Erste Maßnahme in der Flurbereinigung Sulinger Moor: „Birken pflücken“

Nasses Moor bedeutet Klimaschutz

Für die Wiedervernässung des Sulinger Moores wird ein Birkenwäldchen südöstlich von Lindern entfernt.
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Für die Wiedervernässung des Sulinger Moores wird ein Birkenwäldchen südöstlich von Lindern entfernt.

Sulingen – Wenn ganz klar zu sehen, dass Wald weggenommen wird, was hat das dann mit Naturschutz zu tun? „Wir kehren um, was vor 80 bis 90 Jahren mit der Entwässerung der Moore begonnen hat, sodass wir ein Areal in den Zustand von vor 100 Jahren zurückversetzen können“, erklärt Thomas Baalmann, Projektleiter der Flurbereinigung Sulinger Moor beim Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser.

Die erste Maßnahme zur Wiedervernässung des Sulinger Moores läuft seit Montag, dafür wird ein Birkenwäldchen südöstlich von Lindern entfernt. Den zu fällen ist notwendig, weil die Entwässerung begünstigt wird, je mehr Birken sich ansiedeln und je trockener die Bereiche fallen. „Ich habe die Menge Kohlendioxid einmal ausgerechnet, die hier jährlich freigesetzt wird: Wenn ich 120 Gramm ausgestoßenes CO2 berechne pro mit dem Auto gefahrenem Kilometer, komme ich hier auf etwa eine Million gefahrene Autokilometer an CO2, das die entnässte Fläche freigibt“, rechnet Konrad Wolf von der Nabu-Ortsgruppe Sulingen vor, wie dringlich das Moor wiedervernässt werden muss, denn so wird das CO2 gebunden.

Das Sulinger Moor gehört nicht einem Eigentümer, sondern gleich mehrere hundert Personen sind in dem laufenden Verfahren beteiligt.

Das läuft erst seit 2018 und Thomas Baalmann ist dankbar, dass bereits nach so kurzer Zeit ein erstes Projekt auf den Weg gebracht werden kann.

Ortstermin mit Thomas Baalmann, Erich Schlamann, Dirk Rauschkolb, Konrad Wolf und Joachim Bengsch vom Bauamt der Stadt Sulingen (von links).

Bearbeitet wird derzeit ein etwa 65 Hektar großer Abschnitt. „Eine Beseitigung der Gehölze ist aber nur auf einer Fläche von etwa 30 Hektar erforderlich“, erklärt Baalmann. Das Holz werde gehäckselt und gehe in das Eigentum der beauftragen Firma, in diesem Fall der Firma Rowin aus Wehrbleck, über. Rowin werde die Hackschnitzel über eine Biogasanlage trocknen und verkaufen.

Spezialfahrzeuge im Einsatz

Wie lange dauert dieser erste Einsatz? „Die Baufeldräumung, also die Beseitigung der Gehölzbestände, wird etwa zweieinhalb Monate dauern“, erklärt Baalmann.

Einige Bereiche werden nicht abgeholzt, die erfahren ab Spätsommer 2021 weitere Arbeiten: Wälle, Spundwände, sogenannte Grüppen werden verfüllt. Kurz: Eingriffe, die ein Ablaufen des Wassers verhindern sollen.

Dass diese Arbeiten erst ab August erfolgen (und bis September 2021 abgeschlossen sein sollen) diene dem Schutz der Schlingnattern, die dort nachweislich residieren.

Die Abholzarbeiten haben am Montag begonnen und bisher gab es keinerlei Schwierigkeiten. Im Einsatz seien Spezialfahrzeuge, die sich auf dem speziellen moorigen Untergrund gut bewegen könnten.

Bis es aber so weit war, galt es einige Hürden zu nehmen: „Im Vorfeld war es nicht immer leicht, die Zustimmung der betroffenen Grundeigentümer zu erhalten“, sagt Baalmann. Für die gut 900 Hektar Fläche in der Flurbereinigung sind 250 Beteiligte gelistet. Der reine „Mooranteil“ betrage gut 350 Hektar, eine Wiedervernässung war für gut 80 Hektar geplant.

„Wir haben aber nicht von jedem Eigentümer eine Zustimmung erhalten“, erklärt Baalmann, warum die Maßnahmen jetzt auf gut 60 Hektar durchgeführt werden: „Insgesamt sind etwa 45 Eigentumsflächen betroffen, darunter auch Eigentümer aus Essen, Flensburg, Dresden oder München. Außerdem war ein hoher Anteil im Eigentum von Erbengemeinschaften. Die Akzeptanz schwankt von sehr positiv bis ablehnend.“

Mit speziellen Fahrzeugen, geeignet für den moorigen Untergrund, werden derzeit im Sulinger Moor Birken „gepflückt“.

Auch die Finanzierung gestaltet sich bunt: Für die Gesamtkosten der Flurbereinigung werden etwa 1,5 Millionen Euro kalkuliert. 75 Prozent seien gedeckt durch Zuschüsse, 25 Prozent müssten die Eigentümer tragen. Weil dieses Gebiet aber bereits einmal in der Flurbereinigung war, sollten die Eigentümer nicht erneut finanziell belangt werden.

Verschiedene Geldgeber

„Deshalb hat die Stadt Sulingen den Anteil übernommen – 300 000 Euro. Ein reiner Flächentausch, um das Areal zusammenzubekommen, hätte Jahre gedauert“, erklärt Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb, warum die Stadt die finanzielle Beteiligung entscheiden hat. Die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe zahle einen sechsstelligen Betrag. Die Mitglieder der Ortsgruppe Sulingen engagieren sich seit zehn Jahren in Sachen Moor und auch die Ortsgruppe ist finanziell beteiligt.

Erste Stapel Holz zeigen vor Ort, dass die Firma mit dem Abholzen gut vorankommt. Ist auch Nutzholz darunter? Erich Schlamann, Ortsbürgermeister in Lindern und Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft, sagt, das Birkenholz sei sehr geeignet für das Heizen der Öfen. Konrad Wolf wäre es zu nass, sagt der.

Und Baalmann ergänzt: „Ungünstig ist, dass der Holzpreis wegen des Überangebotes völlig im Keller ist und somit zu einer Kostensteigerung beiträgt.“

Wegebaumaßnahmen stehen auch schon fest: für 2021 im Bereich Brünhausen/Coldewey, für 2022 am Rand der Siedlungsgebiete.

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