Marius Fiege installiert für Avacon Vogelschutzarmaturen an Stromleitung

Arbeitsplatz schwebt über 110.000 Volt

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In luftiger Höhe montiert Marius Fiege die Vogelschutzarmaturen. Zwei Minuten muss der Helikopter dafür im Schwebeflug gehalten werden. Links im Bild sind bereits installierte Warnbaken am Erdseil zu sehen.

Sulingen - Von Julia Kreykenbohm. Mit geübten Handgriffen lässt Marius Fiege die drei Haken klicken, die ihn mit seinem Arbeitsplatz verbinden. Einer links, einer rechts und einer an seinem Rücken. Dass diese richtig verschlossen sind, ist extrem wichtig, denn an diesen drei Haken hängt sein Leben.

Marius Fiege (links) und Martin Anz bereiten sich auf den nächsten Flug vor.

Der Monteur von Westnetz-Service GmbH aus Koblenz trägt einen roten Overall, über den noch ein schwarzes Gurtsystem gestreift ist, an dem wiederum die Haken befestigt sind. Dann zieht er sich noch zwei Handschuhe an jeder Hand über, denn sein Arbeitsplatz ist nicht nur gefährlich, sondern auch recht kalt. Zum Schluss stülpt er sich einen Helm über den Kopf und gibt Martin Anz ein Handzeichen. Das ist der Pilot, der nun den Motor der Augusta 109 anwirft, die auf dem Gelände des Umspannwerkes in Sulingen steht. Die Rotorblätter des Helikopters drehen sich laut brummend und schon erhebt sich die Maschine in luftige Höhe. Die linke Seite bleibt geöffnet, denn dort ist die Arbeitsbühne befestigt, auf dem Fiege sitzt und lässig die Beine baumeln lässt, während sich der Boden unter ihm immer schneller entfernt.

Das Ziel ist die Hochspannungsleitung von Ohlensehlen nach Bassum im Abschnitt zwischen den Umspannwerken Ohlensehlen und Sulingen. Im Gepäck haben Anz und Fiege zahlreiche, etwas seltsam aussehende Objekte, die jedoch einen wichtigen Zweck erfüllen sollen: Die Vögel vor den gefährlichen Leitungen zu schützen.

Derzeit lässt Avacon die sogenannten Vogelschutzarmaturen, eine Art Warnbake für Vögel, installieren. Sie werden an dem Erdseil – also der obersten Leitung an einem Strommast – befestigt und sind recht einfach gebaut. Es gibt eine Spirale, die um das Erdseil gewickelt wird und es mit zwei Haken verbindet, zwischen denen wiederum eine Stange befestigt ist. An dieser Stange baumeln schmale Kunststoffstäbe in schwarz und weiß. „Durch diesen Farbkontrast können die Vögel die Armatur leicht erkennen und schon aus der Ferne ihre Flughöhe anpassen“, berichtet Projektleiter Wolfgang Dee. „Zudem entsteht durch die Beweglichkeit ein Blinkeffekt.“

Simpel, aber wirkungsvoll, wie der Ornithologe Martin Stolzenburg weiß. „In den Gebieten, wo diese Schutzarmaturen benutzt werden, sterben 90 Prozent weniger Vögel durch Zusammenstoß mit einer Stromleitung.“ Stolzenburg war es, der Avacon auf die Möglichkeit mit dem Warnbaken hinwies. „Es ist gerade für die Zugvögel wichtig, die dieses Gebiet nicht kennen, oder auch für Wasservögel, die im Flug nur langsam reagieren können.“

Inzwischen hängen schon rund 450 Schutzarmaturen. 650 sollen noch folgen, so dass am Ende 1100 Warnbaken installiert sind. Alle 25 Meter eine. Insgesamt 220 000 Euro lässt sich die Avacon, die per Gesetz verpflichtet ist, etwas für den Schutz der Vögel zu tun, das kosten. „Wir hoffen, dass wir noch diesen Monat fertig werden“, sagt Projektleiter Dee und schaut in den trüben Himmel. „Es hängt natürlich auch immer vom Wetter ab, ob der Helikopter starten kann.“

Der Helikopter, die Augusta 109, ist ein besonderes Modell, das für die Arbeit an der Stromleitung perfekt ist. Er kann seine Räder einziehen und wenn eine Turbine ausfällt, greift er auf eine zweite zurück. „,Rotorflug‘ ist europaweit die einzige Firma, die sowas macht“, sagt Pilot Martin Anz, der seit drei Jahren die Oberleitungen anfliegt, damit sie mit Warnbaken bestückt oder auch repariert werden können.

Routine entwickele man dabei nicht wirklich. „Kein Tag ist wie der andere“, sagt Anz und lacht. „Es ist immer ne tricky (knifflige) Nummer, den Helikopter zwei Minuten im Schwebeflug zu halten. Manchmal rufen besorgte Bürger bei der Polizei an, weil sie glauben, ein Helikopter habe sich in den Stromleitungen verfangen.“

Anz hat inzwischen die Stromleitungen über Sulingen erreicht und schwebt direkt neben dem Erdseil, so dass Fiege mit der Montage der Armaturen beginnen kann. Unter ihm laufen Leitungen entlang, die 110 000 Volt haben. Rund zwei Minunten dauert es, dann fliegt der Helikopter weiter und das Spiel beginnt von Neuem. Ungefähr eine Stunde geht das so, dann muss der Helikopter tanken und Fiege seine taub gewordenen Finger aufwärmen. Meist schaffen er und Anz vier Touren am Tag. Dann ist es genug, denn die Arbeit verlangt Pilot und Monteur hohe Konzentration ab. „Ich mache das seit einem Jahr“, berichtet Fiege und grinst verschmitzt. „Der Verschleiß ist recht hoch.“

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