„MoveDove“: Improvisationen geistlicher Musik bieten meditative Klangwelt

Atmosphärische Klänge

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Mediengruppe Kreiszeitung

Sulingen - Küsterin Marion Müller war „völlig fasziniert“, Kulturvereinsvorsitzender Gunter Koop „tiefenentspannt“ – beide in guter Gesellschaft von rund 50 Konzertgästen. Mit Improvisationen geistlicher Musik setzte das Ensemble „Move Dove“ am Sonntag die Reihe an Veranstaltungen zwischen den Jahren fort, in denen der Kulturverein Sulingen traditionell „Musik der besonderen Art“ in der Kirche St. Nicolai präsentiert.

Luis Reichard und Lorenz Rosenthal, Studenten der Kölner Hochschule für Musik und mehrfache Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“, haben sich auf die Fahnen geschrieben, Chorälen und biblischen Texten „neues Leben einzuhauchen“. Neben der künstlerischen musikalischen Interpretation ist die christliche Botschaft und die Auseinandersetzung mit der eigenen christlichen Kultur ein zentrales Element ihrer akustisch und atmosphärisch auf die Aufführung in Kirchenräumen zugeschnitten Konzerte.

„Wir wollen uns dem Geheimnis des Glaubens musikalisch nähern“, erklärte Luis Reichard (Klavier, Jazztrompete), der zusammen mit Lorenz Rosenthal (Jazzbass) das kirchenmusikalische Crossover-Projekt „MoveDove“ ins Leben rief, das Choräle und klassische Kirchenmusik mit Soundfiction, Pop- und Jazz-Klängen vereint. Ihr aktuelles Programm „Die verborgene Kraft“ beinhaltet Themen des Kirchenjahres von der Bach-Kantate „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ für den vierten Sonntag nach Trinitatis über den „Hilferuf in schwerer Bedrängnis“ (Psalm 142: „Hilf, Herr meines Lebens“) bis zu Musik zum Advent. Lorenz Rosenthal entlockte seinem bundlosen E-Bass, den er als Melodie-, Schlag- oder Rhythmusinstrument nutzte, einen atmosphärisch-ausdrucksvollen Sound – abgestimmt auf den Gesang des Duos und die Klangkulisse des elektrischen Klaviers. Untermalt wurden die teils gefälligen Melodien, teils mystischen Sounds durch live eingespielte Tonbandschleifen („Loops“) und Echo-Effekte.

Beim letzten Stück wurden die Zuhörer Teil des Projekts: „Mitsingen und nachhören“ hieß der Aufruf, in den Choral „Hilf, Herr meines Lebens“ einzustimmen. Das Duo bedankte sich bei dem „begabten Sulinger Publikum“ mit dem Paul-Gerhardt-Lied „Wie soll ich dich empfangen“ (1653). Auch bei der Zugabe waren die Zuhörer interaktiv als „Lautmaler“ eingebunden.

„Der Rahmen ist eng gesteckt, trotzdem birgt jeder Auftritt Überraschungen“, sagt Luis Reichard. „60 Prozent Komposition, 40 Prozent Improvisation“ – auf diese Formel brachte er den definierten musikalischen Spielraum. Er forderte von den Künstlern ein hohes Maß an Konzentration, während sich das Publikum zurücklehnen durfte, um in die meditative Klangwelt abseits üblicher Hörgewohnheiten einzutauchen.

Das Konzert in Sulingen war das letzte in der Reihe von 20 Veranstaltungen, die Luis Reichard und Lorenz Rosenthal in 2014 bestritten. Die Musik sei ihre Berufung betonen die beiden vielversprechenden Künstler. Nach Abschluss ihres Studiums wollen die 25-Jährigen ihre Konzerttätigkeit ausbauen. Vielleicht steht Sulingen eines Tages wieder auf ihrem Tourplan.

mks

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