„Da geht einem das Herz auf“

Ritterguts-Manufaktur in Sulingen nimmt Brennerei wieder in Betrieb

Am Montag vergangener Woche begannen Mitarbeiter der Firma Arnold Holstein mit Sitz in Markdorf am Bodensee mit der Installation der neuen Destillationsanlage.
+
Am Montag vergangener Woche begannen Mitarbeiter der Firma Arnold Holstein mit Sitz in Markdorf am Bodensee mit der Installation der neuen Destillationsanlage.

Da geht einem das Herz auf, sagt Stefan Hafen vom Brennerei-Anlagen-Hersteller Arnold Holstein. Hafen betreute die Installation der neuen Destillationsanlage auf dem Gelände der Rittergutsbrennerei Lüning in Sulingen. Die Brennerei soll Anfang 2021 wieder in Betrieb genommen werden.

  • Ritterguts-Manufaktur GmbH & Co. KG nimmt Brennerei wieder in Betrieb.
  • Torben Lüning kündigt Sulinger Whisky an.
  • Umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten.

Sulingen – An die acht Jahre ist es her, dass auf dem Gelände der Rittergutsbrennerei Lüning im Herzen der Stadt Sulingen das letzte Mal Alkohol gebrannt wurde. Anfang kommenden Jahres wagt Torben Lüning, Geschäftsführer der Ritterguts-Manufaktur GmbH & Co. KG, einen Neustart. Ende vergangener Woche inspizierten Mitarbeiter des Zolls die neue Destillationsanlage im sanierten und umgebauten Brennereigebäude.

Noch in diesem Jahr erwartet Lüning die Zulassungsdokumente. „Anfang kommenden Jahres fangen wir dann an, wieder selbst zu brennen“, erklärt der Geschäftsführer.

Ritterguts-Manufaktur in Sulingen: Über 240 Jahre Brenntradition

Lüning spricht mit Blick auf das Anwesen im Schatten der Sankt-Nicolai-Kirche von über 240 Jahren Brenntradition, die er jetzt weiterführen wolle. Zu den Investitionen in Sanierung und Umbau des Brennereigebäudes und Anschaffung der maßgeschneiderten Destillationsanlage: „Über Geld sprechen wir nicht.“ Aber: „Das ist das fehlende Puzzle-Teil im Konzept der Komplettsanierung des Rittergutes.“

In den vergangenen acht Jahren, in der Zeit als das Brennereimonopol stilllag, bezogen Torben Lüning und Mitarbeiter den Feinbrand zur Erstellung der Spirituosen von Fremdherstellern und veredelten ihn in den Räumen in der Ritterguts-Manufaktur.

Die Alkoholvorlage dient dem Ablesen des Alkoholgehaltes während des Brennvorganges.

Erste Ideen zur Wiederbelebung der Brennerei habe man vor etwa vier Jahren entwickelt, so Lüning, etwa zu der Zeit, als südlich des eigentlichen Brennereigebäudes auf etwa 400 Quadratmetern Grundfläche ein Anbau entstand, der der Vermarktung der Lüningschen Produkte dient und in dessen Obergeschoss Torben Lüning inzwischen einen großzügigen „Seminar-Sensorik-Tasting-Raum“ einrichtete . Die Arbeiten zur Aufnahme der neuen Destillationsanlage begannen dann Ende vergangenen Jahres.

Alles aus Kupfer: die Öffnung zur Brennblase mit ihrem Fassungsvermögen von 400 Litern.

Der Geschäftsführer der Manufaktur zur Motivation, die Brennerei zu reaktivieren: „Wir wollen wieder selbst die Basis für unsere eigenen Spirituosen legen; auch für den eigenen Lagerkorn und einen schönen Sulinger Whisky.“ Kurzum: „Wir wollen Einfluss auf unseren eigenen Rohstoff haben. Wir sind eine landwirtschaftlich strukturierte Region, in der es ausreichend stärkehaltige Erzeugnisse gibt, die wir verarbeiten können.“

Dabei greift Torben Lüning seit Februar dieses Jahres auf die Unterstützung von Michael Mebus zurück. Mebus ist nicht nur technischer Leiter der Manufaktur, sondern auch Destillateurmeister – einer von nur knapp 60 aktiven Meistern in Deutschland, Österreich und auch der Schweiz.

Ritterguts-Manufaktur in Sulingen: Bauweise komplett aus Kupfer

Mebus schwärmt von der neuen Verschlussbrennerei: Die Art und Bauweise komplett aus Kupfer sei nach Herstellerangaben einzigartig. In vergleichbaren Anlagen seien lediglich der Blasenkopf, der Helm und die Kolonne aus Kupfer. „Kupfer ist ein Katalysator und reinigt den Alkohol.“ Torben Lüning: „Kupfer sorgt dafür, dass der Weizenbrand weicher schmeckt. Dieses Format nimmt wesentlich auf die Reinheit und die Weichheit des Destillates Einfluss.“ Mebus: „Mein Weizenkorn soll nach Weizen schmecken, mein Roggenkorn nach Roggen schmecken. Und das kann ich durch diese Anlage optimal steuern.“

Für den Brennerei-Anlagen-Hersteller Arnold Holstein mit Sitz in Markdorf am Bodensee begleitete Stefan Hafen das Projekt der Ritterguts-Manufaktur in Sulingen. „Wichtig war uns, dass wir eine Anlage konzipieren, mit der wir sehr sauberen Korn hinbekommen. Das ist uns gelungen“, sagt der Holstein-Mitarbeiter. Nach Planung, letzten Absprachen und Auftragsvergabe seien gut sechs Monate Produktionszeit für die Anlage vergangen. Der Aufbau erfolgte dann ab Montag vergangener Woche. Donnerstag waren die Arbeiten abgeschlossen.

Ritterguts-Manufaktur in Sulingen: Keine Qualitätsverluste aufgrund der Gebäudestruktur

„Entgegengekommen ist uns, dass die Familie Lüning das Brennereigebäude der Anlage angepasst hat. In der Regel müssen wir die Anlagen den örtlichen Gegebenheiten anpassen“, erklärte Stefan Hafen. Torben Lüning: „Wir wollten die bestmögliche Anlage; und keine Qualitätsverluste aufgrund der Gebäudestruktur in Kauf nehmen.“ Stefan Hafen: „Wenn man diese Anlage sieht, dann geht einem das Herz auf.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

Die heilende Kraft der Aloe vera

Die heilende Kraft der Aloe vera

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Mit «Weltklasse-Torhüter»: Bayern macht Achtelfinale klar

Mit «Weltklasse-Torhüter»: Bayern macht Achtelfinale klar

Meistgelesene Artikel

WhatsApp: Plötzlich ist das Konto weg

WhatsApp: Plötzlich ist das Konto weg

WhatsApp: Plötzlich ist das Konto weg
Corona-Chaos in Moordeich: KGS-Leiter schickt Schüler ins Szenario B – aber das hätte er nicht dürfen

Corona-Chaos in Moordeich: KGS-Leiter schickt Schüler ins Szenario B – aber das hätte er nicht dürfen

Corona-Chaos in Moordeich: KGS-Leiter schickt Schüler ins Szenario B – aber das hätte er nicht dürfen
Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Kommentare