Revisor: Sulinger Kantor Kai Kupschus guckt Orgelbauern auf die Finger

„Spannend, faszinierend“

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Kai Kupschus, Kantor des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz und Kantor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen, ist als Orgelrevisor tätig.

Sulingen - 17 – oder vielleicht auch 18 Orgelrevisoren sind in Diensten der Landeskirche Hannovers tätig. Einer von ihnen lebt in Sulingen: Kai Kupschus, Kantor des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz und Kantor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen. „Orgelbau ist spannend, faszinierend“, sagt der 39-Jährige. Erst Anfang des Jahres war er vom Oberlandeskirchenrat in die Funktion berufen worden.

Der Kreiskantor ist zuständig für die Kirchenorgeln in den Kirchenkreisen Grafschaft Diepholz und Melle-Georgsmarienhütte, berät die Gemeinden gemeinsam mit anderen Orgelrevisoren und Orgelbauern bei der Planung und Organisation von Neubauten, der Restaurierung von Orgeln oder auch bei Generalreinigungen, die alle 25 bis 40 Jahre anfallen und bei denen oft Verschleißteile ausgewechselt beziehungsweise leichte Verbesserungen an den Gewerken vorgenommen werden. Den Kontakt zu den Gemeinden hält er über die Visitationen. „Dabei spielt auch die Kirchenmusik eine Rolle.“

Kai Kupschus verfügt über das Kirchenmusikexamen B, sattelte das Kirchenmusikexamen A und ein Konzertfachstudium auf. „Das reicht aber noch nicht, um als Orgelrevisor eingesetzt zu werden“, weiß der Diplom-Kirchenmusiker. Zu den Mindestanforderungen zähle eine dreiteilige Ausbildung in Heidelberg und Ludwigsburg, während der sich die Teilnehmer unter anderem auch mit Denkmalschutz, Rechtsgrundlagen und Arbeitsweisen zur Auswertung historischer Dokumente beschäftigen. „Im Vordergrund stehen aber praktische Dinge“, sagt Kai Kupschus, „insbesondere der praktische Orgelbau.“ Den Orgelbauern selbst begegnet der Kirchenmusiker, selbst passionierter Organist, mit Respekt: „Was sie auszeichnet, das ist die Intonation selbst, die erfordert jahrelange Erfahrung.“ Allein an einer Pfeife böten sich 40 bis 45 Möglichkeiten, die Klangfarbe zu beeinflussen, „etwa durch den Aufschnitt des Pfeifenmundes oder auch durch die Regulierung des Winddruckes über das Loch im Pfeifenfuß.“ Die Orgelbauten im Zuständigkeitsbereich des Revisors Kai Kupschus verfügen über 168 bis 2500 Pfeifen. Die größte Pfeifenorgel Europas stehe im Passauer Dom. Kupschus spricht von über 17000 Pfeifen.

Eingewiesen werden die angehenden Orgelrevisoren im Rahmen ihrer Ausbildung nicht nur in die Begutachtung von Orgeln, sondern lernen auch, Gutachten zu erstellen.

Kai Kupschus macht keinen Hehl daraus, dass ihm das Orgelspiel Herzensangelegenheit geworden ist. „Ich selbst spiele schon, seitdem ich 14 Jahre alt war.“ Seitdem interessiert ihn auch die Technik. Schon 1990, anlässlich seiner eigenen Konfirmation in Steinhude, hatte er die Zungenregister der Orgel der Gemeinde selbst gestimmt und dem Pastor empfohlen, Maßnahmen einzuleiten, die zur Verbesserung des Klangbildes führen. 2010 setzte die Gemeinde die Anregungen um. Kai Kupschus, damals noch tätig als Kirchenmusiker der Landeskirche Schaumburg-Lippe, begleitete das Projekt fachlich.

Bis heute bespielte der Sulinger Orgeln unter anderem auch auf Mallorca, in Frankreich und Göteborg. Jetzt beschäftigt er sich vermehrt mit denen in den Kirchenkreisen Grafschaft Diepholz und Melle-Georgsmarienhütte.

oti

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