Student und Jungunternehmer aus Sulingen

Mattis Robowski: Film-Produktion ist nichts für Einzelkämpfer

Für gute Aufnahmen hängt sich Mattis Robowski auch aus dem fahrenden Auto.
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Für gute Aufnahmen hängt sich Mattis Robowski auch aus dem fahrenden Auto.

Mattis Robowski aus Sulingen studiert Digitale Filmproduktion und ist Jungunternehmer. Mit einem Weihnachtsgeschenk fing alles an.

Sulingen / Hannover – Mattis Robowski fährt gerne Auto. Anders als die meisten Menschen sitzt er dabei jedoch nicht nur entspannt in den Polstern, sondern hängt sich in voller Fahrt aus dem Seitenfenster. Um frische Luft geht es ihm dabei allerdings nicht – er ist auf der Jagd nach eindrucksvollen Motiven mit der Kamera.

Der 21-Jährige, geboren in Ulm, kam als Fünfjähriger mit seiner Familie nach Sulingen und wuchs hier auf. Mit der Kamera in Berührung brachte ihn sein Vater: „Er wollte meinen Bruder und mich in Richtung Fotografie bekommen und schenkte uns eine kleine Kamera und ein Buch, aber weil ich dafür ein Buch lesen sollte, fand ich das nicht so spannend.“

Zum 15. Geburtstag die erste Kamera

Zum 15. Geburtstag habe er dann seine erste richtige Kamera bekommen. „Da gab es diesen mysteriösen roten Knopf, auf den man nicht drücken durfte, weil sonst die Speicherkarte nach zehn Sekunden voll war.“ Gedrückt habe er den Knopf natürlich trotzdem und „einfach drauf los“ gefilmt.

Zuerst seien es nur private Motive wie Urlaube oder Bootstouren gewesen, aber „ich habe gemerkt, dass es mir viel Spaß macht, und mich dann umgesehen, wie ich damit mein Brot verdienen kann.“ Von den Eltern habe er das Startkapital für Kamera und Drohne erhalten, und seinen „ersten vernünftigen Arbeitsrechner“ kaufte er von einem Bausparvertrag, den seine Großeltern und seine Urgroßmutter für ihn angelegt hätten; der „elterliche Vorschuss“ sei auch längst zurückgezahlt. Per Mund-zu-Mund-Propaganda sei er dann zu ersten Aufträgen von heimischen Unternehmen zum Filmen oder zum Schneiden eines vorhandenen Films gekommen – „so hatte ich mein erstes Portfolio.“

Unternehmensgründung Anfang 2017

Noch vor dem Abitur gründete Robowski Anfang 2017 sein Unternehmen zur Produktion von Film und Foto, und im September 2017 nahm er am SAE Institute Hannover ein Bachelor-Studium für Digitale Filmproduktion auf. „Ich habe mich für dieses Studium entschieden, weil ich mich da nicht festlegen muss auf einzelne Bereiche, sondern alles machen kann.“

Inzwischen hat sich der Jungunternehmer eine breite Auswahl an Dienstleistungen erarbeitet, ob Produkt- und Imagefilme, Musikvideos, Hochzeitsfotografie oder Dokumentation von Events. Bei Spielen des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf fotografiert er, früher selbst aktiver Handballer des TuS Sulingen, für den Verein. Ursprünglich habe er Architekt oder Bauingenieur werden wollen, verrät er, und so biete er auch die Vermessung schwer zugänglicher Dächer per Drohne für Dachdecker an.

Mattis Robowski bei der Arbeit.

Den größten Reiz an seiner Arbeit macht für Robowski aus, dass er die ganze Geschichte von Anfang an gestalte, vom Konzept über die Kameraarbeit, den Schnitt und schließlich den Feinschliff. „Dabei entsteht gefühlt jedes Mal ein neuer Film – erst im Kopf, dann in der Kamera und schließlich in der Produktion.“ Allerdings arbeite er nicht komplett alleine an seinen Werken: „Ich habe viele Bekannte und Studienkollegen, mit denen ich bei Bedarf zusammenarbeite.“

Beispielsweise werde manchmal ein zweiter Kameramann benötigt, oder bei Interviews müsse jemand den Ton im Blick behalten, und für Voiceovers, also nachträglich eingefügte Tonaufnahmen, in den Filmen greife er auf professionelle Sprecher zurück. „Film ist ein Teamjob, keine Individualsportart.“

Dreharbeiten vor Alpenpanorama.

Sein liebstes Motiv? „Als Formel-eins-Fan bin ich autobegeistert“, und so genieße er besonders die Aufträge für den Mercedes-Benz-SLR-Club. Der Kontakt sei entstanden, als er dem Chef eines Autohauses in Hannover seine Dienstleistung angeboten habe, und der sei Mitglied in diesem Club. Also dokumentierte er eine dreitägige Clubtour mit etwa 30 Fahrzeugen nach Berlin.

„Das war quasi mein Bewerbungsgespräch“, sagt er, und seither habe er mehrfach für die Gruppe gearbeitet. So seien mehrere „Schraube für Schraube“-Erklärvideos zum SLR entstanden, und im September begleitete er den Club eine Woche lang auf einer Fahrt durch die Alpen in Österreich, Italien und der Schweiz.

„Ein Produkt schön in Szene setzen“

„Das sind nette Menschen, die Spaß an ihren Autos haben, und damit – Autos und ungestellte Emotionen – verbinden sich zwei Dinge, die ich liebe. Mir macht es sehr viel Spaß, dort dabei zu sein und das festhalten zu dürfen“, so Mattis Robowski.

Etwas weniger Spaß machen ihm Produktvideos, wie er einräumt, weil er dabei weniger künstlerische Freiheit habe und sie sehr aufwendig seien, aber „ein Produkt schön in Szene zu setzen, ist auch eine Herausforderung.“ Gar nichts zieht ihn dagegen nach Hollywood: „Ich habe schon szenische Sachen probiert, aber narratives, erzählendes Filmen ist nicht meins.“

Im März Abgabe der Bachelorarbeit

Für den März plant Robowski die Abgabe seiner Bachelorarbeit. Danach wolle er weiter selbstständig arbeiten und eventuell nebenbei ein weiteres Studium in Richtung Mediendesign beginnen. „In der Kreativindustrie wird selten nach dem Abschluss gefragt, sondern nach dem Portfolio“, weiß er. Dafür sei auch Networking, etwa durch ein Studium, wichtig.

Viele hätten ihm am Anfang gesagt, dass die Filmerei kein Job, sondern brotlose Kunst sei, aber die Familie habe hinter ihm gestanden und insbesondere ohne die Unterstützung seiner Eltern wäre es nicht möglich gewesen: „Verfolge deine Träume und lass dich nicht unterkriegen – bei mir war dieser Leitsatz zutreffend.“

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