Wer hat das Patentrezept?

Landwirte stellen Bundestagskandidaten auf den Prüfstand

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Kreislandwirt Wilken Hartje (rechts) hinterfragt die Positionen der Bundestagskandidaten (v.l.) Axel Knoerig (CDU), Klaus-Joachim Schmelz (Grüne), Gerd Breternitz (AfD), Jürgen Abelmann (Linke), Alexander Carapinha Hesse (FDP) und Tevfik Özkan (SPD).

Sulingen - Von Anke Seidel. Bauern in akuter Existenznot, Preisexplosion bei den Pachtflächen oder ruinöse Milchpreise: Das beklagen Landwirte im Landkreis Diepholz immer wieder, wie Demonstrationen und Protestaktionen beweisen.

Deutlich weniger dramatisch verlief dagegen die Podiumsdiskussion der Landvolk-Verbände Diepholz und Mittelweser im Sulinger Restaurant Dahlskamp – ein unverbindliches Frage-und-Antwort-Spiel, in dem Kreislandwirt Wilken Hartje das Wissen der Bundestagskandidaten im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I testete.

Was wird von den Landwirten erwartet?

Welche Ziele muss die Landwirtschaft erfüllen? Altvertrautes spiegelten die Antworten der Kandidaten auf diese Auftaktfrage wider. Umwelt- und Naturschutz sowie Verbraucher-Interessen standen für Tevfik Özkan (SPD) an erster Stelle, während Alexander Carapinha Hesse (FDP) Sicherstellung der Ernährung, Energieversorgung und aktiven Tierschutz nannte. Lebensmittelversorgung und Umweltschutz waren Jürgen Abelmann (Linke) wichtig, auch dass Landwirte von ihren Produkten leben können.

Dem schloss sich Gerd Breternitz (AfD) an, während Klaus-Joachim Schmelz (Grüne) ein angemessenes Einkommen für bäuerliche Familienbetriebe, Naturschutz sowie Artenvielfalt forderte. Axel Knoerig (CDU), einziger Kandidat mit Bundestagsmandat, nannte Kultur- und Landschaftspflege, allen voran aber die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln. „Ein Landwirt ernährt 145 Menschen pro Jahr“, stand auf den Bierdeckeln, die vor den Zuhörern lagen, genauso: „Ohne uns ist Hopfen und Malz verloren.“

Kontrollieren, reglementieren oder einfach machen lassen? Wer hat ein Patentrezept gegen den Strukturwandel? Wie muss das Image der Landwirtschaft gestärkt werden? Und: Mehr Bio oder nur noch Bio? Vier Fragerunden, in denen die Kandidaten mit unterschiedlichen Positionen Profil zeigten. 

Schmelz erteilte dem „Spiel der freien Kräfte“ eine klare Absage, während Breternitz die freie Marktwirtschaft statt der bisherigen „Art Planwirtschaft“ forderte. Özkan lag eine „Strategie gegen die Lebensmittelverschwendung“ am Herzen, Abelmann geißelte „Flug-Ananas aus Hawaii“, und Hesse wollte die Landwirte „auch mal machen lassen“. Knoerig beschwor Vielfalt in der Landwirtschaft.

Unisono für Tierschutz

„Wasser lassen, Zigarette rauchen – in zehn Minuten geht es weiter...“, mit diesen Worten schickte Moderator Hartje das Publikum in die Pause, bevor er im zweiten Teil der Diskussionsrunde Fragen zu einem polarisierenden Thema stellte: Tierschutz. Es war keine Überraschung, dass sich die Kandidaten unisono zum Tierwohl bekannten – ebenso wenig, dass alle bei der Frage „Wie finden Sie illegale Einbrüche von Tierschützern in Ställe?“ klipp und klar auf Recht und Gesetz verwiesen.

Und welche Stallgröße halten die Kandidaten für sinnvoll? „Ich hab keinen blassen Schimmer, klären Sie mich auf“, forderte Jürgen Abelmann. Als Wilken Hartje ihm die derzeitige Stallgröße von bis zu 3.000 Schweinen nannte, antwortete Abelmann in nur drei Worten: „Das ist zuviel!“ Klaus-Joachim Schmelz forderte, „die Ställe an die Tiere anzupassen – und nicht die Tiere an die Ställe“. 

Tevfik Özkan setzte sich für eine maßvoll gestaffelte Steigerung des Tierschutzes ein und Alexander Hesse vertraute den Landwirten: „Keiner steht morgens auf und sagt: Heute quäle ich meine Tiere, mein Kapital.“ Axel Knoerig forderte Bestandsschutz bei Stallbauten, damit Investitionen nachhaltig bleiben.

Wolf, Wasserschutz und Gentechnik – das thematisierten Landwirte, Kandidaten und Zuhörer gleichermaßen. Nicht immer kamen alle zu Wort – wie zum Beispiel Knoerig nach einem wortreichen Statement zum Thema Wasserschutz. Bei der nächsten Frage reichte Hartje das Mikrofon einfach an ihm vorbei: „Herr Knoerig hat schon sehr viel geredet.“

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