Acht Wohnungen entstehen im alten Kontor des Ritterguts Lüning in Sulingen

Neues Leben in historischen Bauten

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Acht Wohnungen entstehen derzeit im Obergeschoss des alten Rittergut-Kontors (Bild links). Die Destillieranlage, mit der Michael Mebus derzeit arbeitet (Bild oben rechts) soll bis Ende des Jahres um ein größeres Modell ergänzt werden. Ein Seminarraum für bis zu 25 Personen (Bild rechts unten) wird eingerichtet. Fotos: Bartels

Sulingen – „Die größte innerstädtische Baustelle unter Denkmalschutzrichtlinien im ganzen Landkreis“ – so fasst Michael Mebus, technischer Leiter der Ritterguts-Manufaktur in Sulingen, die Arbeiten zusammen, die derzeit auf dem Rittergut Lüning an der Langen Straße erfolgen. Das Ziel ist die Sanierung des kompletten Anwesens.

Im Mittelpunkt des Projektes steht aktuell das Kontor des Guts. War es im vergangenen Jahr noch Schauplatz von Dreharbeiten für das „Sulingen-Projekt“, erhält das historische Gebäude nun neue Aufgaben: Im Erdgeschoss bleiben Archiv und Kontor, im Obergeschoss entstehen acht Wohnungen mit einer Größe von 35 bis 80 Quadratmetern, kündigt Mebus an. Das Dach soll in Kürze fertig sein, anschließend werden die Fenster eingesetzt; Anfang des kommenden Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Gearbeitet wird auch im Anbau, der den nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Kuhstall ersetzte und seit gut zwei Jahren die Ritterguts-Manufaktur beherbergt; mit dem Wein- und Spirituosenhandel im Erdgeschoss und dem darüberliegenden Eventraum. Während das Fachgeschäft wieder geöffnet ist, bleibt der für Veranstaltungen gedachte Raum wegen der Corona-Maßnahmen weiter geschlossen – damit können die Bauarbeiten im hinteren Bereich des Gebäudes fortgesetzt werden: An den Eventraum anschließen soll sich ein modern ausgestatteter Seminarraum, der laut Mebus bis zum Ende des Sommers fertig werden und Platz für Zusammenkünfte von bis zu 25 Teilnehmern bieten soll. Darüber, im zweiten Obergeschoss, wird ein Raum saniert, dessen spätere Funktion derzeit noch nicht festgelegt ist.

Anschließend an den Laden, hin zur Langen Straße, ist die historische Brennerei untergebracht, die bis vor rund 20 Jahren in Betrieb war. Zeitweise sei das die modernste Brennerei Deutschlands gewesen, die in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Hannover immer wieder optimiert und modernisiert worden sei, weiß Michael Mebus. Sie bleibt jedoch ein Stück Technikgeschichte; im Nebenraum schaffen die Bauarbeiter derzeit Platz für ein modernes Brennerei-System, das bis Ende des Jahres in Betrieb genommen werden soll. Den alten Dampfkessel werde man nicht wieder betreiben, erläutert Mebus. Der alte Schornstein bleibe zwar erhalten, aber die neue Anlage werde mit Gas betrieben. Zusätzlich soll hier eine Galerie mit „Kräuter-Bibliothek“ untergebracht werden, die zeigt, aus welchen Zutaten die Produkte der Brennerei entstehen.

Als weiterer Punkt auf der Sanierungsliste stehen die alten Stallungen. Sie beherbergen momentan die Unterkünfte und die Werkstatt der Bauarbeiter. Finanziert werde die Sanierung vollständig aus privater Hand, durch Mittel der Rittergutsstiftung, betont Mebus.

Die Bauarbeiten sind jedoch nicht die einzige Veränderung: Die Brennerei soll grundlegend umstrukturiert werden – und dafür ist Michael Mebus seit Februar verantwortlich. Er ist nicht nur technischer Leiter der Manufaktur, sondern auch Destillateurmeister – einer von nur knapp 60 aktiven Meistern in Deutschland, Österreich und der Schweiz und mutmaßlich der einzige angestellte Meister, schätzt Mebus.

Der Kontakt zu Torben Lüning, dem Geschäftsführer der Manufaktur, bestehe schon lange: Vor Jahren habe er in einem Hamburger Fachhandel gearbeitet, und Lüning sei einer der ersten Kunden gewesen, die er betreut hat – und eines der Produkte, die er vor zehn Jahren mit ihm für die Manufaktur entwickelt hat, finde sich immer noch im Sortiment.

„Wir wollen den Manufakturgedanken wieder verstärken“, beschreibt der im Schaumburger Land lebende Destillateurmeister das Ziel. Der Magenbitter, der immer noch nach demselben Rezept hergestellt werde wie zur Gründung der Brennerei im Jahr 1779, sei ein komplettes Eigenprodukt, aber auch bei den übrigen Erzeugnissen „wollen wir mehr handwerklich selbst machen.“ So würden nur wenige Aromen – und wenn, dann nur natürliche – und keine künstlichen Farbstoffe, sondern ausschließlich färbende Lebensmittel verwendet. Der Lüningsche Korn solle wieder so gebrannt werden, dass am Geschmack die jeweilige Getreidesorte zu erkennen ist – „das ist für mich der Anspruch an eine Manufaktur.“

Neue Produkte sind in Vorbereitung

Die Produktlinien des Unternehmens seien bereits modernisiert worden. Die Klassiker Magenbitter, Korn und Dampfloköl behielten ihr Erscheinungsbild, aber für die übrigen Produkte gebe es ein verändertes Design der Flaschen. Zusätzlich seien drei Produkte, die bisher nur aus dem Ballon abgefüllt wurden, jetzt auch in der Flasche erhältlich. Auch neue Spirituosen hat Michael Mebus bereits entwickelt: Neben einem Dry Gin gibt es nun einen sommerlichen Limette-Basilikum-Likör sowie einen Gin namens „Magic Knights“, der seine blaue Farbe Kräuterextrakten verdankt. In Vorbereitung seien zudem ein eigener Wodka, verschiedene Grappas sowie ein eigener Sulinger Rum-Blend aus unterschiedlichen karibischen Sorten. Für den Sommer bereite er drei fruchtige, cocktailartige Getränke auf Rumbasis vor.

Diese und andere Kreationen lasse er gerne bereits die Kunden in der Manufaktur probieren. „Nase und Zunge sind meine wichtigsten Werkzeuge, um die Kontinuität im Geschmack zu garantieren.“

Eine Besonderheit hat sich Mebus überlegt für das 250-jährige Bestehen der Brennerei, das in neun Jahren gefeiert werden soll: Vom ersten Gerstenbrand, der in der neuen Brennereianlage produziert wird, will er einen Teil in ein Fass abfüllen, das zum Jubiläum 2029 geöffnet wird.

Ab sofort ist die Weinterrasse des Ritterguts bei gutem Wetter tageweise geöffnet: Freitags von 12 bis 17 Uhr sind hier Flammkuchen zu bekommen, von 18 bis 20 Uhr wird gegrillt, samstags gibt es den Flammkuchen von 11 bis 14 Uhr.

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