Flüchtlinge lernen Fahrradfahr-Regeln

Musik auf dem Rad? Ja, wenn’s Helene ist

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Vor der Tour durch Sulingens Innenstadt prüfen Reiner Bergmann und Wolfgang Rehling zunächst die Drahtesel der Flüchtlinge auf ihre Verkehrstauglichkeit.

Sulingen - Einige der acht Flüchtlinge und Asylbewerber sind noch nicht ganz sattelfest in der Sprache – aber der Humor, mit dem Polizeihauptkommissar Reiner Bergmann vom Sulinger Polizeikommissariat und Wolfgang Rehling, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Diepholz, ihnen am Freitagnachmittag die „Spielregeln“ für das Fahrradfahren auf bundesdeutschen Straßen näher bringen, kommt an.

„Darf man Musik hören auf dem Fahrrad?“, erkundigt sich einer der jungen Männer. „Ja, aber so leise, dass man auf jeden Fall mitbekommt, was hinter einem los ist – und nur mit einem der Stöpsel im Ohr“, empfiehlt Rehling. „Wichtig ist, dass man gute Musik hört“, ergänzt Reiner Bergmann grinsend. „Helene Fischer ist okay.“

Die Gruppe im Kreisverkehr an der Langen Straße – hier können durchaus auch Radler in brenzlige Situationen geraten, die jahrelange Erfahrung mit den deutschen Verkehrsregeln haben.

Es ist nicht die erste Veranstaltung dieser Art, allerdings die erste im Sozialpsychiatrischen Tageszentrum „Taff“ von Bethel im Norden. Flüchtlingen zu vermitteln, wie man im Straßenverkehr das Fahrrad sicher nutzt, ist wichtig, weiß Eileen Scurfield. Die Sozialpädagogin bietet im „Taff“ mit Kollegin Gerlinde Bonfert Flüchtlingssozialberatung und Unterstützung der Sulinger Flüchtlingsinitiative an, hat die Aktion mit Astrid Ellmers (Koordinatorin zwischen Verwaltung und Ehrenamt in der Stadt Sulingen) und Thekla Löchel, Sprecherin der Sulinger Flüchtlingsinitiative, organisiert. Scurfield: „Es ist immer wieder Sulingern aufgefallen, dass die jungen Männer sehr schnell fahren und ihnen die Vorfahrtsregel rechts vor links nicht klar ist. Es gab auch schon mal Unfälle, zum Glück ist es bislang glimpflich abgelaufen.“ Dass am Freitag keine Frauen dabei sind, liege zum einen daran, dass mehr männliche Flüchtlinge in Sulingen untergebracht sind, „zum anderen trauen die Frauen sich das Fahrradfahren nicht so zu.“ Allerdings seien weitere Angebote dieser Art in Planung, die sich vor allem an Familien richten sollen.

Bergmann und Rehling verdeutlichen unter anderem, dass man mit dem Rad auf der Straße fährt, sofern nicht ein Schild dafür einen Rad- oder Fußweg ausweist, „damit die Autofahrer einen gut sehen können.“ Dazu tragen auch Reflektoren und, bei Dunkelheit, Signalwesten bei. Auch, wie ein verkehrssicherer Drahtesel ausgestattet sein muss, ist Thema. Die Fangfrage, wie viele Reflektoren ein Rad haben soll, geht an die deutschen Damen – die alle zu niedrig schätzen, tatsächlich sind es elf.

Die beiden Polizeibeamten überprüfen die in der Regel betagten, für die Flüchtlinge gespendeten Fahrräder. Hier hat der Schalthebel sich selbstständig gemacht, da funktioniert das Rücklicht nicht – am Ende bekommt lediglich ein Zweirad den Aufkleber, der es als verkehrssicher ausweist. Vorerst: „Wir haben schon besprochen, dass unser ,Fahrradbeauftragter‘ Ulrich Hemken die Mängel beseitigen wird“, kündigt Thekla Löchel an.

Dann macht sich die Gruppe auf zur Tour durch die Sulinger Innenstadt, mit anschließender Manöverkritik bei Kaffee, Tee und Kuchen im „Taff“. Der „Parcours“ wartet gleich zu Beginn mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad auf – dem Kreisel an der Langen Straße, wo bekanntlich auch Radfahrer in brenzlige Situationen geraten, die jahrelange Erfahrung mit den deutschen Verkehrsregeln haben.

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