100 Jahre Frauenwahlrecht: Harms zeichnet steinigen Weg zu Gleichstellung

Noch weit entfernt von 50 zu 50

Rosen überreichte Referentin Heike Harms den Damen – der Slogan „Brot und Rosen“ prägt seit 100 Jahren die internationale Gewerkschafts- und Frauenbewegung. Foto: Kurth-Schumacher

Sulingen – Der Slogan „Brot und Rosen“ prägt seit 100 Jahren die internationale Gewerkschafts- und Frauenbewegung. Die Besucherinnen der Vortragsveranstaltung zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“, zu der Anke Harzmeier, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Sulingen und Wiebke Wall, Frauensprecherin des SoVD-Kreisverbandes, in die Alte Bürgermeisterei eingeladen hatten, erhielten am Donnerstag beides: einen Imbiss zum Auftakt und aus den Händen von Referentin Heike Harms zum Abschied eine Rose.

Anhand von Biografien „starker Frauen“ zeichnete Heike Harms, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Twistringen, den steinigen Weg zur Gleichberechtigung, die heute immerhin auf dem Papier steht. Wegbereiterin war etwa Olympe des Gouges: Sie bezahlte ihren Einsatz für Frauenrechte 1793 mit dem Leben. Oder Louise Otto-Peters, die die Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts prägte, indem sie von den Männern „im Namen der Moralität, des Vaterlandes und der Humanität“ vehement die politische und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen einforderte. Weitere große Namen sind Anita Augspurg, Clara Zetkin, Maria Juchacz, Marianne Weber und Dr. Elisabeth Selbert – letztgenannte war eine der „Mütter“ des Grundgesetzes.

Am 12. November 1918 wurde das aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen ab dem 20. Lebensjahr in der Weimarer Verfassung gesetzlich verankert. Deutschland nahm in dieser Beziehung, ebenso wie Österreich, eine Vorreiterrolle in Europa ein.

Wie sieht es heute aus? Heike Harms: „Im Bundestag sind Frauen mit einem Anteil von 31 Prozent vertreten. Im internationalen Staatenvergleich belegt Deutschland aktuell Platz 45 von 190: Ruanda bringt es auf eine Frauenquote von 61,3 Prozent, Kuba und Bolivien auf über 50 Prozent.“ Im Niedersächsischen Landtag liegt der Anteil der Frauen bei 28 Prozent, in den Stadträten Twistringen und Sulingen sind es 22 beziehungsweise 18 Prozent.

Die Themen der Frauen hätten sich in den vergangenen 100 Jahren nur wenig verändert, stellte Heike Harms fest: Der Ruf nach gerechter Bezahlung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder aber auch der Widerstand gegen sexuelle Belästigung oder häusliche Gewalt seien heute noch aktuell. Ob in der Politik oder in der Wirtschaft: Nach wie vor sind Frauen in den Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert.

Ein Lichtblick sei die Initiative von Frauen im Landesparlament, die sich parteiübergreifend für eine Wahlrechtsreform stark machen: Über ein Parité-Gesetz könne erreicht werden, dass Frauen und Männer abwechselnd und in gleicher Anzahl auf den Kandidatenlisten geführt werden – in Frankreich seit 16 Jahren ein Erfolgsmodell.

„Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte“, zitierte Heike Harms ihre Rostocker Amtskollegin Cathleen Kiefert-Demuth. Das setze aber auch voraus, dass Frauen ihr Wahlrecht wahrnehmen. Nur dann könne man der männlich dominierten Gesellschaft glaubwürdig vermitteln, dass man „die Hälfte des Himmels und der Parlamentssitze“ beanspruche.  mks

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