Schinkenbrot und Milch immer am 5. Juli

Pätzold hält Tradition seit 75 Jahren aufrecht

Das traditionelle Schinkenbrot mit einem Glas Milch genoss Johannes Pätzold im Kreis von Familie und Freunden.  
Fotos: Bartels
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Das traditionelle Schinkenbrot mit einem Glas Milch genoss Johannes Pätzold im Kreis von Familie und Freunden. Fotos: Bartels
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Rathlosen – Einen ganz besonderen Gast begrüßten Kerstin und Klaus Köppe am Sonntag im Gasthaus Brinkmann in Rathlosen: Johannes Pätzold kehrte bei ihnen ein, um – wie jedes Jahr am 5. Juli seit 1945 – ein Schinkenbrot und ein Glas Milch zu verzehren.

„Wir haben viele Rathloser, die häufiger kommen“, so Klaus Köppe, „aber keiner kommt so lange und so regelmäßig.“ Mittlerweile bewirte bereits die dritte Generation den aus Wurzen bei Leipzig stammenden Gast bei seiner traditionellen Mahlzeit. Die fiel wieder zur Zufriedenheit Pätzolds aus: „Es hat gut geschmeckt, und ich bin hervorragend bewirtet worden“, lobte er.

Ihren Anfang nahm die Tradition in russischer Kriegsgefangenschaft: Dort hatte Pätzold Willi Brinkmann kennengelernt und war dessen Einladung nach Rathlosen nach seiner Entlassung gefolgt. Bei seiner Ankunft erhielt er ein Schinkenbrot mit einem Glas Milch, und für dieses Gericht kehrt er seither jedes Jahr am 5. Juli in das Gasthaus zurück.

Kennengelernt in der Gefangenschaft

In Sulingen wurde Pätzold heimisch und gründete hier mit seiner Frau Dora eine Familie, die inzwischen drei Töchter und einen Sohn sowie neun Enkelkinder, sieben Urenkel und drei Ururenkel umfasst. Fand er zunächst Arbeit als Knecht auf einem Hof in Rathlosen, wechselte er später zum Kabelwerk nach Sulingen und schließlich als kaufmännischer Angestellter in die Erdgas- und Erdöl-Förderung in Barenburg.

Einen Namen machte sich Pätzold jedoch als Künstler weit über die Grenzen Sulingens hinaus: Ausstellungen im In- und Ausland zeigten seine Arbeiten, und auch in der Gaststube des Gasthauses Brinkmann ist eins seiner Werke zu sehen. An der Kunst Pätzold auch andere teilhaben: Er war Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins „Kunst in der Provinz“, und 1988 erhielt er als erster Künstler den Kulturpreis der Stadt Sulingen.

Sulingens erster Kulturpreisträger

Längst kehrt Pätzold nicht mehr alleine in Rathlosen ein: In diesem Jahr begleiteten ihn seine Töchter Magda Bohlmann, Petra Heuer-Bernhardt und Elke Böse mit ihren Angehörigen sowie enge Freunde, und auch die Auswahl an Speisen und Getränken ging deutlich über das traditionelle Mahl hinaus. Dabei nutzten die Gäste die Gelegenheit, ihm nachträglich zu seinem 100. Geburtstag zu gratulieren, den Pätzold am 19. Juni begangen hatte.

Gefeiert worden war allerdings in Verden, wo der Jubilar seit Oktober bei Magda Bohlmann lebt. Zwischendurch sei er jedoch immer wieder mal in Sulingen, um nach seinem Haus zu sehen und um Freunde und Bekannte zu treffen, berichtete die Tochter. Auch künstlerisch sei ihr Vater noch tätig und fertige Skizzen.  hab

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