Vorlesung statt Vorgarten: Senior-Gasthörer aus Sulingen an der Universität

„Man wird nicht dümmer“

Genießen den Wissensinput als Gasthörer: Elke Körner (links), Elisabeth Fuhrmann-Klamt, Michael Klamt.
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Genießen den Wissensinput als Gasthörer: Elke Körner (links), Elisabeth Fuhrmann-Klamt, Michael Klamt.

Sulingen – „Man wird nicht dümmer“, sagt Elke Körner und lächelt. Die 76-Jährige und ein befreundetes Ehepaar aus Sulingen, Elisabeth Fuhrmann-Klamt (66) und Michael Klamt (74), haben die Option „Gasthörende an der Uni Vechta“ für sich entdeckt. Elke Körner kannte das aus Hannover, musste nach dem Umzug ins Mittelzentrum von dieser Art des lebhaften Informationsinputs aber Abstand nehmen: Hannover war zu weit entfernt, zu wuselig und ungünstig per Auto anzufahren und Sulingen hat eben keine Uni.

„Wir haben die Unis ins Bremen und Münster ausgeschlossen, weil die zu weit entfernt sind“, erklären Klamts. Es blieb: Vechta. Mit dem Vorteil, dass man dort keine Parkplatzprobleme hat, die Universität überschaubar ist und die Betreuerin der Gasthörenden immer ein offenes Ohr für die Senioren hat.

Das Sulinger Trio fühlt sich bestens aufgehoben und wird auch von den um Jahrzehnte jüngeren Erststudierenden gut aufgenommen. Die Ausweise, die die Gasthörenden erhalten, berechtigen zum Besuch von Mensa und Bibliothek.

Auswahl ist auf Vorlesungen begrenzt

Die Auswahl ist auf Vorlesungen begrenzt und es stehen auch nicht alle Themenbereiche offen. Die Damen hätten gerne Literatur, Michael Klamt indes schwärmt von der Philosophie. Alle drei sind begeistert von Weltwirtschaft und Globalisierung, weil: „Das in der Vorlesung erworbene Wissen lässt uns aktuelle Nachrichten verstehen“, sagen sie unisono.

Die Gasthörenden sind aktuell genauso nicht präsent an der Uni, wie die Regelstudenten. Das Sommersemester fiel aus, das laufende Wintersemester findet digital statt. Und so gefällt es dem Trio nicht wirklich. Die Rückfahrt aus Vechta haben sie sonst genutzt, für einen Diskurs über die Inhalte der gerade erlebten Vorlesung. Das entfällt derzeit. Dennoch will Elke Körner die Weiterbildung nicht missen, denn das Gehörte „bewegt sich im Kopf weiter.“

Und, nun ja, wie soll man es sagen: Auch die Senioren werden ein wenig nachlässig. Elisabeth Fuhrmann-Klamt gesteht ein, dass sie jetzt das Mitgeschriebene aus dem Notizheft nicht mehr auf Karteikarten überträgt, für den extra angelegten Karteikasten. „Jetzt höre ich nur noch zu“, gesteht sie.

Gefreut hatte sie sich seinerzeit auf den klassischen Vorleseraum mit steil nach oben ansteigenden Sitzreihen. Aber die Räume an der Universität Vechta sind neueren Datums und bieten solches nicht.

Abitur ist keine Voraussetzung

Gasthörende stellen in Vechta einen Antrag, zahlen einen monatlichen Beitrag und können dann einige Stunden wöchentlich an den Vorlesungen teilnehmen. Das Abitur ist nicht notwendige Voraussetzung für den Antrag. Die Anmeldung erfolgt für jedes Semester aufs Neue, wie es auch die anderen Studenten tun müssen. Die Plätze für Gasthörende sind limitiert, auch eine Teilnahme an Seminaren nicht erlaubt. Das bleibt den Studierenden vorbehalten, die nach einem Abschluss streben. Das tun die Senioren nicht. Nein, nicht mal eine Prüfung wollen sie ablegen. Nein, nicht mal aus spaßigem Interesse. „Dann müssten wir ja richtig lernen.“

Ausgestattet werden sie unter anderem auch mit einem Zugang zum Rechenzentrum. Die Hilfe über die Hotline sei sehr freundlich: „Die wissen, dass wir keine jungen Leute mehr sind und in der Technik nicht so bewandert.“ Aber genügend bewandert, dass Michael Klamt Notizen auf einem Tablet macht und alle sich einloggen können am heimischen PC oder Laptop für die virtuelle Vorlesung.

Wenn sowieso alles digital läuft, wäre es doch möglich, auch Vorlesungen an anderen Unis zu verfolgen, oder? Eine Vorstellung, die dem Trio gefällt – sich einloggen an größeren Hochschulen, auch für andere Bereiche, die in Vechta nicht angeboten werden. „Jedoch dort wird oft genug nur ein Studium generale angeboten, das ist mir zu wenig“, moniert Michael Klamt.

Aus ihren Vorlesungen nehmen sie Hinweise mit, für weitere Recherchen, die entweder online erfolgen oder sie bestimmte Bücher kaufen lassen, um ein Thema zu vertiefen.

Elke Körner, Elisabeth Fuhrmann-Klamt und Michael Klamt sind zudem voll des Lobes für die Professoren, denen man gerne zuhöre und die sie auf andere Blickwinkel aufmerksam machten. „Wir wollten vor allem mal über den Tellerrand hinausgucken“, erklärt Fuhrmann-Klamt. Sie könne Dinge jetzt ganz anders einordnen – und kompetent mitreden.

Überhaupt sei das Thema Globalisierung nicht nur Anlass zur Freude, sagt Elke Körner. Was es mit den Freihandelsverträgen mit China auf sich hat, von denen aktuell die Rede ist, wissen die Drei, die Verträge waren Inhalt einer Vorlesung.

Die klare einmütige Bilanz der drei Senioren lautet: „Wir machen weiter und können das nur empfehlen.“

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