Jahresbilanz SSH Sulinger Land

Winkelmann: Sucht darf kein Tabuthema bleiben

Ein positives Fazit der ersten zwölf Monate der Suchtselbsthilfe zieht Vorsitzender Stefan Winkelmann. Foto: Bartels
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Ein positives Fazit der ersten zwölf Monate der Suchtselbsthilfe zieht Vorsitzender Stefan Winkelmann.

Seit einem Jahr besteht die Suchtselbsthilfe Sulinger Land. Die erste Jahresbilanz von Vorsitzendem Stefan Winkelmann fällt positiv aus.

Sulingen – Seit einem Jahr besteht die Suchtselbsthilfe Sulinger Land und Freunde (SSH): Anfang 2019 hatten sich die Gruppen Sulingen und Freistatt aus dem Verband der Suchtselbsthilfe unter dem Dach des Blauen Kreuzes in der Evangelischen Kirche (BKE) herausgelöst. SSH-Vorsitzender Stefan Winkelmann zieht eine positive Bilanz: „Es hat sich herausgestellt, dass es die richtige Entscheidung war.“

Der Umstieg sei anfangs schwierig gewesen: Manche Gruppenmitglieder seien den Weg nicht mitgegangen, so Winkelmann, und auch bei den anderen Suchtselbsthilfegruppen im Landkreis habe es anfangs Skepsis gegeben. „Als Handwerker sage ich aber: Man muss das Haus erst entkernen, bevor es saniert werden kann. Und wir haben es gründlich entkernt und saniert.“

77 Gruppenabende mit 937 Teilnehmern

Trotzdem habe man im ersten Jahr viel erreicht: Seit Mai sei die SSH als gemeinnützig in der Gesundheitspflege anerkannt. Dem Vorstand gehören neben Winkelmann Elly Plenge als zweite Vorsitzende, Anke Kandetzki als Kassenwartin und Kathleen Bremer als Schriftführerin an. Schwerpunkt der Arbeit waren die Gruppenabende für problemorientierte Gespräche, die laut Winkelmann zum Teil sehr emotional verlaufen. 77 solcher Abende habe es 2019 gegeben mit insgesamt 937 Teilnehmern; dabei konnte am 6. November auch eine dritte Gruppe ihre Arbeit aufnehmen – die SSH ist nun neben Sulingen und Freistatt auch in Twistringen vertreten. „Ich bin seit 2012 in der Suchtselbsthilfe tätig“, sagt Winkelmann, „aber solch eine Resonanz habe ich noch nicht erlebt.“

Zweiter Schwerpunkt der Arbeit war es, in der Öffentlichkeit Präsenz zeigen. Dazu zählten neben den Vorstellungen der Gruppe in den Kliniken Bassum und Diepholz und einer komplett neu gestalteten Internetseite unter der Adresse www.suchthelfen.de vor allem Infostände, ob bei der Messe „InForma 2019“ in Sulingen, beim Kirchdorfer Herbstmarkt, bei den erstmals besuchten Herbstmärkten in Rehden und Uchte, beim Mühlentag in Labbus, dem Sommerfest des Familiengesundheitszentrums in Sulingen oder den Weihnachtsmärkten in Barenburg, Asendorf und Twistringen.

Seit November auch Gruppe in Twistringen

Vor allem bei den Gewerbeschauen sei man aktiv auf die Besucher zugegangen mit alkoholfreien Cocktails, einem Ratespiel, bei dem die Teilnehmer entdeckten, in wie vielen Lebensmittel Alkohol enthalten ist und einem Alkomaten zum Messen des Promillewertes. Die größte Überraschung habe es dabei in Kirchdorf gegeben, berichtet Winkelmann: „Da hatte jemand 3,07 Promille, aber der stand wie ein Baum vor uns...“

Zusätzlich gab es in Barenburg auch verschiedene interne Veranstaltungen, wie ein Osterfeuer und eine Silvesterparty, an denen aber auch Gäste aus anderen Gruppen teilnahmen.

Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm „Lions-Quest“

Dankbar sei man vielen Privatpersonen für ihre Spenden und der Firma Fischer System aus Sulingen, die den Internetauftritt von SSH pflegt, betont Winkelmann. „Genauso wichtig wie die Sponsoren sind aber unsere Gruppenmitglieder, deren super Zusammenhalt und ihre Stärke. Es funktioniert nur, wenn man eine so tolle Gruppe hat.“

Mit der Öffentlichkeitsarbeit soll es im neuen Jahr verstärkt weitergehen: Bereits geplant sind erneut die Teilnahme an Festen und Gewerbeschauen sowie die Infostände in Sulingen auf dem Neuen Markt im Sommer. Angeregt durch den Aufbau der Gruppe in Twistringen nimmt die SSH Ende Januar teil am Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm „Lions-Quest“ und leistet in den achten Klassen des Twistringer Gymnasiums Präventionsarbeit. Der „Alkoholfreie Tanz in den Mai“ wird in diesem Jahr erstmals im Landhotel „Baumann’s Hof“ in Kirchdorf gefeiert, und voraussichtlich im Frühjahr wird in Kooperation mit Bethel im Norden in Sulingen eine zweite Gruppe eröffnet.

Öffentlichkeitsarbeit bleibt Schwerpunktaufgabe

„Wir müssen noch mehr in die Öffentlichkeit treten“, ist sich Stefan Winkelmann sicher, „damit die Sucht kein Tabuthema mehr ist – laut Statistik lebt in Deutschland in jedem vierten Haushalt ein suchtkranker Mensch.“

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