„Jeder Baum ist gefährlich“

„Primus“-Leitplanken sollen Autofahrer schützen

Auch einzelne Bäume können gefährlich werden – deswegen werden sie zunehmend mit kurzen Planken „eingezäunt“, wie hier bei Neuenkirchen. Das Plankensystem nennt sich „Primus“. - Foto: Schmidt

Landkreis Diepholz - Von Katharina Schmidt. Hübsch sind sie nicht, aber sie können Leben retten: Schutzplanken. Die stählernen Konstruktionen sichern an immer mehr Stellen den Straßenrand. Rund eine Millionen Euro vom Bund für die Landkreise Diepholz und Nienburg machen den Ausbau möglich – ganz zur Freude von Wolfgang Rehling. Der Geschäftsführer der Verkehrswacht Diepholz und Sachbearbeiter der Polizei sagt: „Wir fordern bereits seit 15 Jahren mehr Schutzplanken.“

Ins Auge springen derzeit vor allem kurze Leitplanken, die jeweils nur einen einzigen Baum umschließen. Bei diesem sogenannten „Primus-System“ handele es sich um eine relativ neue Variante des Baumschutzes, erklärt Fritz Wetje von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Im Landkreis Diepholz seien die ersten der kurzen Schutzplanken im vergangenen Jahr montiert worden.

„Primus-Planken“ bestehen aus Stahl und Kunststoff. Sie sind so konstruiert, dass sie trotz ihrer geringen Längen die Wucht eines aufprallenden Autos abfedern können. Das Ganze hat seinen Preis: Die Sonderanfertigungen sind Wetje zufolge teurer als die herkömmlichen Varianten, die zwischen 20 und 50 Euro pro Meter kosten. Dennoch seien sie wirtschaftlich, „weil damit nur der Baum geschützt wird, der auch geschützt werden soll, und kein langes Schutzplankenband entsteht, dass nur aus Konstruktionsgründen so lang ist“. Auch laut Rehling zahlt sich das „Primus“-System aus. „Letztlich ist jeder einzelne Baum gefährlich“, betont er.

Die Karte zeigt die Zahl der Baumunfälle im Landkreis. Wo ein Punkt ist, hat es gekracht. 

Mit den Fördergeldern zum Ausbau des Schutzplankensystems verfolgt das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur das Ziel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Zahl der Toten und Schwerverletzten zu reduzieren. Denn massive Stämme spielen bei Unglücken oft eine entscheidende Rolle. Auf allen Straßen im Landkreis Diepholz gab es seit dem Jahr 2012 insgesamt 143 Unfälle, bei denen Bäume im Spiel waren. 24 davon endeten tödlich. Das zeigt ein Blick in die Verkehrsunfallstatistik der Polizei. Wie wären die Unfälle geendet, wenn den Fahrern kein Hindernis in die Quere gekommen wäre? Darüber lässt sich nur mutmaßen.

„Die Gefahr geht letztlich nicht von den Bäumen aus, sondern vom Fahrer“, verdeutlicht Wolfgang Rehling. Dieser sei oft abgelenkt und komme von der Straße ab.

„Radarkontrollen will auch niemand“

Um Baumunfälle zu reduzieren, gibt es dem Verkehrsexperten zufolge drei Möglichkeiten. Nummer eins: die Kettensäge. „Das will eigentlich niemand“, so Rehling. Eine andere Option sei, die Höchstgeschwindigkeit flächendeckend auf 60 Stundenkilometer zu beschränken und mit Radarkontrollen zu überprüfen. „Wenn wir ehrlich sind – das will auch niemand“. Also blieben nur die Schutzplanken. Die Strecken, die damit ausgestattet werden, wählt die Verkehrsunfallkommission aus. Derzeit wird ausschließlich an Bundesstraßen aufgerüstet – auch wenn viele Kreisstraßen laut Rehling nicht weniger gefährlich sind. Dem Kreis fehle jedoch das Geld. Ein Kilometer Schutzplanke kostet immerhin bis zu 50.000 Euro. „Und wir haben viele Kilometer im Landkreis.“

An den meisten bereits geschützten Stellen im Landkreis ist der stählerne Zaun nur auf einer Straßenseite angebracht. Wo er beidseitig montiert ist, würden derzeit Voraussetzungen für Geschwindigkeitsbegrenzungen geprüft, so Rehling. Das sei zum Beispiel in Neuenkirchen oder Cornau der Fall.

In den kommenden Jahren will die Landesbehörde mit Bundesmitteln das Schutzplankensystem in den Landkreisen Diepholz und Nienburg weiter erneuern und ergänzen. Hierfür sind 2,5 Millionen Euro vorgesehen. Nicht mehr zulässige Geländer sollen abgebaut, alte Pfosten ausgetauscht und neue Planken aufgestellt werden.

Eine Nachricht, die Wolfgang Rehling freuen dürfte. „Wir hoffen, dass durch Schutzplanken viele Unfälle gar nicht erst passieren“, erzählt er. Sie stünden nahe an der Straße – und aus Respekt vor dem Stahl fahre vielleicht manch einer vorsichtiger.

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