Ochsenhäute für Mehl

Mühlenverein macht historische Geschäftsdokumente öffentlich

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Im Kreismuseum: Melanie Röper, Helmut Hansing, Florian Adolph und Dr. Ralf Vogeding (von links).

Die ersten Seiten des Hauptbuches des Mühlenbetriebs Heinrich Henke in Labbus datieren vom 31. Dezember 2010, die letzten vom 25. August 1928. Die Unterlagen erzählen ein Stück Stadtgeschichte. Der Mühlenverein Labbus macht sie öffentlich.  

Sulingen – Einen Sack Gerstenmehl holte August Albrecht aus Sulingen am 12. September 1912 aus der Windmühle in Labbus, und am 28. September benötigte er einen weiteren Sack. Zu welchem Zweck er das Mehl kaufte, ist nicht bekannt, aber der Kauf ist verzeichnet in den Geschäftsunterlagen der Mühle – und Auszüge daraus haben die Mitglieder des Mühlenvereisn Labbus nun für Interessierte zur Recherche auf ihre Internetseite gestellt.

Vor allem geht es dabei um das Hauptbuch des Mühlenbetriebs Heinrich Henke in Labbus aus der Zeit vom 31. Dezember 1910 bis 25. August 1928. Im hinteren Teil des Buches findet sich ein Namensregister aller Kunden aus diesem Zeitraum mit einem Verweis auf die Seite, auf der die jeweiligen Geschäftsvorfälle eingetragen sind.

Sichere Verwahrung im Kreismuseum

Jede Seite umfasst ein Kontoblatt: In der Kopfzeile sind Name und Ort des Kunden festgehalten, darunter sind in der linken Spalte die vom Mühlenbetrieb gelieferten Waren mit Datum aufgeführt sowie unter dem Begriff „Debet“ der Geldwert der Lieferung, die der Käufer, im Rechnungswesen auch „Debitor“ genannt, bezogen hat. Rechts ist unter „Credit“ vermerkt, welche Summe der Lieferant oder „Kreditor“ als Gegenleistung erhalten hat. Stimmten die Summen beider Spalten überein, wurden die Spalten diagonal durchgestrichen, und der Geschäftsvorfall galt damit als erledigt.

Entnehmen lässt sich den Aufzeichnungen auch, in welcher Art die Lieferungen beglichen wurden: Die Barzahlung „per Casse“ war durchaus üblich, häufig zahlten die Kunden aber auch durch eine Getreidelieferung, und sogar die Zahlung mittels Sachwerten, wie die Einträge „per 5 Ferkel“ oder „Ochsenhäute“ dokumentieren, war möglich.

Das Hauptbuch der Mühle Labbus liefert Informationen über die Kunden. Foto: Mühlenverein Labbus

Das Hauptbuch ist zusammen mit Rechnungen des Mühlenbesitzers aus den Jahren 1922 und 1928 sowie dem Kassenbuch des Mühlenbetriebs von 1968 bis 1971 im Kreismuseum in Syke untergebracht. Die Familie des letzten Müllers übergab die Dokumente 2006, vor dem Verkauf des Galerieholländers, zur sicheren Verwahrung an das Museum. Dort gewährten nun Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding und Mitarbeiter Florian Adolph dem Mühlenverein Einsicht: Ausgiebig konnten Vorsitzender Helmut Hansing und die 1. Müllerin Melanie Röper die historischen Aufzeichnungen studieren, und auf Bitten der Vereinsvertreter scannten die Museumsmitarbeiter sämtliche Seiten des Hauptbuchs ein.

Diese Seiten können als PDF-Dateien nun von der Vereinsseite unter www.labbusmuehle.de/historische-unterlagen heruntergeladen werden. „Viele der Familiennamen sind heute in der Umgebung der Mühle in Labbus noch zu finden, sodass Interessierte Einblicke nicht nur in den Mühlenbetrieb in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, sondern auch in die eigene Familiengeschichte erhalten können“, sagt Aileen Hansing, Vorstandsmitglied des Mühlenvereins.

Mühlenverein überarbeitet Internetseiten

Der Mühlenverein hat zudem seine Internetseite überarbeitet. Besucher können sich dort unter anderem auch über den Stand der Mühlenrestaurierung informieren: Derzeit läuft noch Phase eins, in der die Mühlenkappe mit Windrose wieder hergestellt werden soll. Man rechne damit, dass die erneuerte Kappe in Kürze vom Mühlenbauunternehmen Pätzmann aus Winsen an der Luhe wieder angeliefert und auf dem Hof zusammengesetzt werde, so Aileen Hansing. Anschließend solle sie – bei günstigem Wetter – wieder auf die Mühle gesetzt werden, sodass Phase eins noch in diesem Frühjahr abgeschlossen sei. In Phase zwei sollen die Flügel und die Galerie restauriert werden. Die Finanzierung dafür ist laut Aileen Hansing noch nicht gesichert, man hoffe auf Spenden und Fördermittel.

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