Landrat will intervenieren

Pflegekräfte der Klinik Sulingen gehen bei Corona-Prämie leer aus

Eine Pflegerin zieht sich einen Einmalhandschuh über.
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Die Sulinger Pflegekräfte schauen in die Röhre – zumindest beim Coronabonus.

Die Sonderzahlung für Pflegekräfte in der Corona-Krise sorgt für Frust im Landkreis Diepholz. Denn nur Beschäftigte an den Kliniken in Bassum und Diepholz erhalten Geld aus diesem Topf. Mitarbeiter der Klinik in Sulingen gehen leer aus.

  • Für Pflegekräfte des Krankenhauses Sulingen gibt es bislang keine Corona-Prämie.
  • Die Zahl der Corona-Patienten ist in Sulingen offenbar zu gering.
  • Der Landkreis Diepholz will in dieser Sache intervenieren.

Landkreis Diepholz – „Das ist nicht zu verstehen“, ist Landrat Cord Bockhop entsetzt. „Das ist demotivierend.“ Seine Botschaft an die Pflegekräfte, die keine Sonderprämie erhalten: „Ich werde alles dafür tun, dass diejenigen, die in Berlin etwas vollmundig versprochen haben, auch zu ihrem Wort stehen.“

Harald Schardelmann ist als Vorsitzender des Konzern-Betriebsrats im Klinikverbund Landkreis Diepholz, sprich als Vertreter der Mitarbeiter aller drei Kliniken und der Beschäftigungsgesellschaft Levare, genauso enttäuscht: „Wir haben den Gesetzesentwurf immer kritisiert.“

Einvernehmen zwischen Geschäftsführung und Konzern-Betriebsrat fehlt

Bei der Auszahlung der Sonderprämie muss Einvernehmen zwischen Geschäftsführung und Konzern-Betriebsrat hergestellt werden, das fordert der Gesetzgeber ausdrücklich. Zuständig für diese Sonderprämie ist das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus, kurz Inek – eine Gesellschaft mit rund 50 Mitarbeitern in Siegburg. Sie handeln nach den Vorgaben des Krankenhausfinanzierungsgesetzes.

Anspruch auf eine Sonderleistung haben demnach Krankenhäuser, die im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Mai „durch die voll- oder teilstationäre Behandlung von mit dem Coronavirus infizierten Patientinnen und Patienten besonders belastet waren“, erläutert das Inek. In Sulingen reichten die Zahlen offensichtlich nicht aus. „Es muss knapp gewesen sein“, vermutet Uwe Lorenz als Geschäftsführer des Klinikverbunds. Das Inek weist der Klinik Bassum 119.795,99 Euro zu und der Klinik Diepholz 62.889,79 Euro.

„Eine pauschale Prämie wäre wesentlich besser gewesen“, so Harald Schardelmann, der gerne alle drei Kliniken bedacht gesehen hätte. „Weil im Prinzip jeder diesen Druck und den Stress gehabt hat“, unterstreicht er mit Blick auf die coronabedingte Ausnahme-Situation im Alltag aller drei Kliniken. Und: „Es ist ja noch nicht vorbei!“

Levare-Mitarbeiter sollen Corona-Sonderzahlung auch erhalten

Besonders am Herzen liegt dem Konzern-Betriebsratsvorsitzenden, dass auch die Mitarbeiter der Beschäftigungsgesellschaft Levare bei der Sonderzahlung berücksichtigt werden. Über diese Gesellschaft sind die Reinigungskräfte und die Mitarbeiter der Essensausgabe beschäftigt. Auch sie hätten zwangsläufig Kontakt zu Corona-Patienten.

Grundsätzlich gilt: Wer in der Betreuung besonders belastet war und wer konkret wie viel Anspruch auf wie viel Geld hat, muss genau geprüft werden. Die Verwaltung im Klinikverbund arbeiten mit Hochdruck daran. Schließlich hat der Verbund insgesamt rund 1100 Mitarbeiter – davon etwa 500 in Bassum und jeweils 300 in Sulingen und Diepholz.

„Wir wollen das Geld bis Ende Dezember auszahlen“, so Uwe Lorenz. Für die Berechnung hat der Gesetzgeber strikte Kriterien erlassen. Dass genau die exakt eingehalten worden sind, soll nach der Auszahlung eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft kontrollieren. „Wenn wir Geld falsch ausgezahlt haben, müssen wir es zurückzahlen“, so der Geschäftsführer.

Klinik-Ausgleichszahlungen sorgen ebenfalls für Enttäuschung

Harald Schardelmann hofft, „dass die Enttäuschung bei dem einen oder anderen nicht zu groß ist“. Er kritisiert das, was den drei Kliniken schon bei den Ausgleichszahlungen zum Verhängnis geworden war: „Wir werden immer noch als drei Krankenhäuser gesehen.“

Wie steht der Konzern-Betriebsratsvorsitzende zur Zentralklinik? „Davon werden die Patienten profitieren. Das ist unbestreitbar“, antwortet Schardelmann. Eine Zentralklinik hätte nicht nur einen Anspruch auf besagte Ausgleichszahlung, wie Landrat Cord Bockhop und Klinikverbund-Geschäftsführer Uwe Lorenz schon betont hatten. „Die Verknüpfung der Fachabteilungen ist das große Plus“, beschreibt Harald Schardelmann einen weiteren wichtigen Vorteil. Denn lange Wege, wie sie jetzt durch die dezentralen Standorte gegeben sind, entfallen. „Gerade bei Patienten mit Mehrfacherkrankungen können die Fachabteilungen in einem Haus viel besser zusammenarbeiten“, betont der Vorsitzende des Konzern-Betriebsrats.

Bis zur Eröffnung der Zentralklinik in geplant sieben Jahren will der Konzern-Betriebsrat ein Verkehrskonzept unter Einbeziehung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) erarbeiten, „damit die Mitarbeiter im Klinikverbund einigermaßen vernünftig ihren Arbeitsplatz erreichen können“.

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