Was geht im Sulinger Jugendzentrum „JoZZ“?

Offene Jugendarbeit lebt von Nähe

Auf der neuen Terrasse hinter dem „JoZZ“: Karina Rosendahl und Axel Diekmann.
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Auf der neuen Terrasse hinter dem „JoZZ“: Karina Rosendahl und Axel Diekmann.

Sulingen – Ein festgelegtes Treffen zum vorher verabredeten Termin? „Das funktioniert nicht in der offenen Jugendarbeit“, sagen Axel Diekmann und Karina Rosendahl. Die beiden Stadtjugendpfleger bilden, zusammen mit Kollege Volkhardt Schumacher, das Trio hinter den diversen Aktionen und Angeboten im Sulinger Jugendzentrum („JoZZ“). Während sich „Raspe“ Schumacher um die Konzerte im „JoZZ“ kümmert, sind Diekmann und Rosendahl mit dem Alltag der Kinder und Jugendlichen beschäftigt.

Und der findet derzeit eben genauso wenig statt, wie Konzerte.

Kriegen die beiden denn trotzdem mit, was den Kindern und Jugendlichen fehlt? Wer einen Ansprechpartner braucht, erreicht das Team unter Tel. 0 15 75 / 3 19 32 20 oder 04271/4317 (Anrufbeantworter). Das nutze aber kaum jemand. Karina Rosendahl und eine Gruppe von etwa sieben Mädchen sind so vertraut, dass sie sich, in unterschiedlicher Gruppierung und unter Einhaltung aller Auflagen, treffen und austauschen. Im Regelbetrieb kommen fast ausschließlich die Jungs in das rote Haus an der Galtener Straße, „die Mädchen gezielt, um zu quatschen“, sagt Rosendahl. Was wie ein Unterschied klingt, ist es aber nicht: In beiden Fällen ist das Treffen mit Gleichaltrigen das, was die Jugendlichen wollen.

Nähe ist derzeit nicht erlaubt

Und es ist das, was derzeit nicht geht. Sportverein? Nix. Freunde? Nicht erlaubt. Schule? Distanzlernen für die einen, im Wechsel für die anderen, auf Abstand, Masken. „Die Pandemie und die Berichterstattung darüber gehen nicht an den Jugendlichen vorbei“, sagen Diekmann und Rosendahl. Und die Erkrankung selber auch nicht: „Ein Jugendlicher hat berichtet, dass er zwei Wochen richtig doll krank war und das nicht noch mal erleben wollte“, erzählt Diekmann. „Die Jugendlichen gehen mit dem Thema nicht leichtfertig um.“

Gleichwohl sei die Stadtjugendpflege eine Grauzone, was Vorgaben angeht, erklären Diekmann und Rosendahl. Nach dem ersten Lockdown war das „JoZZ“ bis Mitte Juni 2020 geschlossen, dann wieder, mit Auflagen, bis Mitte Dezember geöffnet. Aber die dann geltenden Regeln hätten als „Spaßbremse“ gewirkt: Abstand, Masken, Joystick erst desinfizieren, nicht einfach weiterreichen. Vorher Bescheid sagen, wenn gewechselt werden soll. „Eine offene Jugendeinrichtung lebt von Nähe, davon, dass sich die Jugendlichen untereinander treffen können“, sagt Axel Diekmann. Corona aber fordere komplett andere Bedingungen ein. Und wenn nun immer vom Licht am Ende des Tunnels durch eine Impfung die Rede sei: „Das gilt ja nicht für die Jugendlichen“, moniert Diekmann. Die kämen da nicht drin vor. Stattdessen kämpfe jeder für sich. Jugendliche hätten dabei immer wieder das Nachsehen, etwa in Sachen Schulpraktika: „Die kriegen einfach kaum Plätze“, berichtet Karina Rosendahl.

Das Café im Jugendzentrum ist geschlossen.

Alle drei Stadtjugendpfleger befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Diekmann und Rosendahl sagen, sie tragen die Maßnahmen mit, wollen im „JoZZ“ keine Parallelgesellschaft schaffen. Denn: „Rein theoretisch könnten wir öffnen. Denn für uns als Einrichtung der offenen Jugendarbeit hat die Infektionsverordnung keine exakten Auflagen vorgesehen. Die Verantwortung wurde in unsere Hände gelegt.“ Vier Jugendliche dürften demnach nicht Schulter an Schulter zum „JoZZ“ gehen, aber dort Billard spielen oder nebeneinandersitzen. „Wir müssten einzig ein Hygienekonzept vorlegen und die Kontaktverfolgung gewährleisten“, sagen Diekmann und Rosendahl. Das Team habe jedoch im Hinblick auf die Verantwortung aller als Teil einer Gesamtgesellschaft entschieden, eben nicht zu öffnen.

„Alle haben die Faxen dicke, alle möchten, dass es wieder normal weitergeht“, sagt Diekmann. Zur Normalität würde auch ein Sommerferienprogramm gehören. Wie stehen die Chancen in 2021? „Im Hinblick auf die aggressive Mutante des Virus ist das noch mal eine Herausforderung“, merkt Rosendahl an. Alle sonst immer integrierten Ferienspaß-Ausflüge etwa fallen aus: Bis zu neun Kinder in einem Kleinbus, das sei derzeit aus epidemiologischen Gründen nicht denkbar. Ebenso wenig eine Einzelbeförderung, aus finanzieller Sicht.

Sommerferienprogramm 2021

„Eigentlich hatten wir 2020 letztlich noch ein schönes Ferienprogramm“, erinnert sich Rosendahl und muss dann doch eine bittere Realität anerkennen: „ Aber es war still. Wo sonst Trubel herrscht, gelacht wird oder spontan gemeinsam gesungen, war jedes Kind mit Abstand zum anderen für sich beschäftigt. Jedes Kind hat still vor sich hin gearbeitet.“ Wie lange vorher müsste das Team denn wissen, ob ein Ferienprogramm überhaupt erlaubt ist? „Es wäre schön, wenn wir Planungssicherheit hätten bis Anfang, Mitte Juni. Die Sommerferien beginnen ja erst Mitte Juli. Wir wünschen uns, dass wir was machen dürfen und hoffen, dass wir das hinkriegen“, sagt Axel Diekmann.

Von Sylvia Wendt

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