Projekt soll erweitert werden

Preisgekrönte Neugestaltung des Sule-Laufs: „Das ist eine Erfolgsstory“

Blick über die neue Sule-Aue beim Sulinger Ortsteil Stehlen.
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Blick über die neue Sule-Aue beim Sulinger Ortsteil Stehlen.

Sulingen – Dass die Sule im Sulinger Ortsteil Stehlen Trägerin der „Niedersächsischen Bachperle“ ist, lässt sich ihr von außen nicht ansehen. Dafür findet sich hier die Aufrechte Bachberle, auch Schmalblättriger Merk genannt, und das in großen Mengen. Für Planer Jörg Spicker ein gutes Zeichen: „Es ist sehr schnell zugewachsen, das war so nicht zu erwarten.“

Als Ausgleich für den Bau von vier Windkraftanlagen hatte die Casa Projekt GmbH auf Flächen, die vom örtlichen Landwirt Jürgen Meyer und dem Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband (ULV) Große Aue zur Verfügung gestellt worden waren, für die Sule einen neuen Lauf anlegen lassen. Im vergangenen Jahr gewann das Projekt im Rahmen des niedersächsischen Gewässerwettbewerbs „Bach im Fluss 2020“ die „Bachperle“.

Schon jetzt zeigen sich an vielen Stellen Veränderungen. „Wir hatten vorher ein bisschen Bedenken, weil wir hier reinen Sandboden haben“, erinnert sich Spicker, der in Absprache mit dem Landkreis Diepholz das Konzept erarbeitete. Sandboden sei anfällig bei größeren Wassermengen, außerdem gebe es hier sehr unterschiedliche Strömungsverhältnisse. Daher habe man auf dem Ufer mit Grassoden den Boden fixiert, vor den Prallhängen, den kurvenäußeren Ufern, gebündeltes Strauchwerk eingebracht, um Durchbrüche zum als Altarm dienenden früheren Lauf zu verhindern. Allerdings stieß man bei den Arbeiten auch auf altes Wurzelwerk, das den Boden vor großen Verlagerungen bewahre: „Das war hier früher ein Erlenbruchwald.“

Am Ufer der Sule begutachten Jörg Spicker und Vanessa Held die Entwicklung des Flusslaufs.

Das Profil des neuen Laufs sei vorgeformt worden, mit flachen Ufern für die Bereiche mit langsamer und steilen Ufern für die mit höherer Fließgeschwindigkeit. „In den langsamen Bereichen lagert sich Material wie Sand ab, das aus den schnellen Bereichen vom Wasser mitgenommen wird.“ So entstünden unterschiedlich tiefe Bereiche als Lebensräume für verschiedene Tierarten. Die Abfolge von tieferen und flacheren Zonen habe sich so von selbst herausgebildet.

Ein Detail freut Spicker besonders – das Fehlen des Rippenmusters im Sand, das darauf hindeuten würde, dass sich der Sand dort fortbewegt – schlecht für die Tiere. Köcherfliegenlarven etwa würden dann vom nachfolgenden Sand überdeckt, nur wenige Arten, beispielsweise Eintagsfliegen, kämen damit zurecht.

Die Wasserstern-Bestände im Flusslauf gestalten das Gewässer mit.

An sich sei das Profil mit einer Breite von zwei statt 1,50 Metern überdimensioniert, erläutert Spicker, aber dieses Ausmaß sei gewählt worden, um auf Hochwasserereignisse vorbereitet zu sein. Allerdings greift hier die Natur bereits ein und verengt das Profil wieder durch Pflanzenbewuchs, sei es durch die Bachberle, die besonders die flachen Bereiche besiedelt und so befestigt, oder den Wasserstern, der sich im Flussbett ausbreitet. „Man weiß nie, wie sich so etwas entwickelt“, räumt Jörg Spicker ein. Er sei sehr froh, dass sich hier keine Neophyten, also nicht-heimische Pflanzen, angesiedelt hätten. Ebenfalls besser als erwartet haben sich – mutmaßlich dank der noch vorhandenen Bäume in der Nähe – die Erlen im Areal verbreitet; besonders am südlichen Ende, sodass auf geplante Anpflanzungen verzichtet werden konnte.

Unberechenbar sei auch, wo die Totholzelemente bleiben, Wurzelstubben und Stämme, die im Lauf platziert wurden und noch werden sollen. Das sei so gewünscht, „wir wollen ein dynamisches System, das ist ein natürlicher Prozess.“ Wenn von einem Baum am Ufer ein Ast abbricht, werde der vom Wasser ebenfalls bewegt.

Am südlichen Ende hat sich bereits ein größeres Erlenvorkommen entwickelt.

In Bezug auf die Tierwelt wäre es für Spicker ein Wunschtraum, dass sich hier eine eigenständige Forellenpopulation entwickelt, denn diese Tiere stellen hohe Ansprüche an die Gewässer. „Ansonsten ist schon alles Wichtige da.“ Der aktuelle Anblick sei nur eine Momentaufnahme: „In fünf Jahren werden die Erlen größer sein, und in ihrem Schatten wandelt sich das Bild – jetzt sehen wir hier vor allem lichtbedürftige Pflanzen.“

Der neue Lauf wird weiterhin vom ULV betreut. „Wir beobachten hier aber nur und bringen noch Totholz ein“, erläutert Gewässerkoordinatorin Vanessa Held. Ober- und unterhalb des Bereichs unterhalte man die Sule wie gewohnt. Auch hier blieben Pflanzen stehen, etwa an den Böschungsfüßen: „Wir putzen nicht mehr alles sauber.“

Eine winterliche Aufnahme des Abschnitts per Drohne lässt den Verlauf gut erkennen.

„Das ist eine Erfolgsstory“, wertet Jörg Spicker das Projekt, für dass Jürgen Meyer nicht nur Fläche bereitstellte. Er unterstütze es auch, etwa, indem er die Drainage einer benachbarten Weide so verlegte, dass das Wasser nicht in den neuen Lauf gelangt. Außerdem habe man hier das Glück, mit dem ULV Große Aue einen Unterhaltungsverband zu haben, der das Vorhaben mitträgt und sich damit identifiziert. „Es wäre zu wünschen, dass sich die Verbände generell mehr dafür einsetzen.“

„Ideal wäre, wenn man das Projekt als Trittstein sieht und noch weitere solcher Trittsteine hat – sie sind Hotspots für die Artenvielfalt“, betont Spicker. Es sei wichtig, den Menschen nahezubringen, wie ein naturnahes Gewässer aussieht. Der Bereich biete sich etwa für Exkursionen von Schulklassen an. Es sei auffällig, wie viele Besucher hergekommen seien, schon während der Bauphase: „Das ist ein Hinweis darauf, dass die Menschen gut finden, was wir gemacht haben. Es ist nicht nur gut für die Natur, sondern auch fürs Gemüt.“

Dem stimmt Dr. Dietrich Beverborg zu, Geschäftsführer der Casa Projekt GmbH: „Es ist ein wunderschönes Projekt, auf das man stolz sein kann.“ Er selbst schaue dort regelmäßig vorbei, weil ihn die Entwicklung interessiere. Dabei soll es aber nicht bleiben: „Wir überlegen, eine Erweiterung des Projekts umzusetzen, und es ist auch angedacht, das touristisch zu erschließen.“

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