Drei Ehrenamtliche des Hospizdienstes entwickeln neues Angebot

Männertreff als Alternative zum Trauercafé

„Wir hoffen, dass sich die Betroffenen überwinden und den Weg zu uns finden“, sagt Kai Schlüter, hier mit Florian Krauss, Hospizdienst-Koordinatorin Elke Borghorst und Werner Hinken (von links). Foto: Kurth-Schumacher

Sulingen – Frauen suchen in der Trauer die Gemeinschaft; für sie ist es „normal“, sich über Gefühle auszutauschen. Männer ziehen sich in der Regel zurück, zeigen keine „Schwäche“. „Manchmal ist es so, als würden Männer und Frauen unterschiedliche Sprachen sprechen – besonders im Fall eines schweren Verlustes“, sagt Elke Borghorst, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Sulingen und umzu. Dass drei Männer aus den Reihen der ehrenamtlichen Mitarbeiter ein Angebot für ihre Geschlechtsgenossen entwickelt haben, findet sie großartig: „Der Bedarf für eine Gesprächsrunde für Männer ist da. Da häufig die Frauen die Pflege der sozialen Kontakte übernehmen, sind sie nach dem Tod ihrer Partnerin besonders von der Vereinsamung betroffen.“

Florian Krauss ist einer der wenigen Männer, die sich im Ambulanten Hospizdienst engagieren. Nach dem Tod seiner Ehefrau hatte er in einem Trauer-Café das Gespräch gesucht. „Die Begleitung war qualifiziert, aber emotional nicht auf meiner Wellenlänge“, erinnert sich Krauss. Für seine Idee, einen „Männertreff“ ins Leben zu rufen, konnte er spontan Werner Hinken und Kai Schlüter, ebenfalls Hospizbegleiter, begeistern.

Die Motivation für ihr Engagement in der Hospizarbeit hat vielfältige Gründe. „Der Tod ist in unserer Gesellschaft immer noch Tabu-Thema“, findet Kai Schlüter. Er selbst hat sich damit viel beschäftigt. Als Zivildienstleistender in der Altenpflege habe er festgestellt: „Das Emotionale kommt zu kurz.“ Dass man der älteren Generation in anderen Kulturen viel mehr Respekt entgegenbringt, findet der Bauingenieur vorbildhaft. Für Werner Hinken war der Tod seiner Schwiegereltern wegweisend. Und das Engagement seiner Frau in der ambulanten Hospizarbeit: „Ohne Ehrenamt geht nichts, und in diesem Bereich ist es besonders nötig. Und erfüllend.“

Aus der Erkenntnis heraus, dass Männer selbstverständlich auch tiefe Gefühle haben und nach einem schweren Verlust ebenso verstört und verunsichert sind, ihre Trauer nur anders verarbeiten, bieten sich Florian Krauss, Werner Hinken und Kai Schlüter als Gesprächspartner an. Ihr überkonfessionell ausgerichtetes Projekt ist eine Ergänzung zum vorwiegend von Frauen besuchten Trauercafé, das der Ambulante Hospizdienst 2012 ins Leben gerufen hatte. Angedacht sind monatliche Treffen. Der erste Termin ist Dienstag, der 19. November (19 Uhr, Palliativstützpunkt Sulingen, Wiesenweg 6). Die Gespräche sind vertraulich, die Teilnahme ist kostenfrei, unverbindlich und auch ohne Anmeldung möglich (weitere Infos unter Tel. 0 42 71 / 9 55 45 00).

Die Gruppe sei völlig offen, was die Gestaltung der Abende angeht, sagt Kai Schlüter: „Wir hoffen, dass sich die Betroffenen überwinden und den Weg zu uns finden. Wohin die Reise geht, entscheiden wir dann gemeinsam.“ Kneipenbesuch? Kochen? Grillen? Spazieren gehen? „Alles ist möglich“, betonen die Initiatoren des Männer-Treffs. Nur eines stehe fest: „Wir werden nicht nur über das Sterben und den Tod sprechen. Es geht auch ums Leben.“

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