Sulingen Projekt verfilmt Ketzerverbrennung

Nicht grinsen am Scheiterhaufen

Der Scheiterhaufen für die vier Luther-Anhänger Meyer, Harms, Heineken und Steinweg (im Hintergrund) wird entzündet.
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Der Scheiterhaufen für die vier Luther-Anhänger Meyer, Harms, Heineken und Steinweg (im Hintergrund) wird entzündet.

Sulingen – Sieben Komparsen fanden sich am Samstagabend auf dem Grundstück von Familie Freye am Ende der (Sulinger) Welt in Feldhausen ein. „Wir werden später entscheiden, wer der Henker ist und wer von euch auf dem Scheiterhaufen landet“, sagte Kerstin Melloh-Kordes schmunzelnd.

Sie hatte die Begrüßung zum 18. Dreh des Sulingen-Projekts übernommen. Und das Briefing: Im Flecken Sulingen setzten sich zehn Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg allmählich reformatorische Ideen durch. Ganz reibungslos ging das nicht vonstatten. Der Kampf um Glaubensfragen wurde auf der Straße ausgetragen. 1527 ließ Archidiakon Dr. Daniel Berner die vier Luther-Anhänger Meyer, Harms, Heineken und Steinweg auf einem Scheiterhaufen auf der damals außerhalb der Stadt gelegenen Gosewehr als Ketzer verbrennen.

„Thema Ketzerverbrennung“ im Sulingen Projekt: Hier die Szene mit dem Gang zum Scheiterhaufen.

Nach der kurzen Einweisung waren die Rollen schnell verteilt. Die elfköpfige Crew war wie gewohnt bestens vorbereitet: Für jeden Darsteller fand sich im Handumdrehen das passende Outfit. Ein Geistlicher, zwei Henker und vier Ketzer schlüpften in ihre Gewänder. Und in ihre Rollen. Die Maske tat ihr Übriges. Mit Spülung in den Haaren („Riecht gut, sieht zottelig aus“) und Asche im Gesicht waren letztere kaum wiederzuerkennen. Wieder einmal bewahrheitete sich: „Kleider machen Leute“. Nach einigen Stellproben hatten die vier Delinquenten ihren Part verinnerlicht. „Schleppender Gang, demütiger Blick, nicht in die Kamera schauen und vor allem nicht grinsen – das geht gar nicht“, lautete die Regieanweisung an die Komparsen. Angesichts zahlreicher Schaulustiger, die sich über die wundersame Verwandlung der Darsteller köstlich amüsierten, keine leichte Aufgabe.

Schminken: Darsteller in der „Maske“.

Die Henker entzündeten schließlich das Feuer des Scheiterhaufens, der in sicherer Entfernung der vier schreienden und sich vor Schmerzen windenden „Ketzer“ in Flammen aufging. Letzte Einstellung der „Ketzer-Szene“, die laut Filmemoker Martin Hermann 40 bis 50 Sekunden im Film einnehmen wird: Der katholische Geistliche sagt mit grimmigem Gesichtsausdruck: „Upe Gösewer sin de dübels int füeur staken.“

In den letzten fünfeinhalb Jahren haben die Sulingen-Projektler – Martin Hermann, Frank Wenker, Kerstin Melloh-Kordes, Werner Focke, Christine Nordenholz und ein Heer an Unterstützern – ehrenamtlich einen großen Teil ihrer Freizeit für die Produktion einer professionellen Filmdokumentation über 1000 Jahre Sulinger Stadtgeschichte investiert. Ihre Begeisterung ist ungebrochen. Die Vorbereitungen seien immens, vor allem aber die eigentlichen Drehtage „supergeil“, betont Frank Wenker.

Ein Blick in die „Garderobe“.

Zwei große Drehs stehen noch aus. Am 2. Oktober ist der Museumshof in Rahden Schauplatz der Sulinger Franzosenzeit. „Wir werden unterstützt von Reenactmentgruppen aus Leipzig, Hamburg, Dänemark“, erklärt Werner Focke. Zwei Wochen später wird auf dem Bronzezeithof in Uelsen bei Meppen gedreht. Mit dabei sind mittelalterliche Vereine aus Oldenburg, Münster und den Niederlanden. An beiden Terminen stehen jeweils zwischen 40 und 50 Darsteller vor der Kamera.

Geistlicher und Henker.

„Wenn wir das hinter uns haben, sind alle großen Szenen im Kasten“, sagt Focke. Das Sulingen Projekts nähert sich damit der Zielgeraden. Wenn alles läuft, wie geplant, ist der Film Ende kommenden Jahres auf der Kinoleinwand zu sehen.

Mehr unter www.sulingen-projekt.de

Von Martina Kurth-Schumacher

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