Kulturveranstaltung im Stadttheater

Loriot-Klassiker überzeugen auch in der Bühnenversion

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Einer der bekanntesten Loriot-Klassiker: Badewannendiskussion der Herren, hier auf der Bühne im Stadttheater Sulingen.

Sulingen - Von Martina Kurth-Schumacher. „Sulingen hat an Platz gespart“, beschwert sich ein vermeintlicher Theaterbesucher der Kulturveranstaltung am Sonntagabend, während er sich durch die Zuschauerränge zwängt. Platz fand er auf der Bühne, mitten im ersten Sketsch von Loriot.

Wie passend: Nacheinander erscheinen alle sechs Schauspieler des Ensembles - Burghard Braun, Vesna Buljevic, Julia Gutjahr, Mike Kühne, Bülent Özdil und Guido Thurk - auf der Bildfläche, Bülent in der Rolle des Preisaufschreiben-Gewinners von „Salamo Bratfett“, der mit seinem Geplapper dem Bonbon-Raschler, dem Drängler und dem „Etepetete-Kulturisten“ in punkto Peinlichkeit den Rang abläuft. „Ich hänge fest im Schritt“ – der Ausspruch des Unglücksraben ist nicht der einzige des Abends, den das Publikum im Geiste mitsprechen kann.

Von der ersten Minute an sind die Gäste der Kulturveranstaltung im Stadttheater gefangen von dem Loriotschen Zauber. Und von den Leistungen der Schauspieler des Westfälischen Landestheaters, die den gesammelten Werken von Vicco von Bülow in der Inszenierung von Gert Becker ein abendfüllendes Programm widmeten.

So eng ist es, dass mancher festhängt, im Schritt.

Die Helden, die der große Humorist in den 1970er Jahren schuf, sind unsterblich: Herr Meltzer, Direktor der Vereinigten Europa-Trikotagen GmbH und Sekretärin Frau Dinkel („Küssen Sie mich. Es geht nicht. Es muss gehen, andere machen es doch auch...“), der sprechende Hund, Lottogewinner Lindemann oder Herr Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner, die sich unfreiwillig eine zu einem Hotelzimmer gehörige Badewanne teilen und über das Zu-Wasser-Lassen der Quietscheente streiten.

Vicco von Bülow war ein Menschenfreund. Er schaute genau hin und hielt der Gesellschaft den Spiegel vor. Kleinbürgerliche Alltagskatastrophen, die Tücken der Kommunikation und der Aberwitz mancher gesellschaftlichen Norm: Bülow trieb sie bis zur peinlichen Entlarvung auf die Spitze. Viele Begriffe wie das „Jodeldiplom“ („Wenn die Kinder mal aus dem Haus sind, bin ich unabhängig und hab‘ was Eigenes...“) erhielten „Flügel“ und flossen in den Sprachschatz der Allgemeinheit ein.

Das Ensemble serviert zum krönenden Abschluss den Sketsch „Kosakenzipfel“ - mit einem handfesten Streit der Protagonisten im Zuschauerraum als Schluss- und Höhepunkt. Das Ende ihres fünfjährigen Freundschafts-Jubiläums ist auch das Ende ihrer Freundschaft. Die Ehefrauen Pröhl und Hoppenstedt beschimpfen sich gegenseitig als „Jodelschnepfe“ und „Winselstute“ und wettern, dass man „auf Campingplätzen eben keine Bekanntschaften machen sollte.“

Das Publikum spendet langanhaltenden, rhythmischen Applaus für das Ensemble. Auch die Helfer, die hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf sorgten, holen sich ihren Beifall ab. Gut so, denn sie haben einen großen Anteil an der präzisen Inszenierung der insgesamt 18, von Vicco von Bülow zum Teil als Zeichentrick-Sketsche konzipierten Szenen. Perfektionismus à la Loriot bis ins Detail. Hier stimmen nicht nur Ausstattung und Requisite, sondern auch die mit „Ach“ und „Ach was“ gewürzten rhetorischen Pausen.

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