Melanie Vogt verabschiedet sich nach 45 Jahren

Raus mit Applaus

Inhaberwechsel: „Melanies Hauskrankenpflege“ mit Büroräumen in Sulingen leiten künftig Sonja Quellhorst (links) und ihre Schwester Nadine Wietelmann (rechts). Melanie Vogt geht nach 45 Jahren in den Teil-Ruhestand.
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Inhaberwechsel: „Melanies Hauskrankenpflege“ mit Büroräumen in Sulingen leiten künftig Sonja Quellhorst (links) und ihre Schwester Nadine Wietelmann (rechts). Melanie Vogt geht nach 45 Jahren in den Teil-Ruhestand.

Sulingen / Varrel – Melanies Hauskrankenpflege bleibt Melanies Hauskrankenpflege – obwohl es keine Melanie mehr im aktuell 32-köpfigen Team geben wird. Melanie Vogt gibt die Leitung der Firma ab, die sie am 1. Oktober 1994 gründete. Für sie heißt es sozusagen „Raus mit Applaus“. Ein Gespräch über Pflege und ihre Kräfte, für die es in Coronazeiten ja besonderen Beifall gab.

„Was mit Menschen machen“: Für Melanie Vogt, 62 Jahre alt, ist der Schritt in die Krankenpflege einst einer gewesen, den sie sehenden Auges ging im Wissen, dass lange Stunden bevorstehen und der Patient auch außerhalb von Arbeitszeiten weiterversorgt werden muss.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegedienstes ist es heute selbstverständlich, länger bei einem Kunden zu bleiben, wenn das notwendig ist. Die Route verschiebt sich dann. „Es kann mal länger dauern“ bedeute aber auch eine besondere Flexibilität.

Als Nachfolgerinnen übernehmen Nadine Wietelmann, 44 Jahre, und ihre Schwester Sonja Quellhorst, 39 Jahre, die Leitung. Beide sind langjährige Mitarbeiterinnen im Team der Hauskrankenpflege. Und sie bestätigen, was Melanie Vogt in den 45 Jahren, die sie in dem Bereich tätig ist, festgestellt hat: Es hat sich einiges verändert. Zuletzt durch, natürlich, die Corona-Pandemie.

Besonders herausragen würden die anders gewichteten Wünsche der Arbeitnehmer: „Was verdiene ich?“ sei eine der wichtigsten Fragen in der Berufswahl, neben der Work-Life-Balance. Die habe zu Veränderungen geführt, etwa im Beginn der Touren. Melanie Vogt, Nadine Wietelmann und Sonja Quellhorst erinnern sich an einen Arbeitsbeginn morgens um 6 Uhr. Aktuell starten die Routen zumeist um 8 Uhr. Die Kunden würden gerne früher starten, aber den Lebensbedingungen wird Rechnung getragen – wenn etwa zuerst die Kinder in die Betreuung gebracht werden müssen.

Veränderungen in der Pandemie

Die Pandemie hat die sonst üblichen Teamtreffen erst komplett verhindert, nun sind es die individuellen Arbeitszeiten. Waren zu Beginn der Pandemie keine Gruppentreffen möglich und kam jeder einzelnen in die Sulinger Firmenzentrale, sind nun die sonst üblichen morgendlichen Zusammenkünfte ebenso selten geworden wie die privaten Treffen, wo sich Dienstliches und Privates munter mischte.

Melanie Vogt hatte 1994 allein mit ihrem Unternehmen angefangen, erst nach anderthalb Jahren stellt sie, als sie in Mutterschutz geht, die ersten Mitarbeiter ein. Deren Zahl wächst kontinuierlich. Neben Pflegedienstkräften sind es heute auch neun Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter, deren Dienste angefordert werden.

Informationen zur Pflegeversicherung

Wann genau was durch die Pflegeversicherung gezahlt wird, ist ein Dschungel, durch den zu arbeiten sich in barer Münze auszahlt. Als Helfer dabei dienen die Mitarbeiter des Pflegedienstes. Die natürlich wissen, wann und in welchem Umfang die Hauswirtschaftsdienstleistungen als anerkannte Entlastung von der Pflegeversicherung übernommen werden.

Immer noch schwierig sei es, Fachkräfte zu finden, deshalb bilde die Firma, die mit der Übergabe in eine GmbH umgewandelt wird, selber aus. Die drei Fachfrauen monieren, dass die Generalisierung der Ausbildung die Situation nicht vereinfache. Der Lehrberuf heiße heute Pflegefachkraft. Die Ausbildung umfasse Altenpflege, Kinderkrankenpflege und Krankenpflege. „Uns steht der Auszubildende dann nur ein Drittel der Zeit zur Verfügung, die anderen beiden Drittel sind für die Kinderkrankenpflege und Krankenpflege gedacht“, erklärt Vogt. Erst nach Ende der Ausbildung erfolge die Spezialisierung, der Azubi könnte in allen drei Berufen arbeiten.

Passgenaue Optionen für Kunden

Ist es immer noch so, dass die Leistungen eher zu spät in Anspruch genommen werden? Nein, das habe sich gebessert, sagen Vogt, Wietelmann und Quellhorst unisono. Die Beratung sei nachgefragt und erkundigt werde sich eher als sonst nach passgenauen Optionen. „Die Angehörigen sind heute eher bereit, die Arbeit abzugeben“, erklärt Vogt. Der eigene Beruf, ein weiter entfernter Wohnort oder der Wunsch nach Freizeit seien Gründe.

Wie aber steht es mit der eigenen Freizeit und dem eigenen Fortkommen? Für Nadine Wietelmann war der Wechsel vor elf Jahren als gelernte Krankenschwester aus der Klinik Sulingen in die Tagespflege ein Wunsch, der sich erfüllt hat. Nach und nach sei sie in die Leitungsarbeit reingewachsen. „Und dann immer weiter administrativ nach oben gerutscht“: So beschreibt ihren Werdegang in der Firma Sonja Quellhorst, gelernte Altenpflegerin, die aus einem Job in einem Heim in die Tagespflege wechselte.

Familiäre Stimmung im Team

Die Firmenübernahme erschien beiden als „logischer Schritt“.“ Man kennt den Betrieb, möchte hier im Team gerne weitermachen, es ist eine familiäre Stimmung, die Arbeit ist nicht fremdbestimmt. Ich kann das verantworten“, so lauten die Gründe, die die Schwestern anführen für die Firmenübernahme. Für die Kunden ändere sich nichts, alle bisherigen Leistungen werden weiterhin angeboten. Melanie Vogt werde dem Team beratend zur Seite stehen, ihre Fußpflege weiterhin anbieten – und dann bleibt Zeit für Hobbys, wie Musik mit Saxofax oder das Nähen von Kleidern für die Mittelaltergruppe. Zeit für den Sommer an der Ostsee und den Winter im Winterwohnmobil im Harz.

Und wenn die Zeiten es wieder erlauben, soll der Wohnwagen Melanie und Ehemann Uli Vogt durch Europa fahren. Wunschziele? „Frankreich und Kroatien für mich, Italien für meinen Mann und im Winter mal nach Skandinavien, zu den Polarlichtern.“ Das ist das lachende Auge, mit dem sich Melanie Vogt aus der Arbeit der Tagespflege verabschiedet. „Ich werde auch eingeladen zu Treffen. Das haben sie versprochen“, wird das ob des Abschieds weinende Auge beruhigt.

Von Sylvia Wendt

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