Neues vom „Homo debilis“

Dietmar Wischmeyer startet Tournee im Sulinger Stadttheater

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Dietmar Wischmeyer startete am Mittwoch in Sulingen seine Tournee.

Sulingen - „Eine einmalige Show“, urteilten die einen. „Muss ich nicht wieder haben“ sagten die anderen: An Dietmar Wischmeyer scheiden sich die Geister. Am Mittwoch waren die Kritiker eine verschwindend kleine Minderheit: Die Fans gaben tiefgrünes Licht für das Programm „Vorspeise zum Jüngsten Gericht“, mit dem Wischmeyer, Meister des tabulosen Sarkasmus mit Hang zum Fäkalhumor, Premiere feierte, im Sulinger Stadttheater.

Guter Geschmack ist nicht klar definiert. Dietmar Wischmeyer, „Frühstyxradio“-Macher, Satiriker und Autor, bewegt sich im Grenzgebiet – wortgewaltig und sprachgewandt hält er der Welt den Spiegel vor, schwadroniert über die zehn Gebote der Landkultur, über „fun living“-Wohnmobile und Campingromantik mit rektalen Weckrufen der Schöpfungsmitbewerber („Urlaub 4.0“). Oder über Passivenergiehäuser aus Ziegenscheiße auf 400 Quadratmeter Parzelle mit Knüppelkiefer, Auslauffläche für den Mähroboter und smarter Wohnzelle.

Neben dem „Kleinen Tierfreund“, dem „Treckerfahrer“ oder Nazirentner „Willi Deutschmann“ – Highlights für eingefleischte Frühstyxradio-Fans – lässt er Menschen zu Wort kommen, die sich über die Veränderung ihrer Lebenswelt beklagen: Schlachthofbesitzer Horst Fritzenskötter, der seine Bagaluten-Brigade am liebsten zurück in die Karpaten schicken würde, oder Therapeutin Sybille Bram, die sich mangels Patienten auf Date-Assistenz und Paartherapie für Singles verlegt hat. „Gott hat Burnout. Die Frohe Botschaft ist nicht mehr attraktiv“, zitiert er die Pastorin einer Vorstadtgemeinde: Zombie-Filme, die den Besuchern das Leiden Christi näher bringen sollen, motivieren ebenso wenig wie Treuepunkte für Gottesdienstbesuche oder ein Getränkestand für Männer, die vor der Kirche auf ihre Frauen warten.

Die Intelligenz auf dem Planeten nimmt zu

500 Jahre nach der Reformation fordert Wischmeyer eine marktfähige Fünf-Minuten-Version der Bibel für die „Generation Smartphone“ ein: „Die Story ist dünn und geht schlecht aus für den Hauptdarsteller. Man sollte sie dringend überarbeiten.“

Wischmeyer verkündete eine gute und eine schlechte Nachricht: Die Intelligenz auf dem Planeten nimmt zu – bei Autos, Garagentoren, Steckdosen und Unterhosen. Da sich an der Gesamtheit des Wissens nichts ändere, bleibe für den Menschen nicht mehr viel übrig: „Homo debilis“, unkte Wischmeyer. Wie gut, dass sich eine Quote für Mehrfach-Unbegabte bei der Besetzung von Führungspositionen erübrigt. Sie sind bereits gut vertreten...

Die Frage, ob Maschinen nicht nur schlau, sondern auch böse sein können, blieb ebenso unbeantwortet wie die nach dem Gefühl, wenn einem der Pflegeroboter einen Blasenkatheder durch den Harnleiter schiebt, Erotik eine Smartphone-App ist, Lieferando den Fertigfraß bringt und Sterberando im Herbst den toten Opa abräumt. Ultimativer Tipp für den Umgang mit der „4.0 Scheiße“ sei, „den digitalen Gespenstern mit einem Fünf-Kilo-Hammer die analoge Welt zu zeigen.“

Mit seinem „teuflisch guten Nachruf auf die fetten Jahre“ tourt Wischmeyer derzeit durch die Republik. Die Vorstellung in Sulingen war die erste von über 50 Terminen seiner jetzt gestarteten Tournee. 

mks

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