Staatsanwältin fordert sieben Jahre Haft

„Opfer hat Todesängste ausgestanden“

Verden/Sulingen - Von Wiebke Bruns. In dem Vergewaltigungsprozess am Landgericht Verden hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine siebenjährige Jugendstrafe beantragt. Erste Staatsanwältin Alexandra Stöber ist überzeugt, dass es kein einvernehmlicher Geschlechtsverkehr war, wie vom Angeklagten behauptet.

Das 26-Jahre alte Opfer sei auf dem Heimweg vom Reload-Festival in Sulingen im August 2016 vergewaltigt, beraubt und verletzt worden. Todesängste habe die junge Frau ausgestanden, und sie leide noch immer massiv unter den Folgen der Tat.

Erschreckende Details zum Tatgeschehen kamen in dem Plädoyer zur Sprache. So habe die Frau, als sich der Angeklagte ihr mit einem Fahrrad genähert und sie immer wieder umkreist habe, einen Freund angerufen. Er sollte in der Leitung bleiben, bis sie zu Hause angekommen ist, so die Staatsanwältin. Doch dann habe der Freund nur noch gehört: „Hau ab, lass mich in Ruhe“ und einen panischen Schrei. Dann brach das Telefonat ab.

„Der Angeklagte griff ihr mit einer Hand an den Hals, und mit der anderen Hand riss er ihr das Handy weg“, so Stöber. „Würgend schob er sein Opfer vor sich her. Sie fürchtete, er würde zudrücken und sie ohnmächtig in den benachbarten See werfen.“ In dieser Todesangst habe das Opfer die Vergewaltigung widerstandslos über sich ergehen lassen. Bevor der Täter verschwand, raubte er noch ihr Handy und etwas Bargeld. Das Handy wurde später bei einem Bekannten des Opfers sichergestellt. Ihm soll es der Angeklagte verkauft haben.

Opfer lief zu den Eltern

Das Opfer lief nach Hause zu den Eltern. Nicht den normalen Weg, sondern durch verschiedene Gärten. Aus Angst, dass der Täter ihr folgen würde, so Stöber. Zu Hause brach sie zusammen. Ihr Vater rief sofort die Polizei, was für die Sicherung von Spuren offenbar von ganz großer Bedeutung war.

Bei einer sofortigen ärztlichen Untersuchung wurden DNA- und Spermaspuren gesichert. Auf der vom Opfer benannten Parkbank wurden trockene Stellen nach vorherigem leichten Regen dokumentiert. Diese passten zu dem vom Opfer beschriebenen Hinknien bei der Tat, aber nicht zu dem einvernehmlichen, kuschligen Miteinander, wie es der Angeklagte behauptet, erklärte die Staatsanwältin.

In die geforderte Strafe einbezogen hat die Juristin eine noch offene Bewährungsstrafe aus Osnabrück wegen Autoaufbrüchen. Von den damit verbundenen 100 Arbeitsstunden habe der Angeklagte keine einzige abgeleistet, erläuterte die Jugendgerichtshilfe. „Statt an seiner Integration zu arbeiten, hat er sich an keinerlei Regeln gehalten. Er setzt nur seine Interessen durch, ohne Rücksicht auf Verluste“, sagte Stöber. „Was er nicht bekommt, das nimmt er sich mit Gewalt. In der Tatnacht im August waren es Sex, Handy und Geld.“

Angeklagter flüchtete nach Schweden

Und in der Nacht darauf der Schlüssel der Nachtaufsicht in einem Wohnheim für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in Sulingen. Der Mitarbeiterin wurden ein Messer vorgehalten und ein Schlüsselband von ihrem Hosenbund geschnitten. Dann holte sich der Angeklagte seine Sachen und flüchtete nach Schweden. Im März 2017 wurde er ausgeliefert und ein Altersgutachten erstellt. Statt behaupteter 17 Jahre war der Angeklagte schon zum Tatzeitpunkt mindestens 18 Jahre alt. Somit hätte er in dem Wohnheim gar nicht wohnen dürfen.

Der Anwalt der vergewaltigten Frau beantragte alleine für die an seiner Mandantin verübten Taten sieben Jahre und der Verteidiger dreieinhalb Jahre. Das Urteil wird am Dienstag verkündet.

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