Zurzeit finanziert Landvolk Projekt allein

„Grünes Klassenzimmer“: Hoffnung auf neue Zukunft

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Die dritte Klasse der Grundschule Scholen lernt beim „Grünen Klassenzimmer“ in Stocksdorf alles rund ums Getreide – theoretisch und vor allem praktisch.

Landkreis Diepholz - Von Vivian Krause. Seit zehn Jahren hat sich das Projekt „Der Bauernhof als grünes Klassenzimmer“ die Aufklärung von Kindern und Jugendlichen im Bereich regionaler Lebensmittel auf die Fahne geschrieben. Schulklassen, Kindergartengruppen und Vereine haben schon Stunden auf den Höfen der Region Diepholz/Sulingen zugebracht, gemahlen, gesät und geerntet. Doch soll das Projekt nun bald wegen einer Finanzierungslücke der Vergangenheit angehören?

Die dritte Klasse der Grundschule Scholen zum Beispiel besuchte vor einigen Wochen den Hof Meyer in Stocksdorf. Auf dem Stundenplan des „grünen Klassenzimmers“ stand das Thema „Vom Korn zum Brot“. Die erste Station der Schülergruppe ist der Klassenraum in einem kleinen Nebenhaus auf dem Hof Meyer – ausgestattet mit Sitzgelegenheiten, einer Tafel, Bad und Küche. Heike Niemeyer, ausgebildete Hof- und Gästeführerin, bringt den Kindern Infos rund ums Korn näher. Danach kneten die Kinder Teig für selbstgebackene Brötchen. „Ich mag keine Körner und auch keine dreckigen Hände“, ist die einzige Beschwerde in der Runde der Drittklässler. Anschließend spielen sie noch eine Runde Galgenraten mit Begriffen wie Mähdrescher-Fahrer oder Maishäcksler. Ganz nebenbei wird dabei Mathe, Deutsch oder Erdkunde geübt.

Bei der zweiten Station auf dem Feld der Meyers steht vor allem die Teamarbeit und die Feinfühligkeit im Vordergrund. Trotz andauerndem Regen schlagen sich die kleinen Landwirte tapfer. Auf ihrem einen Quadratmeter großen, abgesteckten Feldstück sollen sie exakt 300 Dinkel-Körner einsehen. Wahre Handarbeit. „Die Jungs sind schon zimperlicher als die Mädchen“, stellt Dörte Meyer fest. Das beweist auch Lukas: „Ich kündige“, ruft er und stapft vom Feld.

Das Fazit des Erlebnis-Tages wird mit dem Wortlaut „schön, aber nass“ von allen Schülern unterschrieben. Zum Abschluss gibt es noch das frisch gebackene Brötchen mit auf den Heimweg.

Die Themenfelder des „grünen Klassenzimmers“ umfassen neben dem Getreide auch die Kuh, das Schwein, das Pferd, die Kartoffel oder den Honig. Die gebotene Vielfalt sei etwas ganz Tolles im Landkreis, betont Birte Brackmann vom Landvolk. Sie organisiert die Ausflüge der Schulen, Kindergärten oder Vereine. Pro Jahr seien dies an die 80 Veranstaltungen auf unterschiedlichen Höfen. Manche Klassen kehren nach ihrem Besuch auch auf die Höfe zurück, um ihre Saat zu ernten.

„Außerschulisches Lernen wird immer wichtiger“, unterstreicht Projektkoordinatorin Brackmann die Relevanz des Programms. Und etwa 3 200 Kinder, die in den Jahren 2013 bis 2015 in dem Projekt Einblicke in die Landwirtschaft ihrer Region haben durften, sprechen dabei für sich.

Hof Meyer ist einer von zahlreichen in der Region Diepholz/Sulingen, die das „grüne Klassenzimmer“ unterstützen. Brackmann ist der Meinung: „Bildung sollte weiterhin kostenlos angeboten werden können“.

Doch die Förderung war lange unsicher. Bis Ende Juni wurde das „Grüne Klassenzimmer“ als eines von 40 Bildungsträgern des Förderprogramms „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ aus Mitteln der Europäischen Union (EU), der Länder, des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums und des Niedersächischen Kulturministeriums gefördert. Dann klaffte eine Finanzierungslücke: Seitens der EU könne derzeit keine Weiterförderung beantragt werden, hieß es.

In den Jahren 2013 bis 2015 wurde das Projekt noch zu etwa zwei Dritteln gefördert – mit etwa 30 000 Euro, die für Personal- und Reisekosten genutzt wurden, so Brackmann. Das andere Drittel wurde vom Landvolk Diepholz durch die Bereitstellung von Sachmitteln, wie Arbeitsmaterial oder Zutaten, übernommen.

Seit dem 1. Juli trägt das Landvolk alle Kosten selbst. „Das können wir noch bis Ende des Jahres so machen, dann muss eine andere Lösung her“, so Brackmann. Diese Lösung scheint nun gefunden.

Für „Transparenz schaffen“ sollen nun 6,2 Millionen Euro bereitgestellt werden, so das Landwirtschaftsministerium auf Anfrage. Noch in diesem Jahr soll der Antrag auf Weiterförderung möglich sein.

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