Nachgefragt in Betrieben der Region

Maskenpflicht und Abstandsvorgaben: Für das Handwerk in der Region ist Homeoffice keine Option

Eine „Gästebuchtapete“ bringt die Mitarbeiterin der Firma „Ihr Raumausstatter“ Kai Wilker aus Neuenkirchen hier fachgerecht an die Wand.
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Eine „Gästebuchtapete“ bringt die Mitarbeiterin der Firma „Ihr Raumausstatter“ Kai Wilker aus Neuenkirchen hier fachgerecht an die Wand.

Sulinger Land – Was, wenn man beruflich gar nicht ins Homeoffice wechseln kann? Wenn der Kunde den Handwerker ruft? Wie wird da der Mund-Nasenschutz eingesetzt? Nachgefragt in einigen Betrieben im Sulinger Land.

Kai Wilker aus Neuenkirchen hat seine sechs Mitarbeiter in Teams aufgeteilt, zwei arbeiten alleine, vier in Zweierteams. In der Praxis bedeutet das, dass die Arbeitseinsätze mitunter länger dauern, als ursprünglich geplant, weil eben weniger Personen eingesetzt werden, als vor der Pandemie. Aber die Kunden zeigten Verständnis.

Tragen die Mitarbeiter bei der Arbeit die Maske? Wilker erklärt: „Wenn wir den Kunden das erste Mal besuchen, dann tragen wir die Maske.“ Seien die Kollegen für den Auftrag alleine in den Räumen, würden sie die Masken abnehmen. „Wenn wir bei Privatkunden arbeiten, da mache ich mir weniger Sorgen“, sagt der Raumausstatter. Anders sähe es auf großen, gewerblichen Baustellen aus. „Da kommen die Maurer schon mal zu fünft im Transporter, man kennt sich nicht, man weiß nicht, wie ernst die Kollegen die Situation nehmen.“ Das ist aber nur Teil des Problems: Ein anderes seien Hygieneoptionen auf manchen Baustellen. „Wir haben für jeden Mitarbeiter einen eigenen Wassereimer im Gepäck und Waschpaste, außerdem, natürlich, Desinfektionsmittel.“ Aber: Vor Ort gebe es meist nur eine Dixi-Toilette.

Gab es, coronabedingt, Stornierungen von Aufträgen? „Nein, im Gegenteil“, erklärt Wilker. Viele Bürger seien nicht im geplanten Urlaub gewesen – und investierten nun diese Gelder in ein neues Bad oder eine neue Küche. Die Trends? „Erdfarben, alles gedeckt, Schlamm-Töne – und Betonoptik.“

Kein Problem mit den Masken sieht Ernst Stöver von Stöver Farb- und Dämmtechnik aus Sulingen: „Wir brauchen die gar nicht, weil wir nur in Neubauten arbeiten oder Außenarbeiten durchführen.“

In Wohnungen und mit Kundenkontakt arbeiten dagegen die Mitarbeiter von Malermeister Ralf Bippus aus Sulingen. „Wenn wir Kontakt zum Kunden haben, etwa beim Betreten der Wohnung, dann tragen wir eine Maske. Meist arbeiten wir aber ja in einem Raum, und der Kunde hält sich woanders auf, dann nehmen wir die Maske wieder ab.“

Keine Beeinträchtigung durch Mund-Nasen-Bedeckung

Beim Betreten werde auch auf den nötigen Abstand geachtet, und alle Hygienevorschriften würden befolgt. Probleme habe es bisher nicht gegeben, und auch das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung sei keine Beeinträchtigung: „Wir sind es gewohnt, mit Maske zu arbeiten.“

„Ob es Konflikte zwischen Kunden und uns gibt, wegen der Maskenpflicht? Das würde ich nicht sagen“, antwortet Steve Schomburg, Inhaber der Scharringhäuser Firma „W & R Haustechnik und Komplettbau“. Es sei doch eine klare Ansage mit der Maskenpflicht und die Mitarbeiter trügen sie, natürlich. „Erst wenn sie alleine im Raum sind, können die Monteure die Maske abnehmen.“ Das Tragen des Mund-Nasenschutzes sei nicht angenehm, aber eben Vorgabe. Im üblichen Ablauf gibt es Veränderungen: Sein Team sei aufgeteilt, zumeist in Zweiergruppen, andere arbeiteten alleine, in den Fahrzeugen müssten die Masken getragen werden.

Über die Hygienevorschriften informiere die Handwerkskammer ihn immer bestens, lobt Schomburg. Die Firma wird auch für Aufträge im benachbarten Nordrhein-Westfalen gebucht. Baustellen dort würden mit Waschcontainern ausgestattet, berichtet Schomburg begeistert – das sei ein deutlicher Hygienepluspunkt, im Vergleich zu den Dixi-Toiletten, die es auch in einer Version mit kleinem Waschbecken gibt. Die aber eben kein Vergleich zu den Containern seien. „Das ist eine Kostenfrage“, sagt Schomburg. Der Container koste um die 2 000 Euro im Monat. Die günstigste Dixi-Ausgabe ist ab 21 Euro die Woche zu mieten. Gefragt, ob die Pandemie seine Auftragslage beeinflusst habe, verneint Schomburg: „Aufs ganze Jahr gerechnet nicht.“ Zwar seien im März, April und Mai alle Kundendienstaufträge abgesagt worden, aber heute sei das Team wieder „im normalen Wahnsinn“ angekommen. Im Endspurt zum Jahresende sei es „High Noon“, was die Zahl der Aufträge angehe.

Keine Diskussionen über die Maskenpflicht gibt es beim Bauservice Sadowski in Mellinghausen laut Geschäftsführer Przemyslaw Sadowski. „Alle tragen eine Maske, wenn die Kunden in der Wohnung sind – das müssen sie, das geht nicht anders.“ Selbst, wenn ihnen von den Kunden angeboten werde, die Masken abzunehmen, blieben sie auf: „Wir wollen nichts riskieren, und bei uns sind Gottseidank bislang alle gesund geblieben.“ Auf Baustellen ohne Kontakt zum Kunden werde dagegen ohne Maske gearbeitet, aber auch da werde darauf geachtet, „dass nicht alle auf einem Haufen hocken“, sondern nach Möglichkeit alleine und mit Abstand zueinander arbeiten. Gerne werde die Maske jedoch nicht getragen: „Wir fühlen uns beeinträchtigt, gerade wenn man körperlich arbeitet. Wir tragen zwar auch Staubmasken, aber es ist etwas anderes, wenn man den ganzen Tag eine Maske tragen muss.“

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