„Hetzblatt“ verunsichert Menschen

Neuer Flyer gegen die Corona-Impfung im Sulinger Land im Umlauf

Flyer von Impfgegnern, die in Sulingen und Kirchdorf verteilt wurden.
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Flyer von Impfgegnern, die in Sulingen und Kirchdorf verteilt wurden.

Sulinger Land – Günter Enkelmann schüttelt den Kopf: In den Händen hält der Senior ein DIN A5 großes Blatt, Teil eines Flyers, der in den vergangenen Tagen unter anderem in Sulingen und Kirchdorf verteilt wurde und der die gerade angelaufene Impfung gegen Corona in Zweifel zieht.

„Das ist ein Hetzblatt“, schimpft der Sulinger verärgert. Er hat sich nicht nur den Text durchgelesen, sondern sich auch noch das gut 30 Minuten dauernde Video bei Youtube angesehen, das der Flyer empfiehlt. Die Menschen, die wie er selbst schon über 80 Jahre alt sind, würden verunsichert, wenn sie sich das anhören. Sein Urteil ist jedoch eindeutig: „Die Leute werden damit verrückt gemacht, und im Video wird kein einziger Gegenvorschlag gemacht.“

Thomas Gissing, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz, kennt den Flyer zwar, aber sagt auch: „Ganz viel ist in unserem Bereich noch nicht gewesen.“ Grundsätzlich gelte: „Solange kein Schaden entstanden ist oder jemand im Flyer genötigt wird, ist es für uns rechtlich nichts“, grenzt der Beamte den Handlungsspielraum ein, „aber moralisch ist es verwerflich.“ Der Rat der Polizei sei daher: Die Flyer gleich entsorgen und weder ihnen noch ihren Verteilern Beachtung schenken.

Deutlich wird auch Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb in der Angelegenheit: „Die Menschen, die diese Flugblätter verfassen, sind Schwachköpfe“, lässt er sich zitieren. Die Impfstrategie des Landes stehe ja in der Kritik, und auch die Kommunen seien nicht glücklich mit dem Vorgehen des Landes. Daher versuche die Bürgermeisterkonferenz im Landkreis Hilfestellung zu leisten, und es werde gerade über koordinierte Maßnahmen gesprochen. Ansonsten seien sowohl der Landkreis als auch die Stadt Sulingen, insbesondere er als Bürgermeister, Andreas Nordloh als Leiter des Fachbereichs III – Bauen, Planung und Ordnung der Stadtverwaltung und Nicole Kossinna als Leiterin des Teams Ordnungswesen im Fachbereich III, gerne bereit, Fragen zu beantworten. Informationen gebe es auch auf den Internetseiten des Bundes, des Landes und des Robert-Koch-Instituts. „Wir müssen den Strömungen entgegen wirken, die Verwirrung stiften wollen.“

Das will man auch in Kirchdorf: Im Rathaus liegen die im Ort verteilten Flyer mittlerweile vor: Zwei unterschiedliche, in denen auch Mediziner zu Wort kommen, vermeintlich genauere Diagnosen stellen als alle Experten und die Pandemie, das Covid-Virus, die Notwendigkeit einer Impfung und den Impfstoff an sich ganz offiziell beschreiben. „Wer Fragen dazu hat, kann sich an die Mitarbeiter der Verwaltung wenden, wir helfen grundsätzlich weiter“, bietet Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher an. Auch er sehe keine rechtliche Handhabe, ist aber verärgert, dass so die bisher gute Gemeinschaft versucht wird zu zerstören. „Das ist unverantwortlich. Wir wollen alle ein normales Leben wiederhaben. Bisher haben alle gut zusammenegstanden, die Zahlen niedrig zu halten, um alle Gruppen zu schützen. Und es ist wichtig, dass auch weiter alle zusammenhalten.“ Die Flyer indes, in denen sich die Autoren gegen eine Impfung aussprechen und auch die tödliche Gefahr des Virus verleugnen, bezeichnet Kammacher als verwerflich.

Bereits im vergangenen Jahr seien auch in Teilen der Samtgemeinde Schwaförden Flugblätter verteilt worden, sagt Achim Hollmann, Allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters der Samtgemeinde Schwaförden. Auch hier sei unklar, wer die durchaus aufwendig gestalten Flyer verteilt habe.

„Wir haben ja schon einmal so eine seltsame Flyer-Aktion gehabt, aber aktuell ist mir noch kein neuer untergekommen“, sagt Rainer Ahrens, Samtgemeindebürgermeister in Siedenburg. Er könne nur jedem, der Zweifel habe, raten, sich an seinen Hausarzt zu wenden, um über mögliche Unverträglichkeiten zu sprechen. „Aufgrund der Sterblichkeit und der Folgeschäden, die durch die Erkrankung auftreten können, kann ich nur jedem empfehlen, sich impfen zu lassen. Ich werde auf jeden Fall die Impfmöglichkeit wahrnehmen, wenn ich an der Reihe bin, auch wenn das erst im Sommer der Fall sein wird.“

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