„Die Jahreszeiten spielen im Grunde keine Rolle“

Obdachlos in der Hitze: Wetterextreme sind für Bedürftige nicht immer problematisch

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Heute lebt der Berliner übergangsweise in einer Unterkunft in Freistatt. Er würde aber auch in Zukunft gerne in der Region bleiben. 

Bei über 30 Grad und gleißender Sonne gibt es oft nur eine Möglichkeit, ohne zu schwitzen über den Tag zu kommen: gar nicht erst das Haus verlassen. Die eigenen vier Wände als letzte Rückzugsmöglichkeit gibt es jedoch nicht für alle.

Landkreis - Obdachlose sind Hitze wie auch Kälte oft schutzlos ausgeliefert. Ein Problem? Nicht unbedingt. „Die Jahreszeiten spielen im Grunde keine Rolle“, sagt einer, der es wissen muss. Seit 1993 lebt der Mann auf der Straße, der in diesem Bericht unerkannt bleiben möchte. Vier Monate lang wohnt er nun schon in einer stationären Einrichtung in Freistatt. 

Von Berlin nach Freistatt

Bei vielen sei erst der Job weg und dann die Wohnung, berichtet der gebürtige Berliner. Bei ihm sei es genau andersrum gewesen. Als ihm sein Vermieter in Ostberlin nach der Wende die Wohnung kündigte, verlor er kurz darauf seinen Job. Seitdem lebt er auf der Straße. 

Sein Weg führte ihn von Berlin nach Bayern und von da aus über Goslar nach Freistatt bei Sulingen. Dort lebt er heute in einer kleinen Wohnung der Diakonie Freistatt.

Über Wetterextreme auf der Straße kann er viel berichten. Das was die meisten im Kopf hätten, sei jedoch Klischee-Denken, gibt auch René Jaworski zu Bedenken, der bei der Diakonie Freistatt arbeitet und täglich mit Obdachlosen zu tun hat. Bei Hitze mache man auch nichts anders als andere, pflichtet der 54-jährige Obdachlose dem Mitarbeiter bei. Man suche sich einen Schattenplatz und in vielen Ämtern könne man sich Wasser auf der Toilette abfüllen. Nur im Zelt werde es oft sehr warm. 

„Regen ist immer tödlich“

Richtig Probleme gebe es nur im Zusammenhang mit Alkohol – das könne er auch aus eigener Erfahrung berichten, so der Berliner. Neben Schwierigkeiten wie der Essensbeschaffung und der Mobilität gebe es vor allem eine problematische Witterung. „Regen ist immer tödlich“, so der 54-jährige ausgebildete Landwirt und Lackierer lachend. Obdachlose können nämlich nicht so leicht ihre Klamotten trocknen wie andere.

Generell sei das Wetter aber kein Problem. Gerade in Niedersachsen gebe es sehr viele gute Angebote für Obdachlose. Heute hat der 54-Jährige nicht nur eine eigene kleine Küche, er kann auch seine Wäsche waschen.

Osnabrück: keine Tagessätze für Obdachlosen

So problemlos sehen das Wetter aber nicht alle. Eine Mitarbeiterin vom Tagestreff Die Arche in Diepholz berichtet von einem Obdachlosen, der es kürzlich bei über 35 Grad mit seinem vollbeladenen Fahrradanhänger in den Osnabrücker Bergen nicht zur Auszahlungsstelle für seine Tagessätze geschafft hat. Am Ende des Tages konnte der Mann keine Krankenversicherungsbeiträge bezahlen. In diesem Fall treffen zwei Probleme aufeinander: Hitze und schlechte Mobilität.

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