Büchner und die Gesellschaft, die nicht zum friedlichen Zusammenleben imstande ist

Aufführung von "Dantons Tod" im Stadttheater

Das Ensemble des Theaters für Niedersachsen zeigte Georg Büchners „Dantons Tod“. - Foto: mks

Sulingen - Von Martina Kurth-Schumacher. Georg Danton fordert: „Revolution muss aufhören und die Republik muss anfangen“, sein Gegenspieler Robespierre will das Volk hingegen durch Schreckensherrschaft auf den Pfad der Tugend bringen. Georg Büchner (1813 bis 1837) beschreibt in „Dantons Tod“ ihren Konflikt vor dem historischen Hintergrund der Französischen Revolution. Dieses Stück wurde am Donnerstag im Stadttheater Sulingen aufgeführt.

Die gemäßigten Girondisten waren zur Kooperation mit dem König bereit, die Jakobiner, hervorgegangen aus der „Gesellschaft der Menschenrechte“, strebten unter der Führung von Robespierre und Danton eine radikale Veränderung der Verhältnisse an. Zehntausende Royalisten und politische Gefangene wurden zum Tod verurteilt.

Fünf Jahre nach dem Sturm auf die Bastille richtet sich die Gewalt der Revolutionäre gegeneinander. Büchners Stück beginnt im März 1794 mit der Hinrichtung der sozialrevolutionären und antiklerikalen Vertreter der Jakobiner und endet mit der Verurteilung Dantons zum Tod durch die Guillotine (April 1794) – durch das von ihm selbst ein Jahr zuvor einberufene Tribunal.

Das Revolutionsdrama galt lange als unspielbar, die Uraufführung fand erst 67 Jahre nach seiner Veröffentlichung statt. Wolfgang Hofmann hat das Stück für das „Theater für Niedersachsen“ neu inszeniert – sinnlich-sensibel und verstörend. Lars Peter (Bühnenbild) und Esther Bätschmann (Kostüme) beschränkten sich auf eine schlichte, minimalistische aber optisch reizvolle Ausstattung. Dennis Habermehl (Danton) und Moritz Nikolaus Koch (Robespierre) seien stellvertretend für ein starkes Ensemble genannt. Das Stück entlarvt psychologisch differenziert die Helden der Revolution, die trotz lauterer Absichten um Frieden und Freiheit immer tiefer in den Strudel von Hass und Unfrieden geraten.

Büchner hatte 45 Jahre nach dem Beginn der französischen Revolution in Hessen eine geheime „Gesellschaft der Menschenrechte“ gegründet und zum Aufstand gegen die Unterdrückung aufgerufen. Anhand eigener Erfahrungen spiegelt er in „Dantons Tod“ eine Gesellschaft, die nicht zum friedlichen Zusammenleben imstande ist. Und er dokumentiert das Scheitern einer humanistischen Idee. Revolutionsmüde Idealisten, eloquente Fensterredner, manipulierbare Massen, Zerrissenheit und Desorientierung des Volkes: Parallelen zur Gegenwart drängen sich auf. Wie sagte Danton? „Die Statue der Freiheit ist noch nicht gegossen. Der Ofen glüht, wir alle können uns noch die Finger dabei verbrennen.“

Als Vorbereitung zur Abiturprüfung 2017 hat das Niedersächsische Kultusministerium „Dantons Tod“ zur verbindlichen Lektüre erklärt. Entsprechend frequentiert war das Theater von Oberstufenschülern, die das Gros der 220 Besucher stellten. Sie hatten sich bereits intensiv mit dem Stoff auseinandergesetzt und waren damit denjenigen klar im Vorteil, die auf einen „unterhaltsamen Theaterabend“ eingestellt waren.

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