Veränderungen in Groß Lessen und Lindern

Scheidende Ortsbürgermeister: „Politik wird an der Basis gemacht“

Ein Mann steht vor einer Hecke.
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Friedhelm Hartkamp (Groß Lessen) tritt nicht wieder zur Wahl an.

Groß Lessen / Lindern – Wer bei den Kommunalwahlen am 12. September gewählt wird, lässt sich zwar noch nicht sagen – fest steht aber, dass künftig lange vertraute Gesichter in der Ratsarbeit fehlen werden, darunter zwei Sulinger Ortsbürgermeister: Friedhelm Hartkamp (Groß Lessen) und Erich Schlamann (Lindern) kandidieren nicht erneut.

Für Hartkamp enden 25 Jahre in der Kommunalpolitik. Er sei schon vorher politisch interessiert gewesen, und 1996 habe er sich zur Kandidatur für Ortsrat und Stadtrat entschieden. „Die oberste Priorität hatte damals der Erhalt der Grundschule Groß Lessen“, erinnert er sich. Deswegen habe er sich auch freiwillig für die Mitarbeit im Sozialausschuss des Stadtrats gemeldet, der wenig beliebt gewesen sei. Im Jahr 2001 übernahm er dann den Vorsitz im Wirtschafts- und Finanzausschuss des Stadtrats, dabei habe er immer eine enge Zusammenarbeit mit den Feuerwehren gepflegt. Dafür habe ihm 2015 der Kreisfeuerwehrverband die Ehrennadel verliehen: „Das ist eine schöne Anerkennung, zumal ich nicht aktiv in der Feuerwehr war.“ Den Stadtrat verließ der Groß Lessener aus gesundheitlichen Gründen 2013, blieb aber weiter im Ortsrat, dem er seit 2004 als Ortsbürgermeister vorsteht.

Interesse an der Politik brachte auch Erich Schlamann dazu, sich 2001 für den Ortsrat Lindern aufstellen zu lassen, und 2006 folgte er Heinrich Iloge nach als Ortsbürgermeister. Gleich zu Anfang sei das große Thema das mittlerweile ad acta gelegte Projekt Landschaftssee gewesen, zu dem parallel auch Windkraftanlagen geplant wurden. Teilweise hätten damals bis zu 70 Zuhörer die Ortsratssitzungen besucht, „manche mussten stehen.“ Immer am Herzen gelegen habe ihm, dass durch Lückenbebauung jungen Menschen die Möglichkeit gegeben wurde, sich im Ort niederzulassen, und das sei gut angenommen worden. Bisher habe Lindern kein eigenes Baugebiet gehabt, aber die Planungen am Windmühlenweg könnten laut Iloge ein Vorteil für die ganze Ortschaft werden, und durch den Zuzug könnten auch die Vereine profitieren. Ständiges Thema sei der Wegebau gewesen, mit Unterhalt und Instandsetzung. „Seit 2018 haben wir die Flurbereinigung Sulinger Moor, damit ist der Großteil abgedeckt.“

Auch Erich Schlamann (Lindern) zieht sich zurück aus der Kommunalpolitik.

Als Ortsbürgermeister habe man eine besondere Stellung, ist sich Friedhelm Hartkamp sicher: „Gerade bei den Älteren hat der Bürgermeister noch einen anderen Stellenwert.“ Dabei gehe es nicht nur darum, zu Jubiläen zu gehen: Man sei auch ein gesuchter Ansprechpartner bei Fragen – „das ist ein Indiz dafür, dass man eine gewisse Akzeptanz hat.“

Die Besuche zu Jubiläen und runden Geburtstagen sind nutzbringend, weiß Erich Schlamann: „Dabei haben wir immer viele Geschichten und Anekdoten erfahren.“ Das habe den Anstoß aus dem Ortsrat gegeben, mit einem Arbeitskreis die Dorfchronik zu erstellen. „Letztlich hat daran die ganze Gemeinde mitgewirkt, darauf können wir stolz sein.“

Verantwortung übernehmen

Einig sind sich beide bezüglich der Bedeutung der Kommunalpolitik: „Politik wird an der Basis gemacht“, sagt Hartkamp, „nicht in Hannover, Berlin oder Brüssel, denn da kann man etwas bewegen.“ Schlamann vertritt die Auffassung: „Wer Forderungen an die Gesellschaft stellt, muss auch bereit sein Verantwortung zu übernehmen.“

Man müsse aber auch wissen, dass man nur mit Kompromissen weiterkommt, betont Hartkamp. Parteipolitik gehöre zwar auch im Ortsrat dazu, aber er pflege viele Freundschaften zu Mitgliedern anderer Fraktionen.

Ortsrat gibt mit Empfehlungen Richtung vor

Dass Anfragen der Einwohner im Ortsrat behandelt werden, habe ein anderes Gewicht, als wenn es nur einen Ortsvorsteher gäbe, steht für Hartkamp fest. Ein Ortsrat habe oft auch die bessere Ortskenntnis als ein Stadtrat, etwa, wenn es um Wirtschaftswege geht. Die Bedeutung des Ortsrats betont auch Schlamann: „Entschieden wird letztlich im Stadtrat, aber der Ortsrat gibt die Richtung vor. In den meisten Fällen sind unsere Empfehlungen auch umgesetzt worden.“

Dennoch wünscht sich Hartkamp, dass in der kommenden Wahlperiode wieder ein oder zwei Ortsratsmitglieder auch dem Stadtrat angehören. Dort kämen die Informationen zusammen, etwa über finanzielle Spielräume. „Kritik ist immer schnell da, aber teilweise fehlt das Hintergrundwissen.“

Mehrere Abschiede aus den fünf Sulinger Ortsräten

Aus den fünf Räten der Sulinger Ortschaften treten einige Mitglieder nicht erneut als Kandidaten bei den Kommunalwahlen am 12. September an. Die folgenden Ortsratsmitglieder stellen sich nicht mehr zur Wahl: Den Ortsrat Groß Lessen verlassen Martina Fischer, Friedhelm Hartkamp und Stefan Ostermann. Für den Ortsrat Klein Lessen kandidieren Reinhard Meyer und Heinz Riedemann nicht wieder. Aus dem Ortsrat Lindern ziehen sich Irma Gerdes, Ralf Mohrmann und Erich Schlamann zurück. In Nordsulingen wird Beate Knoop nicht länger dem Ortsrat angehören. Ihren Abschied aus der Kommunalpolitik haben in Rathlosen Frank Klinge und Annemarie Westrup angekündigt.

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