Lebenshilfe-Wohnanlage in Sulingen

Neue Leiterin Petra Schonhofen: Die Menschen in den Fokus rücken

Eine Frau hockt mit einem Hund vor einer Hecke.
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Die neue Leiterin Petra Schonhofen mit Therapiehündin Jella im Garten der Wohnanlage der Lebenshilfe.

Sulingen – „Ich wurde herzlich aufgenommen“, stellt Petra Schonhofer fest. Die 46-Jährige leitet seit dem 1. Mai die Wohnanlage der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz am Schwafördener Weg in Sulingen.

Sie sei noch absolut in der Phase der Einarbeitung, mit vielen neuen Eindrücken jeden Tag. Zudem sei es coronabedingt noch nicht der normal gelebte Alltag, weil noch Themen wie Hygienekonzepte, Impfungen oder Besuchsmöglichkeiten für die Angehörigen eine Rolle spielten. „Ich kann mir alle Dinge erfragen und erarbeiten, aber das gehört auch zu meiner Leitungsposition dazu.“

Zuletzt tätig war sie in der Eingliederung Gut Neuhof in Petershagen tätig, einer Einrichtung der Ameos-Gruppe. Das sei ein profitorientiertes Unternehmen, aber nachdem sie jüngst die Fortbildung zum Sozialmanagement abgeschlossen habe, sei ihr klar geworden, dass bei ihrer Arbeit wieder der Mensch im Fokus stehen soll. Deswegen habe sie ihre Fühler ausgestreckt, und das Angebot der Lebenshilfe habe sie angesprochen. Hier habe sie eine andere Organisationsstruktur vorgefunden, wo es nicht um Gewinnmaximierung gehe. Natürlich gehe es auch um wirtschaftliche Fragen, aber: „Man kann Ökonomie und Fachlichkeit gut miteinander vereinbaren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, betont die Mindenerin.

Umbau oder Neubau der Wohnanlage

Dabei hat sie aktuell bereits eine große Baustelle vor Augen: „Es ist kein Geheimnis, dass das Gebäude in die Jahre gekommen ist.“ Vor dem Hintergrund des Bundesteilhabegesetzes müssten sowohl baulich als auch pädagogisch neue Konzepte gefunden werden. „Wir haben uns mit einem Arbeitskreis auf den Weg gemacht, um mit Sinn und Bedacht die Bedürfnisse der Bewohner fokussieren zu können.“ Dabei stünden Teilhabe und Selbstbestimmung im Vordergrund, aber auch dem demografischen Wandel könne sich Pflege nicht versperren. „Die große Frage ist: Kann man hier umbauen oder muss man neu bauen? Denn das Altern der Bewohner wird uns begleiten.“

Ein weiterer Aspekt sei, das digitale Leben bedarfsgerecht in den Alltag zu implementieren. W-Lan sei beispielsweise schon im Haus verfügbar, aber für weitere Anwendungen, wie etwa ein sprachlich gesteuertes Notrufsignal für motorisch eingeschränkte Bewohner, müsse eventuell über einen Glasfaseranschluss nachgedacht werden.

Belegung gemäß der individuellen Bedürfnisse

Aktuell werde in den Wohnbereichen genau nach den individuellen Bedürfnissen der Bewohner geschaut, um die Belegung anzupassen. Derzeit lebten noch Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf in „aktiveren“ Bereichen, also solchen, in denen vorwiegend Menschen zuhause sind, die einer Beschäftigung bei den Delme-Werkstätten nachgehen. „Wir wollen möglichst die Bewohner in ihren Zimmern belassen, aber in Absprache mit den gesetzlichen Betreuern werden wir sie verlegen. Das wird immer wieder punktuell passieren, wir wollen das nur mit Bedacht verändern.“

Ein wichtiger Faktor dabei sind die Mitarbeiter: Bei allem, was die Strukturen so hergeben, habe Corona ihnen viel abverlangt. Insbesondere die Zahl der Überstunden sei hochgegangen, weil die Menschen zeitweise nicht zur „Delme“ gehen konnten, sondern in der Wohnanlage betreut werden mussten. „Trotzdem gibt es hier weiter eine hohe Bereitschaft, mit den Menschen zu arbeiten.“

Hündin Jella unterstützt in der Arbeit

Dabei will sich Petra Schonhofen auch mit Verstärkung einbringen: Nach dem Studium der sozialen Arbeit ließ sie sich weiterbilden in der systemischen Familientherapie, in der Traumatherapie sowie in der tiergestützten Therapie. Man sei gerade dabei, eine Kooperation mit dem Therapiehundeteam „Anima Canis“ einzugehen, die langfristig etabliert werden solle, und auch ihr eigener Therapiehund, die dreieinhalbjährige Labradorhündin Jella, komme hier zum Einsatz. „Wir haben das in der Tagesgruppe gestartet, aber es soll ein hausübergreifendes Angebot sein.“

Weitere Verstärkung ist willkommen: „Unsere Türen stehen offen für Fachkräfte, Schüler der Heilerziehungspflege und FSJler.“ Zudem gelte: „Wir haben uns als Lebenshilfe auf den Weg gemacht. Das braucht noch Zeit, aber wir wünschen uns von den Kostenträgern eine angemessene Vergütung, damit wir Teilhabe auch umsetzen können.“

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