Mehr bargeldlose Terminals im Einzelhandel

Bezahlen: Mit Karte oder „cash“?

Bargeld bleibt als Zahlungsmittel nachgefragt, die digitalen Möglichkeiten kommen allerdings immer häufiger zum Einsatz.
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Bargeld bleibt als Zahlungsmittel nachgefragt, die digitalen Möglichkeiten kommen allerdings immer häufiger zum Einsatz.

Sulinger Land – Wer zahlt eigentlich noch in bar? Ist das überhaupt noch erwünscht? Ein ganz subjektiver Gang durch den persönlichen Alltag offenbart im Sulinger Land kein geöffnetes Geschäft, das meine Bargeldzahlung rigoros ablehnt, etwa, um in der anhaltenden Pandemie „sicherere Bezahlung“ zu garantieren. Sicherer im Sinne von keimfreier.

Und doch: Im Zeitraum zwischen Anfang 2020 bis Anfang des Jahres 2021 sei der von Kunden der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz nachgefragte Anteil an Banknoten um etwa 25 Prozent zurückgegangen. Privatkunden haben demnach weniger Geld am Geldautomaten abgehoben und Geschäftsleute weniger Geldscheine angefragt für den Kassenbestand. Sogar um 30 Prozent weniger Münzen seien im selben Zeitraum angefordert worden. Ein Kundenverhalten, das man auch bei der hiesigen Volksbank beobachtet hat: „Die Bargeldnachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher hat sich verändert. An unseren Geldautomaten wurden im Februar 2021 ein Drittel weniger Bargeldabhebungen als im Februar 2020 vollzogen“, berichtet Helke Dierks, Marketingreferentin der Volksbank Sulingen. Das Volumen der gesamten Auszahlungen sei in dem Zeitraum um ein Viertel gesunken.

In einer Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) heißt es, dass Barzahlung seit Beginn der Corona-Pandemie unerwünscht sei. „Selbst Bäcker, Metzger und Apotheken wollen, dass ihre Kunden mit Karte zahlen.“ Nein, sagt ein Bekannter. Das stimme so nicht. Beruflich in Diepholz unterwegs, setze er ausschließlich die Karte zum Bezahlen ein. Mit der Konsequenz, dass er mancherorts eben nichts kriegt, weil in dem Geschäft keine Kartenzahlung möglich ist. Etwa bei einem Bäcker in der Nähe seines Arbeitsplatzes. „Da würde ich gerne was für meine Mittagspause kaufen. Geht aber nicht, ich kann ja nicht mit Karte zahlen.“

Er gehört damit, noch, einer Minderheit an. Laut Umfragen der Bundesbank hätten 2017 75 Prozent der Bundesbürger alltägliche Waren in bar bezahlt. 2020 seien es noch 60 Prozent gewesen.

„Das bar entrichtete Umsatzvolumen schrumpfte von rund 50 Prozent auf rund ein Drittel“, heißt es in der Umfrage. Geschäfte für „Waren des täglichen Bedarfs“ sind diejenigen, die seit Beginn der Pandemie ununterbrochen geöffnet sind. Hat sich das Bezahlverhalten der Kunden in der Zeit geändert im E-Center in Sulingen? „Etwas mehr Kartenzahlungen haben wir festgestellt, aber keinen großen Unterschied“, erklärt eine Mitarbeiterin. Unterschiede im Bezahlverhalten ergäben sich eher ob des Zeitpunktes, etwa, ob am Anfang oder am Ende des Monats eingekauft wird. Es gebe „Bargeldbeschwörer“ ebenso wie jene, die lieber mit Karte zahlen.

Bargeld oder mit Karte: Wie haben die Geschäftsleute in der Region auf die Pandemie reagiert? Gab es eine verstärkte Nachfrage nach bargeldlosen Terminals? Eine Zunahme der bargeldlosen Terminals seitens der Händler haben beide Banken festgestellt. „Im ersten Halbjahr der Pandemie haben wir hier keine Veränderung vernommen. Erst in den vergangenen Monaten hat die Nachfrage nach diesen Terminals seitens der Händler spürbar zugenommen“, sagt Helke Dierks von der Volksbank Sulingen.

Ralf Vielhauer, Leiter Kommunikation und Unterstützung der Kreissparkasse, wirft einen genaueren Blick auf Zahlen und Daten. Er verweist auf die Option für Kunden, die Giro- oder Kreditkarte in digitaler Form ins Smartphone oder die Smartwatch zu integrieren „Beim Bezahlen gibt der Kunde jede Zahlung mit der gewohnten Entsperrfunktion seines mobilen Gerätes frei, etwa mit dem Fingerabdruck, der die Geheimnummer ersetzt.“

Beim Blick auf die Zahl der Transaktionen ohne Pin-Eingabe sei eine deutliche Steigerung zu verzeichnen: Hat die Kreissparkasse Diepholz im Jahr 2019 noch mit 989 208 Transaktionen knapp unter einer Million Kartenzahlungen notiert, sind es 2020 schon 2 035 521. Laut Vielhauer sind die Monate mit einem „Lockdown“ im Einzelhandel deutlich zu erkennen: „Sie weisen signifikant weniger Transaktionen auf, als die anderen.“ Der Unterschied aller Kartenzahlungen, inklusive der mit Geheimnummer, ist weniger deutlich: 2019 wurden im Geschäftsbereich 2. 345 .800 Transaktionen notiert (der Kunde habe seine Girokontokarte im Schnitt acht Mal pro Monat genutzt), im Jahr 2020 3. 075 .800 Transaktionen (der Kunde hat seine Karte im Schnitt zehn Mal pro Monat eingesetzt). Für Vielhauer eine „logische“ Entwicklung, da die kontaktlose Bezahlung, also die ohne Pin-Eingabe, von 25 auf 50 Euro erhöht worden sei und so immer mehr Kleinstbeträge in immer mehr kleineren Geschäften, etwa Eisdielen, Bäcker, Kiosken mit Karte statt mit Bargeld bezahlt werden können.

Belegt werde das durch den Durchschnitts-Bon der Sparkassenkunden: Der habe laut Vielhauer im Jahr 2019 bundesweit 45,11 Euro betragen und 2020 bei 41,56 Euro gelegen.

Und was machen die Leute mit dem Bargeld? Es ist ihre „eiserne Reserve für schlechte Zeiten“: „Es wird in großem Umfang als Wertaufbewahrungsmittel genutzt“, zitiert die dpa Johannes Beermann, für Bargeld zuständiges Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.

Geldbomben-Service kaum noch nachgefragt

Geldbomben. Kleine rechteckige Stahlkassetten, in denen Geschäftsleute ihr Bargeld sicher „bei der Bank eingeworfen haben“. Ein Service, der heute kaum nachgefragt ist, weder bei der Kreissparkasse, noch bei der Volksbank. Und den die Banken, wegen des personellen Aufwandes, mit deutlich höheren Gebühren versehen.

Relikte aus vergangenen Zeiten: Geldbomben, zum Deponieren von Bargeld bei der Bank und ein Sparschrank.

Ein Blick zurück auf einen x-beliebigen Montagmorgen Anfang der 1990er Jahre, damals noch Bankangestellte, nicht Redakteurin. Ein Raum ohne wirkliche Frischluft im Haupthaus der KSK Diepholz. Und die Frage: Machen wir erst die doofen Geldbomben auf, dass wir die Luft hier verpesten oder erst die netten? Doofe Geldbomben stammen, zum Beispiel, aus der örtlichen Diskothek oder vom Schützenfest. Die Geldscheine sind meist zwar gestapelt drin, aber fast alle durchtränkt mit allem, was ausgeschenkt wurde an den Theken. Zuckerhaltige Getränke kleben, wenn sie trocknen. Die Wolke, die nach dem Öffnen aus der Geldbombe entsteigt, riecht wie „der Morgen nach der voll lustigen Feier, auf der etliche Gläser, Becher und Flaschen umgekippt sind und keiner aufgewischt hat“. Übrigens wurde damals auch noch in Räumen geraucht. Erheblich. Und so steigt auch eine deutliche Rauchmarke aus entsprechenden Geldbomben auf. Alle Geldscheine wandern nach dem Zählen auf den Stapel, der zum Umtausch vorbereitet wird. Im Umlauf kann das Zeugs wirklich nicht bleiben. Und: Natürlich steht auch mal eine Telefonnummer drauf. Nein, das Münzgeld ist nicht wirklich besser: Auch das klebt schön zusammen, müfft.

Kunden der Sparkasse und der Volksbank zahlen ihr Bargeld jetzt selbstständig ein, an den speziellen Einzahlautomaten für Kleingeld oder über die Einzahlfunktion des Geldautomaten. „Die Einzahlungen insgesamt sind gesunken“, erklärt Helke Dierks, die Volksbank habe dazu jedoch keine genauen Zahlen vorliegen.

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