Pläne für ein stationäres Hospiz in Sulingen/Mitglieder entscheiden

Haus des Lebens – und des würdevollen Sterbens

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Rund 700 Patienten hat der Palliativstützpunkt im Landkreis Diepholz seit seiner Gründung vor drei Jahren versorgt, sprich ihre spezielle Pflege organisiert – viele Menschen davon bis zu ihrem Lebensende. Davon zeugt ein Erinnerungsbuch. Erika Thoben, Silke Stecker, Ivonne Arndt und Rieke Rohlfs (v.l.) halten es in Ehren und bewahren ein Stück Lebensgeschichte.

Sulingen - Von Anke Seidel. Eine Machbarkeitsstudie liegt vor und der Versorgungsvertrag steht. Aber ob und wann in Sulingen ein stationäres Hospiz mit acht Plätzen gebaut wird, darüber entscheiden die Mitglieder des Vereins Palliativstützpunkt am 24. Februar. Sterbenskranke aus drei Landkreisen sollen in diesem Haus ihre letzte Lebenszeit verbringen dürfen – in einem Haus des Lebens, das ihnen ein würdevolles Sterben ermöglicht.

Aus ihrer täglichen Arbeit mit Patienten in der letzten Lebensphase wissen Erika Thoben als Koordinatorin des Stützpunktes, Pflegedienst-Betreiberin Silke Stecker und Ärztin Ivonne Arndt, dass immer mehr unheilbar Kranke auf ein solches Haus angewiesen sind – weil ihre Lebenspartner berufstätig sind und nicht rund um die Uhr für sie sorgen können.

Sowohl die Lebensqualität als auch die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen zu erhalten, zu fördern und zu verbessern – das ist der Kern der Spezialisierten Ambulanten Palliativ Versorgung (SAPV). Davon haben allein im vergangenen Jahr 286 Menschen im Landkreis Diepholz profitiert. Der Palliativstützpunkt in Sulingen koordiniert die Einsätze, organisiert die Betreuung von durchschnittlich 40 bis 50 Patienten pro Tag.

Wer von ihnen auf ein Hospiz angewiesen ist, muss bisher weite Wege in Kauf nehmen – und das gilt genauso für ihre Angehörigen. Denn erst in Ganderkesee, Minden-Lübbecke, Bremen oder Dinklage können sie das nächste Hospiz erreichen. Und längst nicht immer sind Plätze frei.

Deshalb hatten die Mitglieder des Vereins Palliativstützpunkt ihrem Vorstand schon im vergangenen Jahr den Auftrag erteilt, die Möglichkeiten für ein stationäres Hospiz zu überprüfen. Erika Thoben erarbeitete mit Rieke Rohlfs eine detaillierte, 70 Seiten starke Machbarkeitsstudie und außerdem einen Strukturerhebungsbogen als Grundlage für Gespräche mit den niedersächsischen Krankenkassen. Ein Paket von Argumenten, das überzeugte: Der Palliativstützpunkt hat die Zusage für einen Versorgungsvertrag für das stationäre Hospiz – obwohl Fachverbände und Krankenkassen laut einer Pressemitteilung gute Versorgungsstrukturen und damit wenig Bedarf für neue stationäre Hospize sehen. Ausschlaggebendes Argument: Die schlechten Verkehrsstrukturen in Sulingen. „Wir liegen im Niemandsland, haben keinen Bahnhof und keine Autobahn in der Nähe“, erklärt die Palliativ-Medizinerin Ivonne Arndt. Schlechte Chancen also für Betroffene und ihre Angehörigen, ein Hospiz zu erreichen.

Herzenswunsch von Erika Thoben ist es, das Haus in Sulingen schon im Mai 2017 eröffnen zu können – wenn die Mitglieder während der Versammlung am 24. Februar (19 Uhr, Palliativstützpunkt) zustimmen. Erst danach können konkrete Bauplanungen und Finanzierungskonzepte erarbeitet werden. Schätzungsweise knapp drei Millionen Euro kostet das Haus. Einen Großteil würden die Krankenkassen finanzieren, aber ohne Spenden wäre das Projekt nicht zu realisieren.

Denn die Gäste des Hauses – sprich die unheilbar Kranken – sollen ihre letzte Lebenszeit mit ihren Angehörigen in einer angenehmen, geschützten Atmosphäre verbringen dürfen.

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