Gymnasiasten diskutieren über Flucht, deren Ursachen, Asyl und Integration

Projekt „Fluchtpunkte“

Das Podium für die Diskussion mit den Schülern besetzten Zeitzeuge Mario Röllig, dessen Fluchtversuch aus der DDR im Gefängnis endete, Bürgermeister Dirk Rauschkolb, Flüchtlingssozialarbeiterin Sarah Frerking (Diakonie Diepholz-Syke-Hoya), Fatima Alizade, die von ihrer Flucht aus Afghanistan berichtete, und Flüchtlingsberaterin Yvonne Freitag (Bethel im Norden; von links). Foto: Behling

Sulingen – „Fluchtpunkte – Perspektiven auf Flucht aus, in und nach Deutschland“ heißt das Projekt, mit dem Jannes Umlauf und Patric Dujardin vom Verein für Jugend- und Erwachsenenbildung „die Multivision“ Schulen besuchen. Am Mittwoch waren sie im Gymnasium Sulingen zu Gast.

Ziel des Projektes – 70 Jahre nach Inkrafttreten des Grundgesetzes, 30 Jahre nach dem Mauerfall – ist laut dessen Schirmherrin, Dr. Gesine Schwan, „junge Menschen für die Teilnahme an der Gesellschaft, die kritische Betrachtung und Überprüfung der Einhaltung von Grundrechten, die Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs und die Sensibilisierung für die Toleranz gegenüber Andersdenkenden zu begeistern.“

Die rund 120 Zehntklässler des Gymnasiums beschäftigten sich zunächst, etwa mit erläuternden Videos und in Quiz-Form, mit Themen wie der Flucht aus Deutschland vor 1945 und der nach Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, der Entstehung des Grundgesetzes mit dem darin verbrieften Asylrecht – und wie es darum heute in der Praxis steht. „Flucht hat es immer gegeben“, stellte Jannes Umlauf fest. „Einige Schüler haben erzählt, dass ihre Großeltern als Flüchtlinge hierherkamen.“ Zeitzeuge Mario Röllig berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen in der DDR-Diktatur, seinem gescheiterten Fluchtversuch. Seit über 20 Jahren arbeitet er in dem ehemaligen Gefängnis, in dem er inhaftiert war, der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Röllig nahm auch an der abschließenden Diskussionsrunde mit den Schülern teil, ebenso wie Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb, Flüchtlingssozialarbeiterin Sarah Frerking (Diakonie Diepholz-Syke-Hoya) und Flüchtlingsberaterin Yvonne Freitag (Bethel im Norden). Es ging unter anderem darum, wie die Integration von Flüchtlingen gelingen kann, was Politik, Gesellschaft, aber auch die Asylsuchenden selbst beitragen können.

Die 18-Jährige Fatima Alizade berichtete von ihren traumatischen Erlebnissen auf der Flucht mit ihrer Familie aus Afghanistan vor drei Jahren, schilderte lebensgefährliche Situationen und Erfahrungen mit Fremdenhass. Sie sprach auch von den Gründen, durch die ihre Familie sich dazu gezwungen sah, ihre Heimat zu verlassen – und den Herausforderungen und Schwierigkeiten, auf die Geflüchtete beim Neuanfang in einem fremden Kulturkreis mit ihnen unbekannter Sprache stoßen.

Fatima Alizades offene Worte, die sie teils sichtlich Überwindung kosteten, beeindruckten die Schülerinnen und Schüler, was sie auch durch Applaus zum Ausdrucken brachten.  ab

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