Auf dem Heimweg vom Reload-Festival

Prozess nach mutmaßlicher Vergewaltigung: Nebenklägerin sagt aus

Verden/Sulingen - Von Wiebke Bruns. Mit der Aussage des Opfers wurde am Dienstag der Vergewaltigungsprozess am Landgericht Verden fortgesetzt. Der Angeklagte, der von sich behauptet, erst 19 Jahre alt zu sein, soll in der Nacht vom 27. auf den 28. August 2016 in Sulingen eine 26 Jahre alte Frau vergewaltigt haben, die zu Fuß auf dem Heimweg vom Reload-Festival war. Während der Angeklagte die Tat bestreitet und alles als einvernehmlich darstellt, hat die Frau ihre Vorwürfe am Dienstag wiederholt.

Rechtsanwalt Carsten Sonntag aus Nienburg vertritt die als Nebenklägerin an dem Verfahren beteiligte Frau. Er hatte bereits im Vorfeld einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit während der Aussage seiner Mandantin angekündigt. Schwer genug falle es ihr schon, vor den Verfahrensbeteiligten den Tatablauf zu schildern.

Rund zwei Stunden dauerte die Aussage der Frau. „Es war sehr emotional“, sagte anschließend ihr Anwalt. Zweimal habe der Angeklagte etwas einwenden wollen, dies habe der Vorsitzende Richter Joachim Grebe aber sofort unterbunden. Inhaltlich habe die Aussage den Vorwürfen aus der Anklageschrift entsprochen, sagte Sonntag. „Aus meiner Sicht ist es wasserdicht“, so der Strafverteidiger.

Tochter stürzt weinend ins Haus

In jener Nacht hatte die Frau bei ihren Eltern in Sulingen schlafen wollen. „Ich wurde vom Klingeln an der Haustür wach“, schilderte anschließend die Mutter des Opfers als Zeugin. „Meine Tochter hämmerte gegen die Tür. Rief immer: Lass mich rein“, so die Zeugin. Unmittelbar nach dem Öffnen der Tür stürzte die Tochter weinend ins Haus. Vollkommen außer sich habe ihr Kind geschildert, was geschehen sei: „Ich bin vergewaltigt worden. Ich kann froh sein, dass ich noch lebe. Der hat mich gewürgt.“ Geld und Handy habe der Täter ihr zudem geraubt.

Gemeinsam hätten sie im Flur auf dem Boden gesessen. „Mein Mann war mittlerweile wach geworden“, berichtete die Mutter. Ohne zu zögern, habe er die Polizei gerufen. Was dann bis deren Eintreffen geschehen ist, konnte sie nicht im Detail schildern. Als sie sich oben im Schlafzimmer etwas anziehen wollte, habe sie „schlapp gemacht“. „Ich lag auf dem Boden, konnte nicht aufstehen. Ich war irgendwie wie gelähmt“, sagte die Zeugin. Nichts davon ahnend, habe ihre Tochter immer nach ihr gerufen. „Ich habe versucht, die Treppe herunterzugehen. Mein Mann hat mich unten aufgefangen.“

In therapeutischer Behandlung

Die kurze Hose ihrer Tochter habe einen Riss gehabt, der Gürtel sei noch geöffnet gewesen. Ob sie überhaupt noch Schuhe getragen hat, konnte die Mutter nicht mehr erinnern. Während die Tochter in jener Nacht noch alleine zu Fuß nach Hause gegangen war, scheinbar unbeschwert, verlasse sie heute im Dunkeln nicht mehr das Haus und befinde zudem sich in therapeutischer Behandlung.

Da sofort die Polizei informiert worden war und noch in derselben Nacht bei einer Untersuchung im Krankenhaus wichtige Spuren gesichert werden konnten, gelang es, den Angeklagten zu ermitteln. Im März dieses Jahres wurde er in Schweden festgenommen.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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