Bestseller-Autorin Tanja Kinkel zu Gast in der Sulinger Stadtbücherei

Märchen, Morde und Mätressen

Autorin Tanja Kinkel war zu Gast in der Stadtbücherei in Sulingen. Foto: Kurth-Schumacher

Sulingen - Von Martina Kurth-schumacher. „Sie dürfen mich alles fragen – nur nicht, wer der Mörder ist“, sagte Bestseller-Autorin Tanja Kinkel im Anschluss an ihre einstündige Lesung, zu der die Stadtbücherei am Donnerstagabend in Kooperation mit dem Kulturverein Sulingen eingeladen hatte. Die Zuhörer nutzten die Chance: Vor der Autogrammstunde „löcherten“ sie die 50-Jährige mit interessierten Nachfragen zur Entstehungsgeschichte ihrer Bücher und ihrem beruflichen Erfolgsrezept.

Im Fokus stand ihr 2017 erschienener historischer Roman „Grimms Morde“. 1821 wird die ehemalige Mätresse des Landesfürsten am Kurfürstenhof in Kassel bestialisch ermordet. Bei ihrer Leiche fand man ein Zitat aus dem Märchen „Die drei schwarzen Prinzessinnen“, das die Schwester Jenny und Annette von Droste-Hülshoff zur Märchensammlung der Gebrüder Grimm beigesteuert hatten. Hofbibliothekar Jacob Grimm gerät unter Mordverdacht. Die Schwestern Droste-Hülshoff aus Westfalen beschließen, ihm und seinem Bruder Wilhelm beizustehen. Jenny hat darüber hinaus ein ganz persönliches Interesse an der Reise.

Fiktiver Fall, belegbare Historie

Tanja Kinkel verwebt einen fiktiven Kriminalfall mit belegbarer Historie. So gehörten Jenny und Annette von Droste-Hülshoff neben der Adelsfamilie von Haxthausen zu den produktivsten Erzählern, die den Gebrüdern Grimm Märchen zutrugen. Biografien und Primärquellen wie Briefe und Tagebücher sind Grundlage ihrer minutiösen Vorbereitung.

Wie haben die Menschen gelebt? Wie waren sie gekleidet? Was haben sie gegessen? Wie haben sie kommuniziert? Wie waren ihre Lebensumstände? Allein die Recherche für ihre historischen Romane und letztendlich die Auswahl der Daten und Fakten, die in ihr Buch einfließen sollen, nehme anderthalb Jahre in Anspruch, erklärte Tanja Kinkel.

Sie besuche, wenn möglich, die Orte der jeweiligen Handlungen. Um sich in „Manduchai, die letzte Kriegerkönigin“, Heldin eines weiteren historischen Romans, einzufühlen, habe sie etwa einige Wochen in der Mongolei verbracht: „Die Plausibilität muss stimmen!“

Gibt es dennoch Kritiker, die das „Haar in der Suppe“ finden? Kinkel: „Wenn ja, erinnere ich daran, dass es sich um einen Roman, und nicht um einen Tatsachenbericht handelt. Im Übrigen lässt die historische Faktenlage in der Regel mehr als eine Deutung zu.“

„Faktenlage lässt mehr als eine Deutung zu“

Tanja Kinkel begann und beendete ihren Vortrag mit einem „Märchengedicht“. Ambitionen als Lyrikerin hege sie jedoch nicht, erklärte sie auf Nachfrage: „Ich beschränke mich auf Verse zu Familienanlässen. Meine Stärken liegen in der Prosa.“

Dagmar Ahrens, Leiterin der Stadtbücherei, bedankte sich bei der Autorin für ihre Lesung und für die inspirierende „Fragestunde“ im Anschluss: „Der Abend weckte Interesse für das geschriebene Wort im Allgemeinen und Besonderen.“ Und für die Stadtbücherei Sulingen, die sich einmal mehr als passendes Ambiente für die Veranstaltungsreihe erwies.

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