Gemeinschaftspraxis der Ärzte Kurzke und Both wirbt per Video für Sulingen

Neue Wege bei der Mitarbeitersuche

Frühzeitig um eine Praxisnachfolge kümmern sich Martin Both (links) und Dr. Klaus-Dieter Kurzke.
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Frühzeitig um eine Praxisnachfolge kümmern sich Martin Both (links) und Dr. Klaus-Dieter Kurzke.
  • Harald Bartels
    vonHarald Bartels
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Sulingen – Wenn Unternehmen neue Mitarbeiter gewinnen wollen, stellen sie in der Regel ihre eigenen Vorzüge in den Vordergrund. Ganz anders die Ärzte Dr. Klaus-Dieter Kurzke und Martin Both: Sie suchen Verstärkung für ihre Gemeinschaftspraxis an der Langen Straße 15 in Sulingen – und das per Video, in dem ihre Praxis gar nicht auftaucht.

In dem kurzen Film, der seit Ende Februar auf der Plattform Youtube zu sehen ist, geht es ausschließlich um Sulingen: Unter dem Prädikat „liebenswerte Stadt“ verweisen die beiden Mediziner auf die Pluspunkte des Mittelzentrums, von günstigen Wohnmöglichkeiten über Kinderbetreuung und das breite schulische Angebot, die Freizeitgestaltung mit Sport und Kultur bis hin zu den Einkaufsmöglichkeiten der Stadt. Weitere Informationen finden Interessenten auf der dazugehörigen Internetseite (www.praxisglueck-in-sulingen.de).

„Die Idee war, junge Kolleginnen und Kollegen auf Sulingen aufmerksam zu machen“, erläutert Kurzke. Jemanden aufs Land zu holen, sei generell schwierig: Oft seien es Paare, die sich dafür entscheiden müssten, aber nur ein Teil des Paares sei Arzt, und der andere müsse dann pendeln. „Deswegen wollten wir darstellen, dass Sulingen familienfreundlich ist.“

Die Resonanz sei allerdings bislang frustrierend, räumt Both ein. Daneben seien aber auch Anzeigen geschaltet, und parallel würden Gespräche geführt. „Die Basis ist da, mit einer großen Anzahl von Patienten, und wir haben die Praxis technisch immer auf dem aktuellen Stand gehalten, damit die Arbeit Spaß macht.“ Neben dem kompletten Bereich der Allgemeinmedizin bilde die Praxis den ganzen internistischen Kanon ab und biete dazu die Bereiche Betriebsmedizin und Palliativmedizin – „wir sind schon breit aufgestellt“, betont Both.

Die Bemühungen bei der Suche bedeuteten jedoch nicht, dass die Praxis in Kürze schließe, heben beide hervor. Seit 1993 bestehe die Gemeinschaftspraxis, und die damit aufgebaute Versorgungssicherheit solle weiter gewährleistet werden: „Wir haben nicht das Ziel, kurzfristig den Schlüssel umzudrehen und unsere Patienten unversorgt zu lassen“, versichert Kurzke. Allerdings brauche es zwei bis drei Jahre, um Nachfolger einzuarbeiten und alle Formalitäten zu erledigen, erläutert Both, daher sei es wichtig, sich frühzeitig zu kümmern.

Über eine Erweiterung des medizinischen Angebots als zusätzlicher Punkt bei der Attraktivität lasse sich sprechen, aber dabei seien Grenzen gesetzt. „Es ist denkbar, das Standbein in Richtung Allgemeinmedizin zu verbreitern, aber die Zahl der Facharztsitze ist begrenzt“, erläutert Kurzke. Eher vorstellbar sei hingegen eine Erweiterung als „Satellitenpraxis“ eines Facharztes.

Bei der Suche nach Nachfolgern sind die beiden Ärzte aber nicht alleine, auch die übrigen Hausarztpraxen in Sulingen benötigen „Nachwuchs“: „Wenn in den nächsten drei, vier Jahren nichts passiert, wird es eng“, befürchtet Both. Daher her sei mehr Unterstützung seitens der Stadt oder des Landkreises bei der Werbung wünschenswert, aber auch in den größeren Städten gebe es bereits einen Ärztemangel.

Das 2012 vom Landkreis aufgelegte Stipendienprogramm für Studierende der Humanmedizin begrüßen beide, aber „das kommt für uns zu spät.“ Die Stipendiaten müssten ja zunächst einmal ihr Studium absolvieren und dann die Weiterbildung in Kliniken und Praxen. Bis 2008 sei auch in der Gemeinschaftspraxis weitergebildet worden: „Wir haben sogar ein Kooperationsabkommen mit dem Sulinger Krankenhaus“, sagt Kurzke. Die Zahl der Bewerber für eine Weiterbildung sei jedoch stark zurückgegangen, berichtet Both: „Wir hatten 1994 noch mehrere Bewerber für einen Platz, doch seit 2008 haben wir null – und das jedes Jahr.“

Dennoch zeigen sich beide zuversichtlich: Für den internistischen Bereich gebe es einen Interessenten, aber „wir sind da noch ganz am Anfang der Gespräche“, so Dr. Klaus-Dieter Kurzke. Die Hoffnung sei, dass ein junger Kollege weitere jungen Kollegen „nachziehe“.

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