Ausstellung über Gaststätten und Schankwirtschaften im Sulinger Land

Nicht jeder hatte Bier Zuhause

Eine Kurzfassung des Films läuft in Dauerschleife.

Sulingen - Von Sylvia Wendt. „Die Zahl der Gaststätten und Schankwirtschaften in unseren Dörfern mag manchen verwundern. Es war früher nicht üblich, dass jede Familie eine Kiste Bier zu Hause hatte“, erklären die Mitglieder der Geschichtswerkstatt die Vielzahl an Gasthäusern, die sie für die am Freitag eröffnete Ausstellung (wieder-)eröffnen.

Unter dem Thema „Halte Rast, sei unser Gast“ ist, wie berichtet, ein Buch des Kreismuseums Syke, des Kreisheimatbundes und der Heimatvereine im Landkreis erschienen. 300 Gasthäuser sind mit Fotos und Berichten vertreten, weitere 300 zusätzlich gelistet, die Datenbank von Historiker Ralf Weber wächst.

Walter Mattfeld, Regionaldirektor der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz und Gastwirtssohn, eröffnete am Freitag mit einem Blick zurück die Ausstellung im Foyer der Bank. 40 Tafeln zeigen die Gasthaus-Vielfalt, die es einst im Sulinger Land gab. Die Ausstellung werde ein Erfolg, ist sich Mattfeld sicher. „Es ist wichtig, sich zu erinnern.“

Das tat Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb gerne und stellte fest: „Es macht Spaß, sich das anzugucken.“ Die Ausstellung zeigt geschlossene Häuser ebenso wie jene, die noch Gäste bewirten. Mattfeld und Rauschkolb erinnerten beide an die einstige gesellschaftliche Aufgabe von Gastwirtschaften. Rauschkolb zeigte auf, dass eine Tradition, das gemeinschaftliche Fernsehgucken, heute wieder „in“ sei – das „Rudelgucken“. Historiker Ralf Weber dankte den vielen Heimatpflegern, ohne die eine solche Arbeit gar nicht zustande kommen könne. Allerdings: Nur wenn sich jemand vor Ort kümmere, werde die Geschichte erzählt.

Wolfgang Wortmann hat aus dem 45-minütigen Begleitfilm eine achtminütige Kurzfassung geschnitten, samt Interviews mit Zeitzeugen. Diese können Besucher der Ausstellung vor Ort schauen.

Buch (29,80 Euro) und DVD (15 Euro) sind in der Sparkasse in Sulingen erhältlich. Die Ausstellung ist ab Montag für vier Wochen während der Öffnungszeiten der Sparkasse zu sehen. Wortmann und Weber suchen übrigens Zeitzeugen, die sie für das neue Thema, Landwirtschaft, für ein Interview vor der Kamera bewegen können.

Der Geschichtswerkstatt Lindern als treibende Kraft hinter der Ausstellung in Sulingen, dankte Linderns Ortsbürgermeister Erich Schlamann. Irma Gerdes dankte allen, die Fotos aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt haben.

Die vier Gasthäuser, die einst im Bereich der heutigen Ortschaft Lindern geöffnet hatten, haben zwischenzeitlich allesamt ihre Pforten geschlossen. „Berichtet wird etwa von einem Gasthaus / Restaurant Leymann in Feldhausen 1897 anlässlich einer Gemeindeversammlung, ferner noch in einem Protokoll von 1901 über eine Jagdneuverpachtung“, haben die Heimatpfleger aus Lindern recherchiert. Zwischendurch sei das Gasthaus an F. Stöver aus Sulingen verpachtet gewesen. 1920 habe Dora Leymann, nachdem ihr Mann verunglückt war, den Betrieb aufgegeben und das Schankrecht an Ferdinand Meyer aus Lindern verkauft.

Nach dem Kauf des Schankrechtes bot das Gasthaus Meyer viele Jahrzehnte Einkehrmöglichkeiten für Spaziergänger und Radfahrer ins und aus dem Sulinger Moor. Im Jahr 1950 übernahmen Sohn Wilhelm und seine Frau Mariechen den Betrieb. „Viele Versammlungen und Feiern, etwa die der Schützen und der Feuerwehr, Erntefeste und Holschenbälle fanden hier statt. Ein Tanzlehrer hielt regelmäßig Tanzstunden ab. Für die Jäger bot der Gasthof sehr gern Einkehrmöglichkeiten, auch das sogenannte Schüsseltreiben fand hier statt. Nach dem Tod des Ehepaares Meyer wurde die Gastwirtschaft 1987 geschlossen“, heißt es in der Chronik. Und kann sich noch jemand an „Fliegen-Hermann“ erinnern? Auch auf seine „Bürgerstuben“ in Sulingen wird verwiesen.

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