rüdiger Hoffmann überzeugt als Comedian, Sänger und Pianist in Sulingen

Er kann machen, was er will

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Überraschend ist Hoffmanns Talent als Sänger und Pianist, hitverdächtig etwa seine Ballade.

Sulingen - Entspannt schlendert der „Meister der Entschleunigung“ auf die Bühne: „Hallo erst mal! Ich weiß nicht, ob Sie's wussten, aber...“. Rüdiger Hoffmann hat für seinen Auftritt in der Sulestadt die Maumau-Runde mit Freund Gisbert sausen lassen. Sulingen? Schon immer sein Traum! Die Fans johlen. Es jubelt sich gut in großer Gesellschaft: Das Stadttheater ist ausverkauft.

„Lachen ist gesund und lautes Klatschen regt den Kreislauf an“, heißt die „Gebrauchsanweisung“ für den Abend: „Ob lustig oder nicht, ist scheißegal. Lachen stärkt das Immunsystem – Husten und Schnupfen müssten um 22.15 Uhr vorbei sein.“

Sein Humor sei geprägt vom ostwestfälischen Hasenwitz-Niveau, bekennt der End-Vierziger. Sein trockener Wortwitz kommt an. Amüsiert verfolgen die Zuhörer seine Urlaubserlebnisse. Campen mit Freunden wie in den guten alten Zeiten statt „24 Stunden Zimmerservice, eigenem Butler und geheizter Klobrille“: Das Vier-Mann-Zelt neben Hundeklo, Tor ohne Netz und dem Zelt einer Abiturienten-Clique, die im Selbstversuch belegt, dass sich Mentos und Whisky-Cola so gar nicht vertragen. Das Animations-Programm: Tretbootfahren „mit und gegen die Uhr“, Boccia, Federball und Kinderschminken. Und pädagogische Maßnahmen wie „Emotions-Ampel“ und „Stilles Treppchen“ von Freundin Monika, ihres Zeichens Erzieherin.

Hoffmanns Flachwitze sind nicht ohne Substanz. Etwa seine Betrachtung der „Spätgeborenen“. „Früher musste man sich unterhalten! Mit dem Mund! Mit echten Worten. In ganzen Sätzen!“ Heute hat man die Möglichkeit, sein Leben mit Kalorienzähl-, Schritt- oder Akupunktur-APP zu optimieren.

Allerdings: „Die 68er haben alles erledigt: Wiederaufbau, Studentenrevolte, Friedensbewegung, sexuelle Revolution und ZDF-Hitparade. Was also bleibt zu tun?“

Rüdiger Hoffmann kann auch politisch. Und das knallhart. Einen grandiosen Auftritt bietet er als Paderborner Schütze und Mitglied der „Anonymen Ausländerfeinde“, der seinen Nachbarn Meyer („Er ist ein Achtel Franzose, auch wenn man es ihm nicht ansieht“) zur „wandelnden Zeitbombe“ erklärt: „Er ist ein wunderbarer Typ. Er grüßt. Er ist eine gepflegte Erscheinung. Aber ich beobachte ihn genau. Wenn er mir dumm kommt, wenn er meine Familie belästigt, muss er raus... Prophylaktisch habe ich ihn schon mal angezeigt.“

Überraschend ist das Talent des Comedians als Sänger und Pianist, hitverdächtig etwa seine Ballade „Du bist noch lange nicht zu alt“, zu der er das Publikum mit Erfolg zum „audiophonen Gruppen-Sex“ ermuntert: „Lasst euch gehen. Man kann an der Lautstärke erkennen, wer die Hosen an hat!“

Und Sulingen singt – erst die Männer, dann die Frauen, dann alle zusammen: „Dir wachsen Federn, du kannst fliegen: Hoch hinaus.“

Zur allerletzten Zugabe sitzt Hoffmann auf seinem Stuhl, mustert seine Fingernägel („Ab und zu muss jeder auch etwas für sich machen“) und trällert „Einmal um die ganze Welt“ à la Karel Gott: „Ist mein Programm – ich kann ja machen was ich will“, triumphiert er und verlässt unter dem Jubel der Fans die Bühne. Sirtaki tanzend.

mks

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