Ohnsorg-Ensemble um „Zugpferd“ Heidi Mahler bietet Glanzleistung im Sulinger Stadttheater

Publikum genießt nostalgisches Heile-Welt-Szenario

Heidi Mahler brilliert als Oma Dora, hier mit Enkelin Gisela (Eileen Weidel, links) und Ex-Schwiegertochter Selma (Beate Kiupel). Foto: Kurth-Schumacher

Sulingen – Das Publikum in Sulingen verabschiedete das Ensemble des Ohnsorg-Theaters am Freitagabend mit Standing Ovations – Beifall für die nostalgische Reise in eine Zeit, als Verehrer ihren Angebeteten Blumen ins Haus schickten und „blanke Fünfmarkstücke“ ein halbes Vermögen waren.

Regisseur Michael Koch hat die 1961 von Wilfried Wroost geschriebene Komödie „Ein Mann mit Charakter“ behutsam in die 1970er Jahre verrückt. Eine Anpassung an das Hier und Jetzt wäre auch zum Scheitern verurteilt gewesen: Nicht nur Formulierungen wie „Mark und Groschen“ waren „out of time“. Die Zuschauer, viele von ihnen deutlich jünger als das Stück, genossen das Heile-Welt-Szenario, quittierten Bühnenküsse und die aus heutiger Sicht bizarren Dialoge immer wieder mit Szenenapplaus.

Das Ensemble, das in einer von Katrin Reimers originalgetreu gestalteten 70er-Jahre-Kulisse agierte, zeigte nostalgisches Volkstheater par excellence. Die Handlung dreht sich um das unvergängliche Thema „Liebe“: Gisela (Eileen Weidel), Tochter des sturköpfigen Bäckermeisters Hein Hinzpeter (Till Huster), hat sich in einen Finanzbeamten (Christian Richard Bauer) verliebt, der unter den Augen ihres Vaters keine Gnade findet. Da ein Schwiegersohn gefragt ist, der das Geschäft übernehmen kann, hat Hinzpeter seine Tochter seinem soliden und tüchtigen Gesellen Karl Kroepelin (Robert Eder) versprochen.

Zum 90. Geburtstag von Oma Dora – großartig gespielt von Heidi Mahler – stellt sich auch Selma (Beate Kiupel) ein. Sie ist die ehemalige Verlobte von Doras in Amerika lebendem Sohn Fritz – und Ex-Ehefrau von Sohn Hein. Charmant und dynamisch zieht Lehrling Peter Hintz (Lara-Maria Wichels) die Fäden im Hintergrund. Zum glücklichen Happy End versteht auch Bäcker Hein, dass der ungeliebte Schwiegersohn-Anwärter nicht nur Finanzbeamter ist, sondern auch eine Bäckerausbildung vorweisen kann. Publikumswirksam mit ihrem Stock Richtung Zuschauerreihen fuchtelnd tadelte ihn Oma Dora: „Würdest du uns einmal ausreden lassen, hätten die Leute hier schon eine Stunde früher nach Hause gehen können“: eine brillante Schlussszene.

50 Jahre nach der Erstausstrahlung der Komödie im deutschen Fernsehen, in der Heidi Mahler neben ihrer Mutter Heidi Kabel, die seinerzeit die 90-jährige Oma mimte, in der Rolle der jungen Gisela zu sehen war, ist das Ohnsorg-Theater mit dem Stück in der Neuinszenierung von Michael Koch auf Tournee. Koch, Ehemann von Heidi Mahler, verstärkte das Ensemble als „verlorener Sohn“ Fritz Hinzpeter. Heidi Mahler setzt sich mit der Rolle von Oma Dora ein Denkmal: Die 75-Jährige beendet mit dieser Spielzeit ihre Bühnenkarriere. Die Schauspieler um „Zugpferd“ Heidi Mahler boten eine Glanzleistung. „Wir brauchten mal was zum Lachen. Das Stück ist großartig“, fand Ilse Kynast, die die Aufführung im Sulinger Stadttheater mit ihrer Familie besuchte. Der hohe Gute-Laune-Faktor der Vorstellung war unbestritten. Die Tatsache, dass die Handlung realitätsfern war, jubelten und klatschten die Besucher einfach weg.

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