Die „proWerk A & I“ bezieht neue Betriebstätte in Sulingen für Menschen mit seelischen Behinderungen

Mehr Platz und näher dran an den Beschäftigten

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Erich Czeczka-Tibusch ist in der Metallbearbeitung tätig: „Mir gefällt es hier gut.“

Sulingen - Erich Czeczka-Tibusch lässt die Funken fliegen, schweißt Verschlüsse an Schellen, mit denen Rohrstücke verbunden werden. Der 57-Jährige ist seit 2004 im Bereich Metallverarbeitung der „proWerk A & I“ (für Arbeit und Integration) von Bethel im Norden beschäftigt – bislang in Freistatt.

Seit Anfang vergangener Woche kann der Sulinger in gut fünf Minuten mit dem Drahtesel seine Arbeitsstelle erreichen: Der ursprünglich für Juli anvisierte Einzug in die neue Betriebstätte für Menschen mit seelischer Behinderung an der Hans-Hermann-Meyer-Straße (wir berichteten) ist erfolgt. „Es gefällt mir hier gut“, bekundet Czeczka-Tibusch. „Es gibt mehr Platz, man hat das Material komplett an Ort und Stelle.“

Raumgewinn ist einer der Gründe für das Projekt, in das nach Angaben des Unternehmensbereiches „Bethel im Norden“ rund 1,2 Millionen Euro investiert wurden. Als wichtigsten nennt Thomas Bremermann, Werkstattleiter der „proWerk A & I“, diesen: „Wir müssen da hin, wo die Leute leben – und Menschen mit seelischen Behinderungen wohnen auch in Sulingen.“ Hinzu kommt die unmittelbare Nähe zum Hauptkunden, Lloyd Shoes. Für den Schuhhersteller lagert „proWerk A & I“ Artikel und Materialien. Die Beschäftigten kommissionieren sie, also stellen Lieferungen für Lloyd-Shops und andere Verkaufsstellen zusammen und machen sie versandfertig: „Gürtel, Badelatschen, Regenschirme, Kulturbeutel, aber auch Kassendisplays, Fußmatten, Kataloge, Werbeprospekte“, beginnt Thomas Bremermann eine Aufzählung, die sich noch lange fortsetzen ließe, „es sind rund 600 verschiedene Artikel.“ Das neue Hochregallager bietet dafür 766 Palettenstellplätze, „etwa 500 Paletten haben wir derzeit da. In Freistatt war das Lager auf verschiedene Orte verteilt, hier haben wir alles an einem Platz.“

In der Packstation werden Artikel für Lloyd Shoes kommissioniert.

Die Betriebsstätte bietet 24 Arbeitsplätze für Menschen, die aufgrund ihrer seelischen Behinderungen nicht beziehungsweise noch nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt werden können, vier Fachkräfte leiten sie an und unterstützen sie. Bremermann: „Aktuell sind es 15 Leute. Wir haben gefragt, wer nach Sulingen wechseln möchte, die anderen arbeiten weiter in Freistatt.“

Lloyd Shoes habe das Projekt „prima unterstützt“, dankbar ist Thomas Bremermann aber auch Spediteur (und ebenfalls „Nachbar“) Henri Wortmann für die Hilfe beim Transport der Lagerbestände von Freistatt nach Sulingen – den einwöchigen Umzug bezeichnet der Werkstattleiter schmunzelnd als „Operation am offenen Herzen“. Das Mobiliar für den Verwaltungs- und Sozialbereich (mit Rückzugsmöglichkeiten für die Beschäftigten, Duschen, Umkleiden, Speiseraum) ist neu. Jetzt fehle eigentlich nur noch die Beschriftung am Gebäude, ansonsten heiße es, sich in der neuen Betriebsstätte Schritt für Schritt einzuleben.

Eine Einweihungsfeier soll es im Frühjahr geben, kündigt Thomas Bremermann an, „voraussichtlich im März.“

ab

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